Sommer, Sonne, Leinwand: Spätestens seit der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland 2006 gehört Public Viewing bei solchen Turnieren für viele Menschen dazu. Bei der diesjährigen WM in Kanada, Mexiko und den USA sind die Anstoßzeiten aber eine Herausforderung. Viele Spiele beginnen um 21 oder 22 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit, manche aber auch erst um Mitternacht oder noch später. Was bedeutet das fürs Public Viewing? Was ist privat erlaubt, was öffentlich geplant? Ein Überblick.
Was gilt auf der eigenen Terrasse, im Garten oder Hof?
Am späten Abend den Grill anschmeißen, dazu eine Ladung Bier oder Softdrinks: Das wird bei der Fußball-WM nicht überall einfach. Für private Feste draußen gilt weiterhin: Von 22 bis sechs Uhr gilt die übliche Nachtruhe. Fühlen sich Nachbarn gestört, können Ordnungsamt oder Polizei eingreifen. Faustregel: Je später das Spiel, desto eher sollte man im Freundes- und Familienkreis nach drinnen ausweichen.
Immerhin: Wer nicht öffentlich einlädt, keine kommerziellen Interessen verfolgt und erkennbar in einer geschlossenen Runde schaut, braucht in der Regel keine Lizenz des Weltfußballverbands Fifa und muss auch keine Gema-Gebühren zahlen. Wer bei gutem Wetter beispielsweise ein Spiel ab 22 Uhr (wie Deutschland gegen die Elfenbeinküste am 20. Juni) draußen im eigenen Garten oder auf der Terrasse schauen will, kann folgende Tipps beachten:
- Nachbarschaft frühzeitig "vorwarnen" (oder gleich einladen)
- Lautsprecher nicht in Richtung angrenzender Wohnungen oder Häuser ausrichten
- Lautstärke so niedrig wie möglich halten
- Kabel-TV statt Online-Streaming (sonst droht wegen der Verzögerung "Spoiler-Jubel" in der Nachbarschaft)
Was gilt in Biergärten, Bars und Kneipen?
Andere Regeln gelten für öffentliche Veranstaltungen im Freien, bei denen viele Menschen Spiele der Fußball-WM 2026 schauen. Wer solche Public Viewings veranstaltet, benötigt in der Regel eine kostenpflichtige Fifa-Lizenz und muss Gema-Gebühren zahlen. Maßgeblich ist, ob die Veranstaltung öffentlich zugänglich ist, ob Eintritt verlangt wird, Sponsoren eingebunden sind oder ein geschäftlicher Zweck im Vordergrund steht.
Zudem braucht man eine behördliche Genehmigung – oder eine Ausnahmegenehmigung. Hintergrund: Das Bundeskabinett hat eine spezielle Public-Viewing-Verordnung beschlossen (externer Link), die für die WM 2026 Ausnahmen von den üblichen Lärmschutz-Regeln nach 22 Uhr ermöglicht. Kommunen können damit Public-Viewing-Veranstaltungen auch in der Nacht erlauben – müssen aber jeden Einzelfall prüfen und dabei zwischen öffentlichem Interesse und Schutz der Nachtruhe abwägen.
Welche Regeln genau gelten, unterscheidet sich von Stadt zu Stadt. Für München gilt (externer Link): WM-Spiele dürfen im Außenbereich von Biergärten und Gaststätten bis ein Uhr und wieder ab sechs Uhr übertragen werden. Es sei denn, dort darf der Außenbereich aus Lärmschutzgründen schon jetzt nur bis 22 Uhr offen sein.
Was ist mit großen Fanmeilen in München, Berlin & Co?
In München ist kein großes Public Viewing geplant – wie zuletzt im Olympiapark bei der Fußball-Europameisterschaft 2024. Das gilt nach aktuellem Informationsstand ebenfalls für Nürnberg, Augsburg und Regensburg. Auch eine große Fanmeile in Berlin am Brandenburger Tor wird es heuer nicht geben.
Öffentliches Fußballschauen findet in diesem Jahr also kleinteiliger statt: vor allem in Biergärten, Wirtshäusern, Bars, Eventlocations, Vereinsheimen – und im kleineren Rahmen in Gärten oder Innenhöfen.
Wie ist die Stimmung in der (bayerischen) Gastronomie?
Der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga Bayern bezeichnete die Möglichkeit, auch nach 22 Uhr Public Viewing zu erlauben, als "gute Nachricht für viele Gastronomen und ihre Gäste". Der Verband teilte zuletzt mit: Nichts gehe "über das gemeinsame Mitfiebern und Feiern in Kneipen, Restaurants oder Biergärten – ein Erlebnis, das kein Wohnzimmer bieten kann".
Die deutschen Brauereien erwarten nach eigenen Angaben keinen Bier-Boom durch die Fußball-WM. Allerdings begrüßte der Brauer-Bund zuletzt die Möglichkeit, öffentliches Public Viewing auch nach 22 Uhr anzubieten: "Das schafft Planungssicherheit für Gastronomie, Veranstalter und Brauereien und ermöglicht Fans trotz Zeitverschiebung das gemeinsame Fußballerlebnis."
Fußball-WM 2026: Wann beginnen die (deutschen) Spiele?
Die deutschen WM-Gruppenspiele 2026 finden hierzulande abends statt. Auftakt ist am Sonntag, 14. Juni, um 19 Uhr MESZ gegen Curaçao in Houston. Am 20. Juni spielt Deutschland um 22 Uhr gegen die Elfenbeinküste in Toronto, am 25. Juni ebenfalls um 22 Uhr gegen Ecuador in New York/New Jersey.
Kommt Deutschland als Gruppensieger weiter, würde das Sechzehntelfinale um 22.30 Uhr angestoßen. Das Finale und die beiden Halbfinalspiele beginnen um 21 Uhr. Insgesamt gibt es bei der WM viele verschiedene Anstoßzeiten – zwischen 18 und sechs Uhr deutscher Zeit.
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