"Die Quagga-Muschel kann auf allen Untergründen wachsen, wir finden sie in allen Wassertiefen bis runter auf 250 Meter", sagt Alexander Brinker. Er ist der Leiter der Fischereiforschungsstelle in Langenargen am Bodensee und kennt sich sehr gut aus mit der Quagga-Muschel. Denn eigentlich im Schwarzmeer beheimatet, bevölkert die invasive Muschelart seit 2016 in einem rasanten Tempo den Bodensee. Sehr wahrscheinlich wurde sie eingeschleppt über Boote, an denen sich die Muscheln festgesetzt hatten.
Quagga-Muschel verursacht vielfältige Probleme
"Die Quagga-Muschel vermehrt sich stark, weil sie das ganze Jahr über Nachkommen produziert", erklärt Brinker. Etwa 4.000 Muscheln siedeln sich Schätzungen nach pro Quadratmeter an - das bringe enorme Probleme mit sich.
Zum einen machen sie laut Forschungsstelle den Bodensee nährstoffärmer, was dann über die Nahrungskette bei den Fischen durchschlägt. Zum anderen verstopften die dicht an dicht sitzenden Muscheln Rohre und Wasserleitungen, durch die Millionen Menschen mit Trinkwasser versorgt werden. "Diese Trinkwasserstellen müssen nun für Milliarden von Euro ertüchtigt werden, um auf diese Verstopfungsproblematik zu reagieren", sagt Brinker.
Auch Badegäste müssen aufpassen, warnt der Forschungsstellen-Leiter. Denn an den scharfkantigen Muschelschalen können man sich schnell schneiden.
Neue Studie soll Problem mit der Quagga-Muschel lösen
Wissenschaftler sollen nun herausfinden, welche Möglichkeiten es gibt, die Quagga-Muschel aufzuhalten. Dafür hat die Internationale Bodensee-Konferenz (IBK) unter dem Vorsitz Baden-Württembergs eine neue Studie in Auftrag gegeben. "Sie sollen beispielsweise untersuchen, welche Fressfeinde der Quagga-Muschel uns helfen könnten und was man tun kann, um diese Fischarten zu stärken", sagte der IBK-Vorsitzende Florian Hassler.
Mit Chemikalien könne man die Muscheln nicht bekämpfen, das sei für den See viel zu gefährlich. Weltweit gebe es bisher kein erfolgversprechendes Mittel gegen diese Muscheln. Eine weitere massive Ausbreitung könne nur auf natürliche Art verhindert werden.
Zu wenig muschelfressende Fische im Bodensee
So treten natürliche Fressfeinde auf den Plan: Fischarten wie Rotaugen, Karpfen und Schleie sind mit ihren Schlundzähnen in der Lage, die Muschelschalen wie "ein Nussknacker" zu knacken, sagt Alexander Brinker. Untersuchungen hätten gezeigt, dass die Muscheln im Bodensee auf dem Speiseplan der Rotaugen stehen, "80 Prozent des Mageninhaltes der Fische besteht aus den Muschelinnereien", sagt Brinker. Das Problem: Aktuell seien zu wenig muschelfressende Fische im See.
Wieso die benötigte Fischdichte trotz des mehr als reichen Muschel-Angebots fehle und wie man sie fördern könne, sei Teil der geplanten Untersuchung, die laut IBK von diesem bis zum Jahr 2028 laufen soll. Da könne man bisher nur spekulieren, so Brinker weiter. Die Fischart sei leider auch auf dem Speiseplan eines gefürchteten Fischjägers: dem Kormoran.
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