Zwei Frauen stehen auf einer Weide, die die Arme um eine Kuh gelegt haben und in die Kamera lächeln.
Bildrechte: Kuhtopia e.V./Steffi und Helen Mühlbacher

Bindung aufbauen statt melken: so leben Mensch und Tier auf Kuhtopia miteinander

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Hofübergabe: Vom Milchviehbetrieb zum veganen "Lebenshof"

Steffi Mühlbacher hat den Hof ihrer Eltern komplett umgekrempelt. Noch immer leben hier Tiere, geschlachtet werden sie nicht mehr. Ein Streitpunkt in der Familie: Darf man Tiere töten?

Über dieses Thema berichtet: Unser Land am .

Im ehemaligen Kälberstall der Familie Mühlbacher ist einiges noch so wie es immer war: niedrige Decke, weiß getünchte Wände, brusthohe Boxen, die mit Stroh ausgelegt sind. Neuerdings aber verlaufen durch die Boxen schmale Querbalken. Und auf dem Boden steht eine kleine Box mit Sand. "Damit die Hühner endlich ein Sandbad nehmen können", sagt Helen Mühlbacher und meint die fünf Hennen, die gerade angekommen sind.

Seit drei Jahren gibt es auf diesem Bauernhof keine Kälber mehr. Dafür Schweine, Kühe, Laufenten und Hühner. Die Neuankömmlinge stammen von einem Legehennenbetrieb in Bodenhaltung. Nach der Ausstallung hätten rund zweitausend Hennen geschlachtet werden sollen. Doch fünf von ihnen dürfen weiterleben – auf dem Lebenshof Kuhtopia e.V., den Helen und Steffi Mühlbacher gegründet haben.

"Tier" statt "Nutztier"

Ihre Mission ist es, den ehemaligen Nutztieren, die hier auf dem Hof leben, ein artgerechtes Leben zu ermöglichen. "Wir stellen ja gerade das infrage, dass die Tiere genutzt werden." Deshalb werden sie die Eier, die die Hennen nahezu täglich legen werden, nicht essen, sondern beispielsweise verschenken. Auch die vier Schweine, die hier leben, sollen nicht geschlachtet werden.

Auf "Kuhtopia" wird nur vegan gegessen

Helen und Steffi leben seit vielen Jahren vegan – obwohl auf dem elterlichen Bauernhof Biomilch hergestellt wurde. "Da war ich schon enttäuscht", sagt Mechthild Mühlbacher. Sie ist Steffis Mutter und gemeinsam mit ihrem Mann Willi Setzer-Mühlbacher war sie hier 32 Jahre lang die Landwirtin – und Milchviehbäuerin.

1995 haben die Mühlbachers auf Bio umgestellt und Milch produziert, die Tochter Steffi nicht mehr trinken wollte, als sie anfing, vegan zu leben. Bei ihrer Mutter sorgte das zunächst für Unverständnis.

Seit drei Jahren ist der Hof nun in der Hand von Steffi und Helen. Die Kühe, die die elterliche Generation noch gemolken hat, stehen auch bei ihnen noch im Stall: 13 Rinder, darunter ein Ochse, und 12 ehemalige Milchkühe. Nur besamt und später gemolken werden sie nicht mehr. Der Melkstand in einer Ecke des Stalls ist verwaist. Für Mechthild und Willi Mühlbacher auch heute noch ungewohnt.

Darf man Tiere töten?

Sie leben nicht vegan – denn die Meinungen, ob es ok ist, Tiere zu töten, gehen in der Familie weit auseinander. Trotz dieser Differenzen trifft sich die Familie regelmäßig, auch wenn Mechthild und Willi mittlerweile nicht mehr am Hof leben, sondern wenige Kilometer weiter eine Wohnung gemietet haben. Debattiert wird bei gemeinsamen Treffen dennoch.

Vater Willi sieht es so: "Ich find es halt wichtig, dass man Nutztiere auch mit Achtung und Ehrfurcht behandelt. Dann ist es für mich ok [Tiere zu töten]. Ich glaube ja auch ans Paradies." Ein Argument, das für Schwiegertochter Helen nicht gilt: "Wenn man jetzt davon ausgehen würde, dass Menschen auch ins Paradies kommen, dann ist es für mich auch nicht ok, einen Menschen zu töten. Und für mich gibt es da dann keinen Unterschied."

Tier und Mensch auf Augenhöhe – was für Helen selbstverständlich ist, zweifelt Schwiegervater Willi an: "Ein Tier ist ein Tier und ein Mensch ist ein Mensch", sagt er. "Da gibt es für mich schon einen Unterschied".

Gnadenhof, der sich nicht so nennen will?

Ist Kuhtopia ein Gnadenhof? Nein, meinen Steffi und Helen: "Die Abgrenzung dazu liegt daran, dass unserer Ansicht nach die Tiere nicht unsere Gnade brauchen." Es geht um ein Zusammenleben auf Augenhöhe. Deshalb sprechen die beiden von "Lebenshof". Zwar sehen sich die beiden schon als Landwirtinnen – schließlich bewirtschaften sie einige Hektar Grünland, um ihre Tiere damit zu füttern. Aber sie leben davon nicht. Kuhtopia ist ein gemeinnütziger Verein, der mit Spenden finanziert wird.

Darum arbeiten beide Frauen noch an vier Tagen in der Woche in der Digitalbranche aus dem Homeoffice. Regelmäßig öffnen sie den Hof für Interessierte, die die Tiere auch streicheln dürfen – sofern die Tiere es zulassen.

Toleranz und Vertrauen: so lassen sich Meinungsverschiedenheiten überwinden

Mechthild und Willi Mühlbacher sehen das, was Steffi und Helen angepackt haben, heute positiv: "Es ist ja grundsätzlich auch mal zu begrüßen, dass sie neue Ziele haben, neue Wege gehen, die wir auch mit Toleranz oder Vertrauen mittragen können, das ist ganz wichtig."

Dass sich beide Generationen in ihren Meinungen noch einander annähern werden, schließen sie nicht aus. Und für sie könnte das auch ein Schlüssel sein, weshalb das Verhältnis der Familie untereinander ein gutes ist: Argumente weiterhin anhören und als solche gelten lassen – auch wenn es nicht die eigenen sind.

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