Die Klasse 4a der Grundschule Bad Königshofen im Grabfeld hat Schwimmunterricht: Noch sitzen die Kinder in Badeanzügen und Badehosen auf einer Bank. Ein paar Jungen holen Schwimmnudeln. Lehrerin Annika Wiener erklärt, was heute auf dem Plan steht – und wie jeden Mittwoch bekommt sie Unterstützung von einer ehrenamtlichen Schwimmhelferin.
Schwimmunterricht ohne Schwimmhelfer kaum möglich
An vielen Grundschulen wäre der Schwimmunterricht ohne Schwimmhelfer und Schwimmhelferinnen kaum durchführbar. 16 Stück gibt es im Landkreis Rhön-Grabfeld. Sie stehen mit in der Halle, begleiten Kinder im Wasser und machen das Schwimmenlernen überhaupt erst möglich. "Oft sind zwei Lehrkräfte dabei, aber das ist nicht immer machbar. Ich würde schon sagen, dass nicht alle Schulen den Schwimmunterricht so gewährleisten könnten", wenn es keine Unterstützung gäbe, so die Lehrerin.
Aus Mamas werden ehrenamtliche Schwimmhelferinnen
Eine der Ehrenamtlichen ist Patricia Münch, selbst begeisterte Schwimmerin. Sie will, "dass alle Kinder die Möglichkeit haben, die Erfahrung im Wasser zu sammeln". Über einen Flyer an der Grundschule ihrer Kinder kam sie zum Projekt und unterstützt seitdem an mehreren Schulen.
Ähnlich war es bei Klaudia Baumbach. Ihre Tochter hat immer wieder berichtet, dass der Schwimmunterricht ausfallen würde, weil Lehrkräfte fehlen. Sie absolvierte das Rettungsschwimmerabzeichen. "Schwimmen kann ja jeder, tauchen nicht so ganz", sagt sie. Seitdem ist sie jede Woche an der Grundschule Bad Königshofen im Einsatz, vor allem bei den Kindern, die noch gar nicht schwimmen können.
DLRG: In Bayern sind 2025 mehr Menschen ertrunken
Wie wichtig es ist, Schwimmen zu können, das machen die Zahlen der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) in Bayern im Jahr 2025 deutlich: 84 Menschen sind demnach im vergangenen Jahr ertrunken, 2024 waren es noch 70. Auffällig ist der Anstieg bei Kindern und jungen Menschen. Sechs Kinder bis zehn Jahre starben 2025 in Bayern beim Baden – im Jahr zuvor war es ein Kind. Bei den elf- bis 20-Jährigen stieg die Zahl von einem auf acht Todesfälle.
Ein Faktor sind die vielen natürlichen Badegewässer im Freistaat. Die meisten tödlichen Badeunfälle passieren an Seen oder in Flüssen. Dort gibt es oft keine Aufsicht. Dazu kommt das Problem, dass viele Kinder nach der Grundschule noch nicht sicher schwimmen können.
Rettungsschwimmen bis Erste Hilfe: Schwimmhelfer werden ausgebildet
Um optimal auf ihr Ehrenamt vorbereitet zu sein, absolvieren die angehenden Schwimmhelfer und -helferinnen mehrere Kurse. Annika Wiener betont, dass alle ein Rettungsschwimmerabzeichen und einen Erste-Hilfe-Kurs haben. Das Landratsamt übernimmt die Kosten für die Qualifizierung.
Im Becken arbeiten die Ehrenamtlichen direkt mit den Kindern. Die Verantwortung liege zwar bei der Lehrkraft – die Ehrenamtlichen helfen aber wo sie können, damit der Unterricht sicher ablaufen kann.
Mehr individuelle Förderung dank Schwimmhelfer
Klaudia Baumbach ist meistens bei den Nichtschwimmern und Nichtschwimmerinnen. Zunächst übt sie mit den Kindern am Beckenrand - etwa den Beinschlag auf dem Trockenen - dann mit Brett oder Schwimmnudel im Wasser. Unsichere Kinder begleitet sie im Wasser, bis sie Bewegungen und Atmung sicherer ausführen. Sie erzählt von Kindern, die sich anfangs nicht ins Wasser getraut und schon bei wenigen Tropfen im Gesicht blockiert haben – und wie groß die Freude ist, wenn die Kinder dann schwimmen können.
Patricia Münch erlebt, dass Kinder im Wasser manchmal ganz anders auftreten als im Klassenzimmer. Wenn sie lebhaften Kindern Verantwortung überträgt - etwa beim Anleiten von Übungen - entstehen neue, positive Rollen. Und Lehrerin Annika Wiener sieht einen großen Vorteil darin, dass Klassen dank der Schwimmhelferinnen in kleinere Gruppen aufgeteilt werden können: So gibt es mehr Bewegungszeit und mehr individuelle Förderung – und am Ende mehr Sicherheit.
Die Kinder selbst merken sehr genau, was die Ehrenamtlichen leisten. Marie und Charlien sagen, ihre Schwimmhelferin bringe ihnen viel bei und mache ihnen Freude. So wird sichtbar, was dieses Ehrenamt bewirkt: Schwimmhelferinnen und Schwimmhelfer halten den Schwimmunterricht am Laufen, nehmen Ängste ernst – und tragen dazu bei, dass aus nüchternen Unfallzahlen ein Stück mehr Sicherheit im Wasser wird.
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