Daniela Groß steht in weißem Blazer vor einem Baum und lächelt in die Kamera. (Archivbild vom 17.3.)
Bildrechte: picture alliance/dpa | Karl-Josef Hildenbrand

Daniela Groß von den Grünen ist neue Landrätin für den Landkreis Landsberg am Lech. (Archivbild vom 17.3.)

Per Mail sharen
Artikel mit Audio-InhaltenAudiobeitrag

Landsberg am Lech bekommt einzige Landrätin der Grünen in Bayern

Eine Frau von den Grünen gegen den männlichen Amtsinhaber von der CSU: Eine solche Wahl-Konstellation sieht nach einer klaren Sache aus. Doch Wahlen sind immer für eine Überraschung gut - so auch im Landkreis Landsberg am Lech. Eine Analyse.

Über dieses Thema berichtet: Regionalnachrichten aus Oberbayern am .

Eine strahlende Gewinnerin und ein gefasster Verlierer: So präsentierten sich die zukünftige Landrätin den Landkreises Landsberg am Lech Daniela Groß und der bisherige Landrat Thomas Eichinger nach der Stichwahl. Die Wählerinnen und Wähler hatten sich gegen den männlichen Amtsinhaber von der CSU entschieden - und für die Frau, die für die Grünen antrat. Und dafür, so die Einschätzung von Beobachtern, gab es einen klaren Grund.

Bürgerinitiative gegen Eichingers Neubau-Pläne

Der Grund war wohl ein Plan Eichingers, den viele Bürgerinnen und Bürger nicht mittragen wollten. Eichinger hatte vorgehabt, ein neues Landratsamt im Osten der Stadt bauen zu lassen, quasi auf der grünen Wiese. 120 Millionen Euro hätte das Vorhaben kosten sollen. Eine Bürgerinitiative formierte sich, sammelte Unterschriften und erzwang einen Bürgerentscheid. Das Ergebnis im Februar 2025 war in seiner Deutlichkeit eine Klatsche für Eichingers Pläne: Mehr als 80 Prozent stimmten für einen Planungsstopp. Davon, so ist die Einschätzung im Landkreis, habe sich Eichinger bis zur Kommunalwahl nicht erholt.

Eichinger spricht von "Vertrauenseinbußen"

Darauf angesprochen, sagte Eichinger gegenüber BR24: "Es war spürbar, dass der Bürgerentscheid sehr viel an Problemen, an Vertrauenseinbußen mit sich brachte." Dem habe er versucht entgegenzutreten, "habe es aber nicht geschafft, die Leute zu überzeugen, dass wir ja schon einen anderen Kurs eingeschlagen haben. Das ist so in der Politik, man kommt mit der Kommunikation nicht immer rüber. Das ist in dem Fall passiert."

Neue Landrätin Groß verspricht "bürgernahe Sachpolitik"

Die neue Landrätin Daniela Groß wollte ihren Wahlerfolg jedoch nicht allein auf den Landratsamts-Neubau zurückführen. "Das ist sicherlich ein Punkt, der dazu beigetragen hat", sagte sie gegenüber BR24, "aber ich habe auch gemerkt in den Gesprächen mit den Bürgerinnen und Bürgern, dass es um einen anderen Politikstil geht." Sie stehe für bürgernahe Sachpolitik, das habe sie die vergangenen Jahre gemacht - bisher ist Groß Leiterin des Ordnungsamts im Markt Türkheim. "Ich habe gemerkt, die Menschen müssen sich mehr zuhören, und dafür stehe ich."

Groß zeigte wenig, dass sie Grüne ist

Grün ersetzt Schwarz - das ist bei in Bayern kein allzu üblicher Wahlausgang. Kommt er vor, wird oft gefragt: Wurde der Kandidat oder die Kandidatin gewählt, weil er oder sie für die Grünen antrat - oder obwohl er oder sie das tat? Man kann die Frage nicht klar beanworten. Auffällig war jedoch, dass Groß im Wahlkampf - vor allem auf den Plakaten und bei Anzeigen - darauf verzichtet hat, zu zeigen, dass sie für die Grünen antrat. Das Logo der Grünen suchte man meist vergeblich; weiße Schriftzüge waren blau hinterlegt. Darauf angesprochen, sagte sie im Vorfeld: Sie habe sich dafür entschieden, weil die Kommunalwahl eine Personenwahl sei und keine Parteienwahl. Offensichtlich hat es funktioniert.

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht's zur Anmeldung!