Mehrtägige Stromausfälle, Hochwasser, ein großflächiger Ausfall des Internets, Angriffe auf Infrastruktur: Viele Szenarien können dazu führen, dass die übliche Versorgung der Menschen auf einmal nicht mehr gewährleistet ist. In neuen Kursen "Erste Hilfe mit Selbstschutzinhalten" sollen Menschen den Umgang mit solchen Krisen lernen. Angeboten werden sie bei den deutschen Hilfsorganisationen wie Johanniter oder Malteser – in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, kurz BBK.
- Zum Artikel: Stromausfall – was sollte man zu Hause haben?
Darin lernt man nicht nur, welche Vorräte man für den Notfall zu Hause und welche Unterlagen man griffbereit haben sollte, sondern auch, wie man sich behelfen kann, wenn etwa der Rettungsdienst nicht mehr bis zur Haustür kommen kann.
Von Vorratshaltung bis Verbandstechnik: Sieben Themenmodule
Es gibt insgesamt sieben unterschiedliche Module, die gebucht werden können. In einem Modul geht es beispielsweise um die Vorratshaltung. Egal, ob man auf dem Land wohnt oder in einem großen Miethaus in der Stadt – der Kurs vermittelt Tipps und Tricks, wie man sich gut über ein paar Tage Stromausfall retten kann. Ein anderes Modul zeigt praktische Anwendungen, wie etwa Verbands- und Tragetechniken, die über die Zeit hinweghelfen können, bis der Rettungsdienst kommt. Ein weiteres Modul richtet sich an Pflegende, die zu Hause Angehörige pflegen. Alle Kurse sind kostenlos.
Was tun, wenn ich von zu Hause weg muss?
Wer sein Zuhause schnell verlassen muss, zum Beispiel bei einem Brand, sollte sich schnell eine Dokumentenmappe schnappen können. Darin sollten im Original Familienurkunden beziehungsweise das Stammbuch liegen. Im Original oder als beglaubigte Kopie mitnehmen sollte man Sparverträge, Rentenpolicen, Zeugnisse und auch Mietverträge. Alles Weitere reicht als einfache Kopie, so die Empfehlung – etwa Personalausweis und Reisepass, Führerschein, Grundbuchauszüge, Impfpass und vieles mehr.
Welche Vorräte sollte ich zu Hause haben?
Bei der allgemeinen Vorbereitung und Vorratshaltung kommt es auf die entsprechende Lebenssituation an. Generell werden zwei Liter Trinkwasser pro Person empfohlen, am besten in Glasflaschen. Wer eine Badewanne oder einen Kanister auf Vorrat voll Wasser füllt, sollte auf eine mögliche Keimbelastung achten. Hier wird auf Wasserreinigungstabletten verwiesen. Neben ausreichend Lebensmitteln sollte man den Futtervorrat für die Haustiere nicht vergessen. Checklisten bietet das BBK zum Download an.
Selbstverständliches wird kompliziert – Beispiel Toilette
Bei Stromausfall und fehlender Wasserversorgung kann der Toilettengang zum Problem werden. Ein Tipp: Hier helfen Müllsäcke zum Zubinden, befüllt mit Katzenstreu. Den Müllsack kann man einfach an der Klobrille anbringen, für den gewohnten Komfort.
Großes Interesse an Kursen
Bei den Johannitern in Wasserburg am Inn waren die ersten Kurse innerhalb eines Tages ausgebucht. Dort freut man sich über das Interesse. Auch Kursleiterin Vera Berninger findet, dass die neuen Kurse durchaus sinnvoll sind. Dadurch würden indirekt auch die Hilfsorganisationen profitieren, da deren Manpower ja irgendwann begrenzt sei. "Bei einem Stromausfall ist uns natürlich sehr geholfen, dass wir uns um medizinische Notfälle und Ähnliches kümmern können und nicht am zweiten Tag alle Menschen auf der Straße stehen, weil sie kein Trinkwasser mehr zu Hause haben", sagt sie ganz pragmatisch.
Wichtigster Tipp: Keine Panik
Es sei eine Gratwanderung, den Leuten keine Angst zu machen, ihnen dagegen aufzuzeigen, dass es Sinn mache, im Falle eines Falles gewappnet zu sein, sagt Kursleiterin Berninger. Das sei vergleichbar mit einer Brandschutzversicherung: Keiner wolle, dass es bei ihm daheim brenne, aber jeder habe eine Brandschutzversicherung. "Und da würde ich auch die ganze Befähigung für Krisensituationen mit einordnen", meint sie.
Wer Interesse hat, kann sich auf der Homepage des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe [externer Link] zu den Kursen "Erste Hilfe mit Selbstschutzinhalten" informieren.
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