Der Nahost-Krieg wird das Wachstum bremsen. Dessen sind sich die Forschenden des Münchener ifo Instituts so sicher, dass sie ihre Frühjahrsprognose gegenüber den Vorkriegs-Schätzungen um 0,2 Prozentpunkte nach unten korrigiert haben. Damit geht die ifo-Frühjahrskonjunkturprognose von einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 0,8 Prozent aus. Grund sind vor allem die höheren Energiekosten.
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Öl- und Kraftstoffpreise bremsen Erholung der deutschen Wirtschaft aus
Und das auch nur im bestmöglichen Szenario, das voraussetzt, dass der Krieg nicht mehr lange dauert und die Öl- und Gaspreise innerhalb der nächsten Wochen wieder sinken. Wenn es dagegen länger dauert mit dem Konflikt am Persischen Golf, würde sich dem Institut zufolge das Wachstum um weitere 0,2 Prozentpunkte auf dann nur noch 0,6 Prozent abschwächen.
Grundsätzlich befindet sich die deutsche Wirtschaft laut ifo immer noch auf dem Erholungspfad. Gestützt auf fiskalische Maßnahmen des Bundes wie dem Sondervermögen und von Investitionen in die Infrastruktur soll es auf jeden Fall weiter aufwärts gehen mit der Konjunktur, die Frage ist nur, wie stark. Gebremst wird die positive Entwicklung der Konjunktur vor allem von der aktuellen Unsicherheit rund um den Krieg im Nahen Osten, der zu höheren Verbraucherpreisen führt, vor allem an den Tankstellen.
Schon im Januar deutlich höhere Kraftstoffpreise – ungerechtfertigt?
Getrieben werden die Verbraucherpreise vor allem von Kraftstoffen und Heizöl, wobei ifo-Chef Clemens Fuest die Kritik an der Mineralölwirtschaft teilt, die in weiten Teilen aus der Politik zu hören ist. Schon vor dem Krieg habe es zum Jahreswechsel an deutschen Tankstellen Preisanhebungen um 10 Cent pro Liter gegeben, die Fuest in dieser Höhe für nicht gerechtfertigt hielt. Die Erhöhung der CO2-Steuern zum Januar hätte jedenfalls solche Preissteigerungen nur zu einem kleinen Teil ausgemacht.
Preispolitik der Mineralölkonzerne bleibt undurchschaubar
Mit Ausbruch des Krieges seien noch einmal 10 Cent dazugekommen. Das sei ein Grund, warum Tanken hier teurer sei als in vielen Nachbarländern. Auch ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser sieht in Deutschland "eine andere Preispolitik" der Mineralölkonzerne. Die geplanten Änderungen am Wettbewerbsrecht, das die Bundesregierung verschärfen will, und Überprüfungen der Preise durch das Bundeskartellamt können dem ifo zufolge keine schnelle Klarheit bringen.
Unklar ist dem ifo zufolge außerdem, wie sich die neuen Vorgaben für Tankstellen auswirken, die nur noch einmal am Tag ihre Preise erhöhen, sie aber jederzeit senken dürfen. Mehr Preistransparenz führe hier auch dazu, dass die Tankstellen sich besser gegenseitig beobachten können.
Staatliche Maßnahmen gegen Kraftstoffpreise eher schwierig
Einen staatlichen Preisdeckel für Benzin und Diesel lehnt Fuest ab. Der Preisdruck durch den Markt müsse vielmehr erhalten bleiben. Nur so könne es zu technischen Veränderungen oder im Verhalten der Verbraucher kommen. Wollmershäuser ergänzt, dass die Abhängigkeit von den fossilen Rohstoffen bisher nach jeder Energiekrise gesunken sei. Die Öffnung der nationalen Reserven hält Fuest für verfrüht: denn niemand könne wissen, wie lange der Krieg noch dauert.
Auch könnten andere Lieferketten gestört werden, wie das während der Coronakrise beim Schiffsverkehr der Fall war. So gesehen ist die Senkung der Wachstumsprognose um 0,2 Prozent eher noch eine optimistische Annahme.
Inflation macht Zinserhöhungen der EZB möglich
In seinem Basis-Szenario mit einem kurzen Krieg rechnet das ifo mit einer Inflation von 2,5 Prozent in Deutschland. Wenn die fossile Energie dagegen längere Zeit teuer bleibt, zum Beispiel mit einem Ölpreis um 100 Dollar je Barrel, dann könnte die Inflation sich Richtung 3 Prozent bewegen. Ifo-Chef Fuest sieht da auch die EZB gefordert. Mit ein bis zwei kleineren Zinserhöhungen könnte die Notenbank bis zum Jahresende auf die steigende Inflation reagieren, das wären dann 0,5 Prozentpunkte mehr auf 2,5 Prozent im Einlagenzins.
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Konjunkturprognose Frühjahr 2026
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