Nach dem Hammerangriff im Oktober vergangenen Jahres auf zwei Schüler an einer Mittelschule im schwäbischen Friedberg beginnt heute der Prozess gegen einen 15-Jährigen vor der Jugendkammer des Landgerichts Augsburg. Dem Jugendlichen wird unter anderem versuchter Mord mit mutmaßlich rassistischem und islamfeindlichem Hintergrund vorgeworfen.
Das Verfahren findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt – weil der Angeklagte zum Zeitpunkt der Tat noch minderjährig war. Dazu erklärt Gerichtssprecher Michael Rauh auf BR-Nachfrage: "Grund für die Nichtöffentlichkeit ist, dass der Jugendliche hier eben nicht öffentlich vorgeführt oder durch das Strafverfahren stigmatisiert werden soll. Und das Jugendgerichtsgesetz will eine Atmosphäre von Kommunikation schaffen."
Angriff auf ehemalige Mitschüler
Der Jugendliche soll an jenem Freitag kurz vor Schulbeginn auf dem Pausenhof seiner früheren Schule zwei Mitschüler angegriffen haben. Nach Angaben der Ermittler trug er dabei einen uniformähnlichen Anzug sowie einen militärisch wirkenden Helm.
Der 15-Jährige soll mit einem Hammer ohne Vorwarnung auf einen 14-jährigen Schüler eingeschlagen haben. Dieser ging zu Boden. Ein weiterer Jugendlicher ging dazwischen und wurde ebenfalls verletzt. Die beiden Opfer – ein Schüler mit deutsch-irakischen Wurzeln und ein Schüler mit deutsch-kosovarischen Wurzeln – erlitten leichte beziehungsweise mittelschwere Verletzungen. Isabel Kratzer-Ceylan vertritt den Jugendlichen, der dazwischen ging, als Anwältin in der Nebenklage vor Gericht. Sie lobte ihn für seinen Mut, weil es ihm gelungen war, seinen Freund aus der Gefahrenzone zu bringen und den Angreifer in die Flucht zu schlagen. Ohne ihn hätte viel Schlimmeres passieren können. Der damalige Achtklässler schildert den Angriff so: "Es war so nazimäßig.“ Sein Freund habe einen schweren Hieb mit dem Hammer gegen den Kopf bekommen, die Wunde habe sofort stark geblutet, sein Freund sei zu Boden gegangen. Auch gegen ihn selbst habe sich der Angreifer gewendet, doch er habe rechtzeitig ausweichen können. "Ich hab mich weggedreht, da hat er zum Glück nur meine Schulter erwischt."
Polizei nahm Tatverdächtigen fest
Nach dem Angriff flüchtete der mutmaßliche Täter zunächst. Die Polizei nahm ihn jedoch wenig später in einer Tiefgarage nahe der Schule fest. Neben einem Hammer soll der Jugendliche auch zwei Softair-Pistolen bei sich gehabt haben. BR-Informationen zufolge soll der Jugendliche bereits früher schon mit einem Amoklauf gedroht haben. Er sitzt seit der Festnahme in Untersuchungshaft.
Die Tat hatte einen größeren Polizeieinsatz rund um die Mittelschule ausgelöst. Mehrere Straßen wurden abgesperrt, zahlreiche Einsatzkräfte waren vor Ort und durchkämmten das Gelände.
Bis zu zehn Jahre Jugendstrafe möglich
Die Generalstaatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Jugendliche Muslime und Ausländer töten wollte. Im Falle einer Verurteilung droht ihm eine Jugendstrafe von bis zu zehn Jahren. Das Urteil wird im Juni erwartet. Bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung gilt für den Angeklagten die Unschuldsvermutung.
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