Seit fast eineinhalb Jahren, ist das Zugangebot bei der Münchner S-Bahn spürbar schlechter geworden.
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Seit fast eineinhalb Jahren, ist das Zugangebot bei der Münchner S-Bahn spürbar schlechter geworden.

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Schlechteres Angebot bei der S-Bahn München

Die S-Bahn München befördert täglich rund 840.000 Fahrgäste. Sie ist damit eines der am stärksten genutzten S-Bahn-Netze in Deutschland. Doch in letzter Zeit wurden einige Linien ausgedünnt, wie Recherchen unter anderem des BR zeigen.

Über dieses Thema berichtet: Regionalnachrichten aus Oberbayern am .

Seit fast eineinhalb Jahren, ist das Zugangebot bei der Münchner S-Bahn spürbar schlechter geworden. Beim Fahrplanwechsel im Dezember 2024 hat die S-Bahn verschiedene Linien in der Früh und in der Nacht ausgedünnt. Das Ausmaß zeigt jetzt eine gemeinsame Recherche des Bayerischen Rundfunks mit der Zeitungsgruppe Münchner Merkur/tz.

Fahrgastvertreter protestieren

Die Bahn spricht von "Anpassungen in Randzeiten" und das Bayerische Verkehrsministerium nennt es "Verschiebungen von einzelnen sehr schwach nachgefragten Kursen zu Stellen mit mehr Nachfrage." Gemeint ist die Streichung von Verbindungen auf nahezu jeder Linie. S1, S2, S4 und S6 sind am stärksten betroffen. Zwischen Dachau und dem Ostbahnhof wurden insgesamt fünf Verbindungen gestrichen. Auf den verschiedenen Außenästen sind insgesamt Dutzende Zugfahrten weggefallen.

Wenn Verstärkerzüge gestrichen werden und beispielsweise ein 40-Minuten-Takt gefahren wird wegen Baustellen, ist das Angebot unattraktiver, so der Fahrgastverband Pro Bahn. Gerade spürbar sei das in einer Zeit, in der wegen der gestiegenen Spritpreise mehr Leute mit der S-Bahn fahren wollten, und widerspreche den Sonntagsreden von Politikern, die für den Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel werben, so Marco Kragulij von Pro Bahn.

Eine Frage der Verantwortung?

Eine Sprecherin des Bayerischen Verkehrsministeriums erklärte, die Sicherung des insgesamt guten Angebots der S-Bahn München sei weiterhin erklärtes politisches Ziel des Freistaats Bayern. Die Anfrage von BR und der Zeitungsgruppe Münchner Merkur/tz nach einer möglichen Rücknahme der Kürzungen beziehungsweise der künftigen Pläne, beantwortete das Ministerium nicht konkret. Derzeit entfielen an einigen Stellen (z.B. Ast nach Geltendorf) "aufgrund von Mängeln an der Infrastuktur einzelne S-Bahn-Fahrten". Dies sei nicht in der Verantwortung des Freistaats, "der bei den Verantwortlichen auf schnellstmögliche Lösung drängt."

Die Bestellung des Angebots bei der S-Bahn sowie bei den bayerischen Regionalbahnen liegt aber insgesamt sehr wohl beim Freistaat. Das wickelt er über die Bayerische Eisenbahngesellschaft BEG ab. "Die BEG plant, finanziert und kontrolliert den Schienenpersonennahverkehr in Bayern im Auftrag des bayerischen Verkehrsministeriums." Außerhalb von Bayern werde es sehr geschätzt, wie es in Bayern bis vor einiger Zeit gelungen sei, das Fahrplanangebot auch bei stagnierenden Mitteln des Bundes aufrechtzuerhalten, sagte ein Bahnexperte dem BR. Das verändere sich offenbar jetzt.

Wechsel in der Geschäftsführung

Die Pünktlichkeit der S-Bahnen hat in den letzten Wochen neue Tiefstände erreicht. Pro Bahn kritisiert auch, dass die Baustelle der 2. Stammstrecke inzwischen viele negative Auswirkungen auf die Fahrgäste habe. So hält beispielweise ab Juni nur noch die S5 stadteinwärts von Pasing kommend in Laim. Alle anderen fahren durch, wer dort aussteigen will, muss entweder eine Station zurückfahren oder längere Zeit warten. Durch die Anschlussarbeiten für das Elektronische Stellwerk am Ostbahnhof im letzten Jahr gab es zahlreiche Sperrungen.

Bei der S-Bahn München vollzieht sich ein Wechsel in der Geschäftsführung. Das hat die Bahn vergangene Woche bekannt gegeben. Heiko Büttner wechselt als Geschäftsführer zur S-Bahn Berlin. Er wird auch das Amt des DB-Konzernbevollmächtigten für Bayern aufgeben, hier hat die Bahn noch keinen Nachfolger ernannt. Zur S-Bahn München kommt dann Matthias Glaub zurück. Er war früher bereits mehrere Jahre Personalchef bei der S-Bahn München und leitete zuletzt nach diversen Führungspositionen bei der Bahn die S-Bahn Stuttgart. Er übernimmt keine leichte Aufgabe.

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