Collage: Postkarte der Bundeswehr mit Namenssymbol
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Collage: Postkarte der Bundeswehr mit Namenssymbol

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Bundeswehr-Postkarten-Aktion sorgt für Kontroverse

Vor ein paar Tagen haben Jugendliche, die nächstes Jahr volljährig werden, eine Postkarte von der Bundeswehr bekommen. Das Besondere: Auf der Postkarte prangt groß der eigene Familienname. Das hat für Aufregung gesorgt.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

"Woher haben die meinen Namen?", "Wie sieht es mit dem Datenschutz aus?" So die Kommentare im Netz zur Postkarten-Aktion der Bundeswehr. Auch der 17-jährige Lino aus Bad Tölz war irritiert, als er vergangene Woche von der Schule nach Hause kam und die Karte sah. Sein Bruder vermutete sogar, Lino würde jetzt eingezogen. "Das fand ich schon krass. Wenn dann so eine Postkarte mit meinem Familiennamen im Postkasten liegt." Gegen einen neutralen Brief hätte er nichts gehabt, erklärt er, auch wenn er selbst nicht zur Bundeswehr möchte, doch diese Aktion geht ihm zu weit.

Einladung zum "Tag der Bundeswehr" sorgt für Aufmerksamkeit

630.000 Jugendliche mit deutscher Staatsangehörigkeit haben seit Mitte Mai diese Postkarte bekommen, schreibt die Bundeswehr auf BR24-Anfrage. Mädchen und Jungen. Es handelt sich keineswegs um eine Einberufung, sondern um eine Werbeaktion, die es schon seit mehreren Jahren gibt. Auch dieses Jahr wird so wieder zum Tag der Bundeswehr eingeladen, der am 6. Juni an verschiedenen Standorten in Deutschland stattfindet. Es soll um Nachwuchs geworben werden. "Entdecke über 50 Ausbildungsberufe und Studiengänge – sowie mehr als 1.000 verschiedene Jobs in Uniform oder in zivil," heißt es auf der Rückseite der Postkarte.

"Handwerklich gut gemachte Werbung"

Aufmerksamkeit habe die Bundeswehr damit auf jeden Fall erreicht, erläutert Werbewissenschaftler Professor Manfred Schwaiger von der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität. "Die Karte arbeitet natürlich auch mit einem sogenannten Identitätsangebot, ob man das jetzt mag oder nicht", sagt Schwaiger. Das Kopfkino werde bei den Betrachtern gut geweckt. Aus werbewissenschaftlicher Sicht sei die Kampagne gut gemacht. Und die Postkarte spreche die Jugendlichen, die vor allem in den sozialen Medien unterwegs seien, mit einem haptischen Erlebnis an. Das sei überraschend. Ethisch und moralisch könne man diese Art der Werbung aber natürlich kritisieren, räumt der Wissenschaftler ein.

Kritiker: Unter 18-Jährige sollten nicht angeworben werden

Genau das macht Yannick Kiesel von der Deutschen Friedensgesellschaft. Ihn stört an der Nachwuchs-Werbekampagne der Bundeswehr, dass das Soldatsein als Abenteuer dargestellt werde. Dass Töten und Sterben dazu gehört, werde verschwiegen. "Dazu kommt dann natürlich auch, dass es speziell Minderjährige betrifft, wir verstoßen als Bundeswehr oder als Deutschland dann quasi auch gegen die Kinderrechtsstandards der UN-Menschenrechtskonvention." Tatsächlich ist seit 2002 gemäß eines Zusatzprotokolls der UN-Kinderrechtskonvention der Missbrauch von Kindern als Soldaten verboten. Allerdings dürfen in Deutschland 17-Jährige nur mit dem Einverständnis der Eltern zum Militär und es gelten strenge Auflagen. Doch es gibt auch EU-Länder, die nur Volljährige rekrutieren.

Darf die Bundeswehr das?

Problematisch findet Kiesel außerdem, dass die Bundeswehr über die kommunalen Meldeämter an die Namen und Adressen der Jugendlichen komme. Auch im Netz wird das kritisch kommentiert. Vor allem Eltern finden die Datenweitergabe befremdlich. Doch diese Praxis ist legal. Von Seiten der Bundeswehr heißt es: "Der Gesetzgeber hat der Bundeswehr mit § 58c des Soldatengesetzes die Möglichkeit eröffnet, Informationsmaterial über Tätigkeiten in den Streitkräften zu versenden. Dazu übermitteln die kommunalen Meldebehörden jährlich die Daten zu Personen mit deutscher Staatsangehörigkeit bis zum 31. März an das Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr.“

Widerspruch bei Meldedaten nicht mehr möglich

Während Eltern noch vergangenes Jahr der Datenweitergabe widersprechen konnten, ist das jetzt mit dem neuen Wehrdienst-Modernisierungsgesetz nicht mehr möglich. Auch das ärgert einige Eltern. Die Bundeswehr will die Aussagen oder Kritik Dritter nicht kommentieren, schreibt sie auf BR24-Anfrage. Sie verteidigt aber die Postkarten-Aktion: "Die Bundeswehr braucht diese Möglichkeit für den personellen Aufwuchs und die Erfüllung des verfassungsrechtlichen Auftrags (Landes-/Bündnisverteidigung), um über die Vielzahl der militärischen und zivilen Verwendungsmöglichkeiten informieren zu können."

Es gibt auch positive Resonanz

Nicht alle Jugendlichen finden die Aktion schlecht. Der 17-Jährige Maximilian aus Bad Tölz findet sie richtig: "Natürlich ist es erst mal ein kleiner Schock: 'Woher haben die das?' Aber im Nachhinein betrachtet, bin ich der Meinung, dass das eine positiv gestaltete Kampagne ist, weil man eben die jüngeren Leute direkt anspricht. So muss man werben, wenn man Leute für seinen Beruf erreichen will.“ Maximilian möchte nach dem Abitur selbst zur Bundeswehr. Auch seine Mitschülerin Lisa findet die Aktion okay, "weil man ja wisse, dass das alles wieder komme." Sie kann sich ebenfalls vorstellen, Wehrdienst zu machen. Ob und wie stark sich die Postkarten-Aktion für die Bundeswehr in den vergangenen Jahren ausgezahlt hat, ist unklar. Auf BR-Anfrage heißt es nur, die Aktion habe sich bewährt.

BR24 auf TikTok: Bundeswehr verschickt Karten an Jugendliche

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