Das vergangene Jahr war das trockenste in Bayern seit 1976. Sinkende Grundwasserspiegel und zunehmende Dürreperioden setzen Städte unter Druck. Deshalb arbeiten Forschende und Kommunen an neuen Wegen, Wasser künftig effizienter zu nutzen – sprich: aufwendiger als bislang aufzubereiten und wiederzuverwenden und beispielsweise Bier aus Abwasser zu brauen.
Neuer Kreislauf für Wasser
Bislang sieht der Kreislauf für Wasser in Bayern so aus: Sauberes Trinkwasser wird genutzt, beispielsweise in der Dusche, und landet dann in der Kläranlage. Dort wird es so weit gereinigt, dass es verdünnt in Gewässer abgeleitet werden kann. Schrittweise werden in den kommenden Jahren strengere Maßstäbe für Städte mit mehr als 150.000 Einwohnerinnen und Einwohnern eingeführt: Dem Abwasser müssen künftig beispielsweise auch Antibiotika-Reste entzogen werden. Geregelt ist das in der Kommunalabwasserrichtlinie (KARL) der EU. Die Pharmaindustrie soll sich an den Kosten für die aufwendigere Reinigung beteiligen.
Auch kleinere Kommunen müssen in ihre Kläranlagen investieren. Wie viele in den kommenden Jahren modernisiert werden müssen, sei es technisch oder bezüglich der Infrastruktur, darüber haben weder der Bayerische Gemeindetag noch das Landesamt für Umwelt einen genauen Überblick. Um Modernisierungsinvestitionen zu senken, legen aber immer mehr Gemeinden ihre Kläranlagen zusammen: So gab es im Jahr 2018 noch 2.486 Kläranlagen, 2024 waren es noch 2.190, teilt das LfU mit.
Wasser muss sauberer werden
Ziel der EU ist, das Klärwasser generell sauberer zu bekommen. In Schweinfurt will man darüber hinaus das geklärte Wasser nicht mehr einfach nur wie bisher in den Main leiten, sondern zum Gießen nutzen, zum Beispiel für Grünanlagen und Fußballplätze. Dafür soll sogar ein eigenes Wassernetz gebaut werden. Bislang werden diese Flächen in der Regel mit Trinkwasser bewässert – eine Ressourcenverschwendung angesichts der zunehmenden Trockenheit gerade in Nordbayern, wo die Grundwasserspiegel sinken.
Was hat ein Recycling-Bier mit Wasserknappheit zu tun?
Die TU München kooperiert mit der Stadt Schweinfurt beim Thema Recycling und möchte zeigen, was heute schon theoretisch bei der Wasserreinigung möglich ist. Prof. Jörg Drewes vom Lehrstuhl für Siedlungswasserwirtschaft hat dazu 5.000 Liter Abwasser aus Schweinfurt nach München bringen lassen, um es dort "spurenrein" zu Trinkwasserqualität zu reinigen. Danach haben es Kolleginnen und Kollegen in Weihenstephan zu Bier gebraut. Die Botschaft: das Image von Abwasser verbessern. Doch so schön der Bierschaum im Glas steht – beim Verzehr gibt es emotionale Hürden.
Dass aufbereitetes Wasser aus technischer Sicht sicher getrunken werden kann, ist daher nur ein Aspekt des Recyclings. Die größere Herausforderung bleibt die Akzeptanz von Recycling-Wasser. Auf das Recycling-Bier reagieren viele Test-Personen am Rand des Münchner Frühlingsfests zunächst skeptisch. Vorsichtiges Schnuppern, dann ringen sich aber doch alle Probanden durch: Nach dem ersten Schluck fällt das Urteil positiv aus. "Schmeckt eigentlich wie ganz normales Bier", meint ein Besucher. Eine andere Testerin meint aber, dass sie allein die Vorstellung, ein aus aufbereitetem Abwasser gebrautes Bier zu trinken, ziemlich viel Überwindung gekostet habe. Eine weitere fügt hinzu, dass das Thema einfach zu neu sei: Gäbe es solche Produkte beispielsweise irgendwann im Supermarkt, könne sie sich vorstellen, dass Getränke aus recyceltem Wasser angenommen werden.
Recyceltes Wasser in der Zukunft
Dass es in Bayern bald eine reguläre Recycling-Bier-Produktion gibt, wirkt momentan noch wie Science-Fiction. In Kalifornien ist man dagegen schon weiter: Hier kommt recyceltes Wasser bereits aus der Leitung. Denn der Druck ist groß: In diesem Jahr hat die UN den "Wasser-Bankrott" erklärt. Das bedeutet, in manchen Gegenden der Welt sind die Wasserressourcen dermaßen verbraucht und verschmutzt, dass sie als irreparabel anzusehen sind.
Der Auftrag für die Forschenden beinhaltet also zwei Dinge: Aufmerksamkeit für Ressourcenknappheit schaffen und zeigen, dass Wasserrecycling künftig eine wichtige Rolle spielen könnte – nicht unbedingt direkt als Trinkwasser, aber auf jeden Fall als wertvolle Ressource für Bewässerung und Stadtgrün. Denn mit zunehmender Trockenheit wird Wasser in Zukunft immer kostbarer werden. Auch in Bayern.
Im Video: Warum nicht aus Abwasser...Bier brauen?
Warum nicht aus Abwasser...Bier brauen?
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