Einen aktuelleren Anlass als den Waldbrand am Saurüsselkopf im Landkreis Traunstein hätte das "Waldbrand-Symposium alpin" in Oberstdorf leider nicht haben können. Aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz waren rund 150 Teilnehmende ins Oberallgäu gekommen, um sich über die besonderen Anforderungen bei Waldbränden im Gebirge zu informieren und auszutauschen: Feuerwehrleute, Angehörige des Technischen Hilfswerks und verschiedener Rettungsorganisationen.
Waldbrand im Gebirge: Einsätze am Limit
Die Feuer im Bergwald bringen nicht nur die Einsatzkräfte, sondern auch die Technik mitunter an die Grenzen. Denn meist brennt es dort in schwer zugänglichem Gebiet – Wasser ist Mangelware und muss aufwändig per Hubschrauber an die Brandstelle geflogen werden. Genauso wie die Feuerwehrleute, die dann in steilem Gelände brennende Bäume und Böden löschen sollen.
Mensch als größter Brandverursacher
Auf dem Symposium berichteten Referenten aus Deutschland, Südtirol und Österreich über ihre Erfahrungen mit derlei Bränden. Ein Vertreter der Berufsfeuerwehr Innsbruck berichtete von einem dramatischen Waldbrand Ende Dezember: In unwegsamem Gelände kämpften rund 150 Feuerwehrleute gegen die Flammen. Acht Hektar Wald standen in Brand – ausgelöst durch eine Silvesterrakete, die im Wald gezündet worden war. Das Bespiel zeigt: Hauptauslöser für Waldbrände ist und bleibt der Mensch. Ein Lagerfeuer, ein Grillplatz, eine weggeworfene Zigarette können bei der aktuellen Trockenheit einen Großbrand auslösen. Da helfe nur, weiter zu informieren und zu sensibilisieren, sind sich die Fachleute einig.
Mischwald statt Monokultur: Wie Wälder widerstandsfähiger werden
Steigende Temperaturen und längere Trockenperioden machen den Wald anfälliger für Feuerkatastrophen. Und so zeigten die Fachleute auch, welche Maßnahmen den Wald resilienter machen können: Der Waldumbau, weg von Monokulturen hin zum Mischwald spielt eine große Rolle. Luitpold Titzler, Leiter der Fachstelle für Schutzwaldmanagement im Oberallgäu, sagt: Je feuchter die Wälder sind, desto eher widerstehen sie einem Feuer. Denn zunächst brennen nicht die Bäume, sondern das Gras und trockene Nadeln oder Blätter am Boden. Dabei wirkt der hohe Harzanteil der Nadelbäume als Brandbeschleuniger.
Saurüsselkopf: Auf der Suche nach Glutnestern
Mit welchen Herausforderungen die Einsatzkräfte zu kämpfen haben, lässt sich beim Waldbrand am Saurüsselkopf in den Chiemgauer Alpen beobachten. Dort war vor einer Woche aus immer noch ungeklärter Ursache ein Feuer ausgebrochen. Das offene Feuer ist inzwischen zwar gelöscht. Die Nachlöscharbeiten seien aber wegen zahlreicher Glutnester herausfordernd, sagte ein Sprecher des Kreisfeuerwehrverbands Traunstein am Samstag. Das Wetter am Wochenende – trocken, warm und windig - könne zudem das Aufflammen einzelner Brandstellen begünstigen. Und so kämpfen hunderte Einsatzkräfte am Saurüsselkopf weiter gegen gegen Schwelbrände und Glutnester.
Bergwacht unterstützt
Viele dieser Glutnester sitzen tief im Wurzel- und Bodenbereich und müssen von Hand freigelegt und gezielt abgelöscht werden. Die Einsatzkräfte sind oft zu Fuß und mit alpiner Sicherung unterwegs. Die Bergwacht unterstützt in schwierigem Gelände. Auch Hubschrauber und Drohnen helfen aus der Luft. Drohnen liefern Bilder aus schwer erreichbaren Bereichen. So können Einsätze besser geplant werden.
Im Hubschrauber sucht Flugtechnikerin Jaqueline Lang nach Schwelbränden. Sie lotst Pilot Frank Weiskopf zur Brandstelle. Dort wird das Wasser gezielt über den Glutnestern abgeworfen. Immer wieder entdeckt die Crew neue Rauchstellen am Hang. Auf Knopfdruck entleert sich der Wasserbehälter über den Brandherden.
Der Einsatz gegen den Waldbrand am Saurüsselkopf bei Ruhpolding wird wohl noch bis in die kommende Woche dauern, noch immer sind mehr als 300 Kräfte vor Ort.
Mit Informationen von dpa.
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