Immer mehr Verbraucher wollen heimische Freiland- und Bioeier. Pro Kopf sind es 249 Stück im Jahr. Aber in Bayern werden rein rechnerisch gerade mal 88 Eier je Einwohner erzeugt. Bayern bräuchte also deutlich mehr Bauern, die Legehennen halten.
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Immer mehr Verbraucher wollen heimische Freiland- und Bioeier. Bayern bräuchte deutlich mehr Bauern, die Legehennen halten.

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Legehennenhalter gesucht: Zu wenig Eier in Bayern

Eier bayerischer Herkunft werden immer knapper und teurer. Die Nachfrage steigt, aber der Selbstversorgungsgrad liegt nur bei 50 Prozent. Die Marktlage ist lukrativ für Eierproduzenten, auch für Neueinsteiger. Dabei hat der Eiermangel viele Gründe.

Über dieses Thema berichtet: Unser Land am .

"Legehennenhalter gesucht!" Mit dieser Anzeige wirbt Franz Josef Kohl, Bayerns größter Eierproduzent und Eierhändler, um Landwirtinnen und Landwirte, die einen Stallbau wagen und für ihn Eier produzieren: Für 900.000 Legehennen, also für 60 neue Ställe, stellt allein seine in Amberg ansässige Firma "Bavaria-Ei" Abnahme- und Preisgarantien über mindestens fünf Jahre in Aussicht.

Bio und Freiland brauchen Platz

Für die besonders gefragten Eier aus Bio- und Freilandhaltung brauchen Neueinsteiger allerdings vier Quadratmeter Platz für jede Legehenne. Die gängige Einstiegsgröße für einen profitablen neuen Stall liegt bei 15.000 Legehennen. Das erfordert insgesamt rund 60.000 Quadratmeter Fläche mit Auslauf unmittelbar am Stall. Der Auslauf muss bepflanzt werden, damit die Hühner Schutz vor der Sonne und vor Greifvögeln haben. Genau diese Haltungsform bevorzugen immer mehr Verbraucher und bezahlen den erforderlichen Preis, sonst könnten Eierproduzenten mit einem Stall nicht rund 2.000 Euro täglich einnehmen und sich ein gutes und sicheres Einkommen schaffen. Die 1,5 Millionen Baukosten finanzieren Banken, weil mehrjährige Lieferverträge auch für sie eine ausreichende Sicherheit bieten.

Eier statt Ferkel oder Milch

Sichere, auskömmliche Preise – davon träumen Schweinehalter wie Patrick Hick in Albertsreuth im Landkreis Hof. Mit seinen 160 Sauen und deren Ferkeln hat der die ständigen extremen Einkommensschwankungen satt. Man könne mit Schweinen sehr gutes Geld verdienen. Aber die guten Phasen würden die schlimmen Preistiefs nicht ausgleichen. Also Eier statt Ferkel. Seit zwei Jahren produziert Hick mit 15.000 Hennen Freilandeier und ist sehr zufrieden: Mit nur vier Stunden Arbeit täglich ist für ihn die Eierproduktion wesentlich attraktiver als die Schweinehaltung.

Erzeugerpreise steigen

Eine halbe Autostunde entfernt hat Patrick Hick seinen Kollegen, der Familie Hummel in Röslau, Mut gemacht, einen neuen Stall zu bauen. Die Bagger und Raupen arbeiten bereits. Das junge Betriebsleiter-Ehepaar Anna und Alexander Hummel wagt die Millioneninvestition, weil die Erzeugerpreise allein in den letzten beiden Jahren von zwölf auf bis zu 16 Cent pro Ei gestiegen sind und langfristig wohl eher noch weiter steigen werden.

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Immer öfter sind abends Eierregale leer

Eiermarkt ist leergefegt

In der Vergangenheit wurden viele Eier, auch Bio-Eier aus Holland, nach Deutschland geliefert. Allerdings müssen dort viele große Eierproduzenten ihre Betriebe auf staatliche Anordnung hin wegen verschärfter Umweltauflagen schließen. Sie können nicht mehr so viele Eier produzieren, und auch die norddeutschen Eierproduzenten fahren bei steigender Nachfrage lieber kurze Strecken als den weiten Weg nach Bayern. Eierproduzent Franz Josef Kohl spricht von einem leergefegten Eiermarkt. Seine Familie baut gerade eine neue Packstation für zehn Millionen Euro. Kohl setzt auf beste Marktchancen und Zuwächse für heimisch erzeugte Eier.

Bürokratie bremst Stallneubauten

Auf der Baustelle für den neuen Stall der Familie Hummel diskutiert Stallbauunternehmer Valentin Stingl mit der Landwirtsfamilie über Details. Ihr Vorhaben wurde vom Landratsamt in Wunsiedel innerhalb von drei Monaten genehmigt. Andernorts in Bayern, so Stingl, dauere es bis zu einem Jahr. Weniger als 15.000 Legehennen hält Stingl für unwirtschaftlich. Für Behörden und für Anwohner klinge diese Zahl riesig und provoziere auch Widerstand gegen Bauvorhaben – auch wenn es sich um Freiland- oder Biohaltung handle. Und da liegt die Selbstversorgung in Bayern bei nur etwa 30 Prozent.

Freilandeier sind gefragt

Die Eier-Welt hat sich seit dem Verbot der Käfighaltung radikal gewandelt. Seit 2025 ist politisch beschlossen, dass Legehennen auch in Kleingruppen nicht mehr in Käfigen gehalten werden sollen. Umgesetzt wird das nach und nach, aber der Käfig ist in Deutschland ein Auslaufmodell. Das hat Auswirkungen auf den Eiermarkt. Käfige, in welcher Form auch immer, brauchten wenig Platz. Da ließen sich Hennen sogar über mehrere Etagen zu Zehntausenden unter einem Stalldach stapeln. Mit dem Schritt zu mehr Tierwohl wuchs der Platzbedarf. Aber Stallbauer Stingl mit seiner Firma namens "Grüne Henne" freut sich über den Trend bei Verbrauchern: Diese könnten jetzt ja vornehmlich die billigen Eier aus Bodenhaltung kaufen. Tun sie aber nicht.

BR24 auf Instagram: Leere Eierregale vor Ostern

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