Der vor zwei Jahren in russischer Haft gestorbene Alexej Nawalny ist Analysen zufolge mit einem starken Nervengift getötet worden
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Der vor zwei Jahren in russischer Haft gestorbene Alexej Nawalny ist Analysen zufolge mit einem starken Nervengift getötet worden

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Analysen: Moskau hat Nawalny mit Pfeilgift getötet

Vor zwei Jahren ist Kremlkritiker Alexej Nawalny in einer sibirischen Strafkolonie gestorben. Die russischen Behörden sprachen von einer natürlichen Todesursache. Deutschland und andere Europäer berichten nun etwas ganz anderes.

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Der Tod von Alexej Nawalny jährt sich an diesem Montag zum zweiten Mal. Nun gibt es neue Einzelheiten: Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Schweden und die Niederlande gehen davon aus, dass der frühere russische Oppositionsführer mit einem Nervengift getötet wurde. Das haben die Außenminister der fünf Staaten gemeinsam mit Nawalnys Witwe Julia Nawalnaja am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz mitgeteilt.

Nawalnaja spricht über "schwersten Tag" ihres Lebens

Es sei schwer für sie, die richtigen Worte zu finden, sagte Nawalnaja. Sie sitzt in einem sterilen Raum, neben ihr die fünf Außenminister. Vor zwei Jahren, sagt sie, habe sie hier, auf der Münchner Sicherheitskonferenz, den schwersten Tag ihres Lebens gehabt. Es war der Tag, an dem sie vom Tod ihres Mannes erfahren hatte. "Damals kam ich auf die Bühne, um zu sagen, dass mein Ehemann vergiftet wurde", sagt sie.

Gift aus ecuadorianischen Fröschen gefunden

Nun gibt es wissenschaftliche Belege für ihre damalige Vermutung. Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) erklärt, Analysen hätten an Nawalnys Leiche das Nervengift Epibaditin nachgewiesen. Der Stoff kommt in ecuadorianischen Pfeilgiftfröschen vor. Seine Wirkung ist 200 Mal so stark wie Morphium. "Es lähmt die Atemmuskulatur, die Opfer ersticken qualvoll", so Wadephul.

Labore in mehreren europäischen Staaten waren an den Untersuchungen beteiligt. Die Gewebeproben wurden offenbar heimlich von Nawalnys sterblichen Überresten entnommen. Die beteiligten Länder leiten ihre Erkenntnisse jetzt weiter an die Organisation für das Verbot chemischer Waffen.

Wadephul: Putin tritt Völkerrecht jeden Tag mit Füßen

"Niemand außer Putins Schergen wird uns sagen können, wie dieser 16. Februar 2024 in der russischen Strafkolonie im Einzelnen abgelaufen ist", sagt Außenminister Wadephul. "Klar ist: Die russischen Behörden hatten die Möglichkeit, das Motiv und die Mittel, Nawalny das Gift zu verabreichen."

Nawalny sei nicht nur das mutige Gesicht der russischen Opposition gewesen, sondern schon einmal das Opfer eines hinterhältigen Giftanschlags. "Putin tritt Völkerrecht und Menschlichkeit nicht nur in der Ukraine jeden Tag mit Füßen", sagt der Bundesaußenminister und fordert, die Vergiftung Nawalnys müsse Folgen haben. Auch die britische Außenministerin Yvette Cooper fordert, die russische Regierung müsse zur Rechenschaft gezogen werden.

Sie zitiert Nawalnys Worte: "Wir müssen das tun, was sie fürchten. Sagt die Wahrheit, verbreitet die Wahrheit. Das ist die mächtigste Waffe." Der niederländische Außenminister David van Weel sagt, die gute Nachricht sei, dass die Wahrheit immer ans Licht komme. Die Mühlen der Gerechtigkeit mahlten zwar vielleicht langsam, aber entschlossen für Nawalny.

Nawalnaja: Hoffe, dass Putin irgendwann auf Anklagebank landet

Nawalnys Witwe Nawalnaja dankt den an den Analysen beteiligten Laboren. Es sei sicher keine Neuigkeit, dass der Kremlchef ein Mörder sei. "Aber jetzt haben wir noch einen direkten Beweis dafür. Und ich hoffe sehr, dass er irgendwann auf der Anklagebank landet und sich für alles, was er getan hat, verantworten muss", sagt sie in einer teils auf russisch gehaltenen Rede.

Tod in Strafkolonie nördlich des Polarkreises

Nawalny galt als der prominenteste Gegner von Putin in Russland, auch weil er immer wieder Korruptionsfälle innerhalb der Elite um den Kremlchef aufdeckte. 2020 wurde er vergiftet und im Koma liegend nach Deutschland ausgeflogen, wo er in der Berliner Charité behandelt wurde. Die russischen Behörden nahmen den Politiker im Januar 2021 bei seiner Rückkehr in die Heimat noch auf dem Flughafen fest – zunächst wegen des angeblichen Verstoßes gegen frühere Bewährungsauflagen. 

Später verurteilten russische Gerichte Nawalny zu langen Haftstrafen – unter anderem wegen Extremismus. Im Gefängnis wurde er stark von der Außenwelt isoliert. Am 16. Februar 2024 starb er in einer Strafkolonie nördlich des Polarkreises. Zum Todeszeitpunkt war er 47 Jahre alt – die russischen Behörden sprachen von einer natürlichen Todesursache.

Im Video: Neue Erkenntnisse zur Todesursache Nawalnys

Gedenkfoto Alexej Nawalny
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Gedenkfoto Alexej Nawalny

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