ARCHIV (05.10.2025). Symbolbild eingang Oktoberfest. Zahlreiche Besucher gehen am 05.10.2025 am frühen Morgen kurz nach der ffnung durch das Tor vom Haupteingang auf das 190. Oktoberfest auf der Theresienwiese in München (Bayern, Deutschland), während im Hintergrund die Bierzelte (Festzelte) der Brauereien und das Riesenrad zu sehen sind.
Bildrechte: picture alliance/dpa | Matthias Balk

Werden wir künftig Eintritt für die Wiesn bezahlen müssen?

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Wiesnchef ist irritiert über Bürgerbegehren von Giesinger Bräu

Die Münchner Brauerei Giesinger Bräu zieht es zum Oktoberfest – das ist längst ein offenes Geheimnis. Dass sie ihr Ziel jetzt mit einem Bürgerbegehren erreichen will, findet Wiesnchef Scharpf "befremdlich". Üblich wäre ein anderer Weg.

Über dieses Thema berichtet: Regionalnachrichten aus Oberbayern am .

Die Münchner Brauerei Giesinger Bräu will ab 2027 Bier aufs Oktoberfest liefern und hat dafür ein Bürgerbegehren gestartet. "Bist Du dafür, dass die Landeshauptstadt ab 2027 auch den Ausschank von Bier der Brauerei Giesinger Bräu auf dem Münchner Oktoberfest erlaubt?", so soll die Frage bei dem angestrebten Bürgerentscheid lauten. "Etwas befremdlich" findet das Vorgehen der Wirtschaftsreferent und Wiesnchef Christian Scharpf (SPD).

Chancen auch für neue Brauereien

Der übliche Weg wäre es, wie andere Beschicker "einfach einmal einen Antrag zu stellen", sagt er: "Damit kann sich die Stadt dann auseinandersetzen, ihn prüfen und bewerten". Bis heute sei aber kein solcher Antrag eingegangen. Im Übrigen verweist der Wiesnchef darauf, dass es für die Zulassung von Giesinger Bräu gar keine neue Regelung brauche. Man müsse lediglich die Bedingungen der bestehenden Betriebsvorschriften erfüllen, und das sei auch für neue Brauereien möglich.

In Paragraf 51 heißt es: "An Wiesnbesucher*innen darf (…) nur Münchner Bier der leistungsfähigen und bewährten Münchner Traditionsbrauereien (das sind derzeit: Augustinerbrauerei, Hacker-Pschorr-Brauerei, Löwenbrauerei, Paulanerbrauerei, Spatenbrauerei und Staatliches Hofbräuhaus), das dem Münchner Reinheitsgebot von 1487 und dem Deutschen Reinheitsgebot von 1906 entspricht, ausgeschenkt werden." An der Formulierung "derzeit" könne man sehen, dass die Auflistung nicht abschließend sei, betont der Wiesnchef.

Wiesnchef: "Oktoberfest ist kein Experimentierfeld"

"Traditionsbrauerei" bedeute auch nicht, dass ein Betrieb schon eine bestimmte Zeit bestehen müsse, sondern dass er mit der Münchner und bayerischen Brautradition eng verbunden sein soll. Die Kriterien "leistungsfähig" und "bewährt" wiederum sollen laut Scharpf gewährleisten, dass eine Brauerei die Herausforderungen beim größten Volksfest der Welt organisatorisch, logistisch und kapazitätsmäßig stemmen kann. Das Oktoberfest sei nicht als "Experimentierfeld" geeignet.

Der Wirtschaftsreferent hat die Vertreter von Giesinger Bräu deshalb nach eigenen Angaben auch gefragt, warum sie die vergangenen Jahre nicht genutzt hätten, um bei kleineren Volksfesten oder Veranstaltungen Erfahrungen zu sammeln "und allen zu zeigen, dass sie es drauf haben". Vom brauereieigenen Starkbierfest abgesehen "konnte ich solche Bemühungen bislang leider nicht feststellen", sagt Christian Scharpf.

Giesinger Bräu will erst mal nur Bier liefern

Brauereigründer und Geschäftsführer Steffen Marx hatte sein Vorgehen via Bürgerbegehren bei der Eröffnung des Starkbierfests am Donnerstagabend damit erklärt, dass man "Signale aus der Politik" und den "einen oder anderen Tipp" bekommen habe. Demnach müsse die Stadt etwas in der Hand haben, womit sie arbeiten könne, sagte Marx im Gespräch mit BR24. Bis zur 20-Jahr-Feier der Brauerei am 23. Juli sollen nun mindestens 35.000 Unterschriften gesammelt werden, so dass das nötige Quorum erreicht wäre. Damit es zum Bürgerentscheid kommt, müsste der Stadtrat das Bürgerbegehren noch für zulässig erklären.

Die Zulassung einer siebten Brauerei als Lieferant für das Oktoberfest sieht Marx allerdings ohnehin nur als "ersten Schritt". Längerfristig kann er sich auch auch ein eigenes Wiesnzelt vorstellen.

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