Der legale Profisprayer Mista Sed zeigt ein illegales Tag an einer Wand in der Augsburger Innenstadt.
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Der legale Profisprayer "Mista Sed" auf Tour durch Augsburg.

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Sprayen ohne Kick? Mit legalen Flächen gegen illegales Graffiti

Sprayer überziehen deutsche Großstädte mit Graffiti. Augsburg kontert neben der polizeilichen Verfolgung auch mit legalen Flächen. Aber gehört die Illegalität bei Graffiti nicht dazu?

Über dieses Thema berichtet: Mittags in Schwaben am .

Pascal ist angespannt: Lange hat er gezögert, dem BR von seiner Leidenschaft zu erzählen. Er schlafe schlecht, wache nachts immer wieder auf. "Wenn es klingelt, habe ich Angst, dass die Polizei vor der Tür steht", berichtet der junge Mann in schwarzer Regenjacke, sein Gesicht vermummt. Pascal ist nicht sein richtiger Name. Er hat Videoaufnahmen mitgebracht, wie er nachts auf einem Augsburger Abstellgleis einen Zug "malt" – so bezeichnet es die Szene.

Über zwei Jahre Gefängnis für Augsburgs Blumenmaler

In Augsburg müsse man mit Konsequenzen rechnen, sagt Pascal. Ein Extremfall ist der des "Blumenmalers" Bernhard McQueen. Tausende Blumen hat er in und um Augsburg an Wände gemalt, dafür landete er über zwei Jahre lang im Gefängnis. Dass Pascal große Angst vor Konsequenzen hat, liegt an der starken Verfolgung von Graffiti-Delikten durch die Augsburger Polizei. Seit über 20 Jahren gibt es dort eine Arbeitsgruppe, die sich ausschließlich darum kümmert.

Im Video: Legal vs illegal: Was kickt Graffiti Sprayer?

Legal vs illegal: Was kickt Graffiti Sprayer?
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Legal vs illegal: Was kickt Graffiti Sprayer?

"Mista Sed" ist legaler Profisprayer

Weniger geheimnisvoll läuft das Treffen mit Robert Kempe ab – sein Sprayername: "Mista Sed". Denn er sprüht schon seit seiner Jugend nicht mehr illegal. "Ich kann mich da nicht verwirklichen wie ich will, weil ich gar nicht die Zeit habe", erklärt der 48-Jährige, während er an der Wand vor sich eine klare Kante sprüht. Kempe verschönert auftragsmäßig Wände und verdient so seinen Lebensunterhalt.

Graffitis und Tags in Augsburg: Hunderttausende Euro Schaden im Jahr

Menschen, die illegal sprayen und taggen, verursachen dagegen hohe Schäden: Allein bei der Deutschen Bahn kostet die Entfernung an Zügen und Anlagen jedes Jahr rund zwölf Millionen Euro. In Augsburg schätzt die Polizei die Schäden durch Graffitis und Tags auf mehrere Hunderttausend Euro im Jahr.

Sie kontert teilweise sehr erfolgreich, von 2020 bis 2023 mit Aufklärungsquoten um die 50 Prozent. Ihr seien teilweise Schläge gegen sehr aktive Serientäter gelungen, erklärt die Polizei. Die blieben 2024 offenbar aus: Es wird wieder mehr gesprüht und die Polizei klärt weniger auf – eine Tendenz, die sich laut Polizei auch vergangenes Jahr fortgesetzt hat.

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Die Augsburger Polizei erfasst Graffiti-Delikte.

Platz für Graffiti-Kunst in Augsburg

Im Kampf gegen illegale Graffitis setzt die Stadt aber auch auf andere Wege als Verfolgung: Betroffene können Geld beantragen, um Graffitis entfernen zu lassen. Minderjährige Ersttäter bekommen mildere Strafen, wenn sie ihre Graffitis selbst entfernen und sich entschuldigen. Kultur- und Ordnungsreferat arbeiten mit dem Augsburger Graffiti-Verein "Die Bunten" zusammen. Sie lassen öffentliche Flächen von Künstlern gestalten, wie etwa die "Friedensmurals" zum Augsburger Friedensfest.

Zwischen Kunstfreiheit und Eigentumsschutz

Dass Graffiti eine Kunstform ist, die Platz verdient, da ist man sich in Augsburg einig. Mit Blick auf den britischen Street-Artist Banksy, dessen illegal entstandene Werke regelmäßig für Millionensummen über die Theke gehen, sagt Kulturreferent Jürgen Enninger (Grüne): "Bei einer so bewegenden und vielschichtigen Kunst ist mir fast schon unwichtig, ob sie legal oder illegal ist. Sie inspiriert erstmal."

Die Grenzen macht hingegen Ordnungsreferent Frank Pintsch (CSU) klar: "Eigentum ist ein Grundrecht, so wie die Kunstfreiheit auch. Niemand möchte sein Fahrrad geklaut und gesagt bekommen: 'Das ist aber eine tolle Performance.' Da ist eine Grenze überschritten."

Legale Wände und illegales Graffiti

Raum gibt die Stadt den Sprayern auf sieben "Schwabenwänden": legale Flächen, in der Stadt verteilt. Daniel Tröster vom Verein "Die Bunten" schätzt das, weiß aber: "Da Graffiti aus dem illegalen Bereich kommt, ist es schwer, es in eine legale Form zu pressen." Denn eigentlich sei Graffiti etwas, was ursprünglich gegen Missstände aufmerksam machen sollte, ohne sich kontrollieren zu lassen.

Der illegale Sprayer Pascal sieht das ähnlich. "Graffiti ist illegal entstanden. Ich denke, es muss so weitergehen", sagt er mit Blick auf die Ursprünge von Graffiti als Protestform im New York der 1970er-Jahre. Dazu komme der Kick, den ihm das illegale Sprühen gebe. Selbst der legale Profisprayer "Mista Sed" hat Respekt für die illegale Szene: "Da sehe ich oft Sachen, da bin ich beeindruckt: Wo es gemacht ist, an welcher Stelle. Wie es gemacht ist, mit welcher Einfachheit – aber nicht so vollgerotzt und vollgeschmiert, das will, glaube ich, keiner."

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