Lara und Elena sitzen vor einem Ticketportal für Konzertkarten
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Lara und Elena sitzen vor einem Ticketportal für Konzertkarten

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Kampf um Konzerttickets: Wenn Bots schneller sind als Fans

Digitale Warteschlangen, Platznummern über 100.000: Wer Tickets für Mega-Stars will, braucht starke Nerven. Der Verbraucherschutz warnt zudem vor Ticket-Bots und unseriösen Zweitmarktangeboten. Zwei Freundinnen aus Bayern berichten von ihrem Versuch.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

"Ich hatte Platz 8.000, und du warst bei 50.000", erzählen Lara und Elena lachend. Doch zum Lachen ist ihnen während des Wartens nicht. Sie wollen auf das Konzert von Harry Styles in Amsterdam. Auf dem Bildschirm läuft ein blauer Balken herunter, die Zahl wird langsam kleiner. "Und irgendwann hast du Glück und kommst auf die Seite, wo du kaufen kannst." Für Lara war das Warten irgendwann frustrierend: "Man kommt sich natürlich schon auch dumm vor, wenn man zwei Vormittage damit verbringt."

Digitale Warteschlange statt Vorverkaufsstelle

Der Ticketmarkt hat sich stark verändert. Statt vieler kleiner Vorverkaufsstellen dominieren große Online-Portale. Wer zuerst in der digitalen Warteschlange ist, wird, so das Prinzip, zuerst bedient. Doch nicht nur die hohe Nachfrage sorgt für Probleme. Immer wieder stehen sogenannte Ticketbots im Verdacht: automatisierte Programme, die innerhalb von Sekunden große Mengen Tickets kaufen.

Johannes Everke, Geschäftsführer des Bundesverbands der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft, beobachtet das kritisch: Bots drängelten sich technisch hochgerüstet zwischen die Fans und kauften Tickets oft schneller, als echte Menschen reagieren könnten. Solche Karten tauchen später auf Zweitmarkt-Plattformen wieder auf, teils zu deutlich höheren Preisen.

Verbraucherzentrale sieht Handlungsbedarf

Auch die Verbraucherzentrale Bayern erhält Beschwerden, gerade bei sehr begehrten Großveranstaltungen. Verbraucher berichten, sie hätten trotz früher Anmeldung keine Tickets bekommen und vermuten Bot-Käufe oder professionelle Weiterverkäufer. Das Problem: Der Einsatz von Bots ist kaum nachweisbar. Selbst wenn Veranstalter technische Schutzmaßnahmen einsetzen, könnten Betrüger ihre Systeme schnell anpassen. Verfahren vor Gericht dauerten zudem lange.

Aus Sicht der Verbraucherschützer besteht deshalb gesetzgeberischer Handlungsbedarf. Das bisherige Verbot müsse ausgeweitet und die Beweislast erleichtert werden, sodass bei entsprechenden Indizien der Käufer nachweisen müsse, dass keine Bots eingesetzt wurden. Zudem solle geprüft werden, ob ein gewerbliches Weiterverkaufsverbot eingeführt wird. Wenn es keinen Anreiz mehr gebe, Tickets zu Wucherpreisen weiterzuverkaufen, verliere auch der Bot-Einsatz an Attraktivität.

Ministerium verweist auf bestehende Regeln

Das bayerische Verbraucherschutzministerium teilt auf BR24-Anfrage mit, der Einsatz von Bots zum Umgehen technischer Schutzmaßnahmen sei bereits unzulässig. Entscheidend sei jedoch die Durchsetzung. Man setze sich auf Bundes- und EU-Ebene für mehr Transparenz im Ticketzweitmarkt und wirksame Regelungen gegen missbräuchlichen Weiterverkauf ein. Verbraucher sollten möglichst bei offiziellen Verkaufsstellen kaufen und Angebote kritisch prüfen.

Typische Beschwerden betreffen überteuerte oder ungültige Tickets sowie mangelnde Transparenz beim Vorverkauf. Besonders schwierig sei es für Käufer, unseriöse Zweitmarkt-Angebote zu erkennen. Sehr hohe Preise, zusätzliche Gebühren oder Tickets für Events, die offiziell noch gar nicht im Verkauf sind, seien Warnzeichen. Doch viele Angebote wirkten auf den ersten Blick seriös.

Wenn Tickets gefälscht, personalisiert oder ungültig sind, haben Verbraucher grundsätzlich Anspruch auf Rückzahlung. Problematisch ist jedoch: Auf dem Zweitmarkt fehlen häufig Kontaktdaten des Verkäufers, Ansprüche lassen sich dann kaum durchsetzen.

Eventim: "Alle haben die gleichen Chancen"

Ticketanbieter wie Eventim betonen, digitale Warteschlangen sorgten für ein faires und transparentes Verfahren. Wer zuerst da sei, werde zuerst eingereiht, vergleichbar mit einer Schlange im echten Leben. Mehrfaches Aktualisieren oder parallele Tabs brächten keinen Vorteil.

Gleichzeitig nehme die Zahl automatisierter Kaufversuche zu. Eventim setze deshalb auf technische und organisatorische Maßnahmen wie intelligente Bot-Erkennung, personalisierte digitale Tickets und gesteuerte Buchungsprozesse, um Fans, Künstler und Veranstalter zu schützen.

Auf EU-Ebene plant die Kommission mit einem "Digital Fairness Act" strengere Regeln für den Online-Handel, auch im Ticketbereich.

Am Ende Glück, für 158 Euro

Für Lara und Elena ging der Nervenkrieg gut aus. Für 158 Euro haben sie schließlich jeweils ein Ticket bekommen. "Wo man doch schon den ersten Song vom neuen Album gehört hat – jetzt hat man schon Bock", sagen sie. Der Kampf um Konzertkarten bleibt trotzdem für viele ein Glücksspiel zwischen Geduld, Technik und der Frage, wer am Ende schneller klickt.

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