Knapp ein Dutzend Naturschützer haben am Montagvormittag im Oberallgäu gegen den Ausbau des Skigebiets am Fellhorn protestiert. "Rettet das Fellhorn!", stand auf einem Banner, das der Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV) auf einem Parkplatz nahe der Fellhornbahn entrollte. "Wir halten den Eingriff für unzumutbar und unzulässig – so kann man mit der Natur in unseren Alpen nicht umgehen", sagte der LBV-Vorsitzende Norbert Schäffer.
Neuer Sessellift soll bereits zur nächsten Skisaison fertig sein
Während unten im Tal protestiert wird, laufen am Berg bereits seit einigen Wochen die Bauarbeiten. Bagger haben die grünen Hänge aufgegraben, um die Pisten für den Winter neu zu modellieren. Einige Meter unterhalb der alten Talstation der Scheidtobelbahn stehen Kräne um das frisch betonierte Fundament herum, das einmal die neue Station tragen soll.
Johannes Krieg, Geschäftsführer der Fellhornbahn GmbH, erklärt am Rand der Baustelle: "Wir haben hier einen Auftrag als wirtschaftliches Unternehmen, dieses Projekt auch in die Tat umzusetzen." Für das Unternehmen und für den Tourismus sei es wesentlich, dass der Zeitplan eingehalten werde. Wenn es nach den Betreibern geht, soll der neue Sessellift am Scheidtobel bereits zur kommenden Skisaison 26/27 fertig sein.
Eilantrag auf Baustopp noch in Prüfung
Unmittelbar nach der Genehmigung Anfang März wurden für die Fellhornbahn erste Bäume gefällt. Das hatte scharfe Kritik von Naturschutzverbänden ausgelöst.
Der LBV hatte Ende März beim Verwaltungsgericht Augsburg Klage gegen die Baubescheide des Landratsamts Oberallgäu eingereicht und einen Eilantrag auf Baustopp gestellt. Der Eilantrag befinde sich noch in der Prüfung, teilt ein Gerichtssprecher auf Anfrage mit. Es handle sich um ein "extrem umfangreiches Verfahren".
Die Klage des LBV ist in zwei Verfahren aufgeteilt, die an unterschiedlichen Gerichtskammern verhandelt werden. Eine Kammer des Verwaltungsgerichts beschäftigt sich mit den seilbahnrechtlichen Fragen rund um den Neubau der Scheidtobelbahn selbst, die andere befasst sich mit baurechtlichen Aspekten wie Erdaufschüttungen, Aufgrabungen und Rodungen. Der LBV, das Landratsamt Oberallgäu sowie die Bergbahnen haben jeweils begründete Stellungnahmen und Erwiderungen auf diese Schriftsätze in das Verfahren eingebracht. Eine gesetzliche Frist für die Entscheidung von solchen Eilanträgen gibt es nicht.
LBV: Birkhuhn in Gefahr
Der Neubau der Scheidtobelbahn liegt im Naturschutzgebiet Allgäuer Hochalpen sowie im Vogelschutz- und FFH-Gebiet (Flora-Fauna-Habitat-Gebiet). Der Scheidtobel gilt als bedeutender Lebensraum für geschützte und teilweise bedrohte Tier- und Pflanzenarten, wie das Birkhuhn. Aus Sicht des LBV sind die geplanten Baumaßnahmen deswegen unter anderem nicht mit nationalem sowie europäischem Naturschutzrecht vereinbar. "Wir befürchten, wenn die Bahn wie geplant ausgebaut wird, dass das Birkhuhn hier ausstirbt", sagt der LBV-Vorsitzende Schäffer.
Das Landratsamt Oberallgäu hatte im Zuge der Baugenehmigung darauf verwiesen, dass zahlreiche Fachstellen in das Verfahren eingebunden waren. Das Ergebnis der behördlichen Prüfung: Die beantragten Bauvorhaben seien durch behördliche Auflagen mit Natur- und Artenschutzrecht vereinbar. Das Landratsamt sieht die Maßnahme zudem im öffentlichen Interesse, da sie die touristische Infrastruktur im Allgäu stärken und wirtschaftliche Effekte für die Region bringen soll.
Fellhornbahn: "Stolz auf das Projekt"
Fellhornbahn-Geschäftsführer Krieg beruft sich auf die rechtlich geltenden Genehmigungen und geht von einer Bestätigung durch das Verwaltungsgericht aus. "Wir sind stolz auf das Projekt und reinen Gewissens", betont er. Der Geschäftsführer verweist zudem auf die zahlreichen Auflagen. Man habe sich verpflichtet, bestimmte Maßnahmen umzusetzen, etwa zeitliche Einschränkungen für Arbeiten aufgrund von Brutzeiten. Deswegen habe man auch direkt mit ersten Rodungen begonnen, als der Bauantrag im März genehmigt wurde.
Weitere Proteste geplant
Weitere Aktionen der Naturschutzverbände sind nach der LBV-Protestaktion am Montag jedoch bereits angekündigt. "Es wurde eine rote Linie überschritten", sagt Schäffer. Für Mitte Juni organisiert das Bündnis "Rettet die Berge", etwa eine Kundgebung.
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