Einer der Angeklagten im Gerichtssaal.
Bildrechte: BR/Barbara Leinfelder

Fünf junge Männer sollen in Augsburg zwei homosexuelle Männer angegriffen haben, dafür stehen sie jetzt vor Gericht.

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Verurteilter Totschläger vom Königsplatz erneut vor Gericht

Fünf Jahre saß ein junger Mann wegen Totschlags im Gefängnis. Nun steht er in Augsburg wieder vor Gericht. Die insgesamt fünf Angeklagten sollen zwei homosexuelle Männer angegriffen haben. Es geht um Körperverletzung, Beleidigung und Bedrohung.

Über dieses Thema berichtet: Mittags in Schwaben am .

2019 hat er am Augsburger Königsplatz einen Mann mit einem Fausthieb getötet. Dafür verbüßte Halid S. eine Jugendstrafe von vier Jahren und sechs Monaten. Jetzt steht der heute 23-Jährige wieder wegen einer Gewalttat vor dem Augsburger Landgericht.

Im vergangenen März soll er gemeinsam mit vier weiteren jungen Männer, alle sind zwischen 23 und 25 Jahre alt, zwei homosexuelle Männer angegriffen haben. Der Vorwurf lautet auf gefährliche Körperverletzung, Beleidigung und Bedrohung.

Queer-feindliche Tat?

Zehn Justizbeamte sind zum Prozessauftakt als Bewachung im Gerichtssaal. Drei der angeklagten Männer sitzen seit Ende März, beziehungsweise Anfang April 2025 in Untersuchungshaft. Sie werden in Fußfesseln hereingeführt. Weil der Verdacht besteht, dass es sich um queer-feindliche Taten handelt, sind zwei Vertreter der Generalstaatsanwaltschaft aus München vor Ort – sie führen die Anklage in dem Fall.

Angeklagte legen Geständnis ab

Zu Beginn des Verfahrens haben drei der Angeklagten über ihre Verteidiger Erklärungen abgegeben, darunter auch Halid S.. Darin räumte er die Schläge und Tritte grundsätzlich ein. Wie seine Mitangeklagten betonten er jedoch, nicht aus queer-feindlichen Motiven gehandelt zu haben.

Die fünf Deutsch-Türken hätten sich vor der Tat getroffen. Dabei habe man gemeinsam eine Dreiliterflasche Wodka getrunken und auch Kokain genommen. Anschließend sei man zum Feiern auf die Maxstraße gegangen. Dort trafen die Angeklagten auf eine Gruppe, mit der die zwei späteren Opfer unterwegs gewesen seien.

Staatsanwältin: Massiver Angriff

Nach Beleidigungen mit sexuellem Hintergrund soll eines der beiden späteren Opfer versucht haben, einen der Beschuldigten am Kragen zu packen. Daraufhin sollen die beiden Männer mit Faustschlägen und Tritten traktiert worden sein.

Laut der zuständigen Staatsanwältin war der Angriff auf die zwei Opfer massiv. Sie erlitten insbesondere Verletzungen an Kopf und Oberkörper und mussten im Klinikum behandelt werden. Erst als weitere Passanten hinzukamen und eine Frau rief, dass die Polizei komme, ließen die Angreifer ab und flüchteten.

Geständnisse und Entschuldigungen können strafmildernd sein

In ihren Erklärungen gaben die drei Angeklagten auch an, dass sie sich bei den Geschädigten entschuldigen wollen. Zum Teil wurden auch Geldzahlungen in Aussicht gestellt. "Es ist immer so, dass ein Geständnis, eine Entschuldigung und ein Ausgleich mit den Geschädigten ein strafmildernder Faktor im Rahmen einer zu bildenden Strafe sein kann", erklärte dazu Landgerichtssprecher Michael Rauh.

Der Prozess wird morgen mit den Aussagen der Opfer fortgesetzt. Wichtig für den Fortgang des Verfahrens werden mutmaßlich auch Videos aus den Überwachungskameras rund um den Tatort. Das Urteil wird für Mitte März erwartet.

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