Ab aufs Fahrrad und ins Schwimmbad oder an den See fahren: Gerade bei sommerlichen Temperaturen in der Ferienzeit eine große Verlockung. Doch das kann für junge Menschen auch gefährlich werden, schließlich können immer mehr Kinder nicht schwimmen. Ein Freibad in Nordrhein-Westfalen hat deswegen eine neue Maßnahme ergriffen und sorgt für Aufmerksamkeit, weil sie Jugendlichen unter 16 Jahren den Eintritt nur noch mit einem Bronze-Schwimmabzeichen erlauben.
Was sagen die Schwimmabzeichen aus?
"Sicher schwimmen kann man, wenn man das Schwimmabzeichen in Bronze hat", sagt Michael Förster von der DLRG Bayern. "Dann können auch die Eltern einigermaßen beruhigt sein, vorher nicht." Damit stellt er klar: das Seepferdchen-Abzeichen, das Kinder ab fünf Jahren absolvieren können, ist kein Nachweis für die Schwimmfähigkeiten, sondern soll sie erstmal ans Wasser gewöhnen und die Kinder motivieren.
Für das bronzene Abzeichen müssen die Prüflinge dann:
- einen Kopfsprung vom Beckenrand machen
- 15 Minuten schwimmen
- einen Gegenstand aus 2 Metern Tiefe holen
- einen Paketsprung vom Startblock oder Einmeterbrett machen
Besonders das längere Schwimmen am Stück und das sichere Tauchen sieht Förster als wichtige Fähigkeiten an. "Weil man auch mal unter Wasser geraten kann, zum Beispiel wenn man ins Wasser hineinfällt oder wenn man hinein springt. Oder wenn eine Welle kommt, dann muss man auch die Ruhe bewahren können." Deshalb nennt er auch genau diese Prüfkriterien, wenn es darum geht einzuschätzen, ob jemand auch ohne die offiziellen Abzeichen sicher im Wasser ist. Außerdem solle man mit dem Kind mögliche Gefahren und die Baderegeln besprechen. Dazu zählen: Bei Gefahr laut um Hilfe rufen, Rücksicht auf andere nehmen und nur dort schwimmen, wo es erlaubt ist.
Die Schwimmabzeichen in Silber und Gold sind dann für Interessierte geeignet, die sich sportlich herausfordern möchten. Beim goldenen Schwimmabzeichen sind auch erste Rettungsfähigkeiten enthalten, die dann auf die folgenden Rettungsschwimmabzeichen vorbereiten.
Fehleinschätzung durch "Fantasieabzeichen"
Michael Förster warnt vor inoffiziellen Schwimmabzeichen: "Auf die sollte man nicht setzen. Das sind Fantasieabzeichen, die sich irgendjemand ausgedacht hat, ohne, dass es deutschlandweit abgestimmt oder verankert ist." Ohne diese offizielle Absprache ist nicht geregelt, welche Fähigkeiten das Abzeichen bescheinigt und kann im schlimmsten Fall für ein falsches Sicherheitsgefühl sorgen.
Kosten sparen: Abzeichen direkt beim Bademeister
Schwimmkurse mit anschließendem Abzeichen können mehrere hundert Euro kosten. Das kann sich nicht jeder leisten. Trotzdem gibt es die Möglichkeit, die offiziellen Abzeichen zu bekommen. Denn Bademeister dürfen die Prüfung abnehmen. Förster empfiehlt in einem solchen Fall frühzeitig, zum Beispiel an der Kasse, nachzufragen, ob ein geeigneter Schwimmmeister im Dienst sei und vor allem auch Zeit für die Prüfung habe. Denn in der Zwischenzeit muss das Becken von einer Kollegin oder einem Kollegen überwacht werden. Deshalb ist in manchen Bädern ein Termin notwendig. Die Kosten für die Prüfung sind nicht einheitlich festgelegt, Michael Förster schätzt aber: "Dann ist man höchstens zehn Euro dabei".
Die Bäder der Stadtwerke München bieten das Schwimmabzeichen in Bronze für vier Euro an, in Nürnberg kostet es sechs Euro und in Regensburg fünf Euro.
Keine Altersempfehlung für Schwimmbadbesuch allein
Die DLRG gibt keine feste Empfehlung ab, ab wann Kinder alleine schwimmen gehen können. Das hänge von viele individuellen Faktoren ab, wie der Wegstrecke, der persönlichen Reife und der Art des Gewässers, nicht alleine von den Schwimmfähigkeiten des Kindes, erklärt Förster. "Mit 16 und mit Schwimmabzeichen in Bronze, da hätte ich ein gutes Gefühl."
Grundsätzlich gilt: Eltern – nicht Bademeister oder ältere Geschwister – haben die Aufsichtspflicht für ihre Kinder. Sie sollten die Kinder immer in Sichtweite haben, und solange sie nicht richtig schwimmen könne, auch in Griffweite, so der DLRG-Sprecher. Er mahnt außerdem an, dass Eltern sich nicht durch das Handy ablenken lassen sollen.
BR24 auf TikTok: Kein Bronze-Abzeichen = kein Eintritt?
Dieser Artikel ist erstmals am 22. Mai 2026 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel erneut publiziert.
Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.
"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht's zur Anmeldung!

