Symbolbild: NSDAP-Aufnahmeantrag des früheren baden-württembergischen Ministerpräsidenten Hans Filbinger (1913-2007).
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Symbolbild: NSDAP-Aufnahmeantrag des früheren baden-württembergischen Ministerpräsidenten Hans Filbinger (1913-2007).

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Online-Archiv zu NSDAP-Mitgliedern: So funktioniert die Suche

Waren eigene Angehörige in der NSDAP – und haben diese Mitgliedschaft vielleicht verschwiegen? Das fragen sich auch gut 80 Jahre nach dem Nazi-Regime viele Menschen. Jetzt gibt es ein neues Online-Archiv. Wie es funktioniert, was zu beachten ist.

Über dieses Thema berichtet: Kulturleben am .

Über 16 Millionen digitale Objekte, zumindest anfangs überlastete Server: Die neue Online-Suche zu Mitgliedern der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) sorgt seit Mitte März für Schlagzeilen. 1945 hatte die Partei rund 8,5 Millionen Mitglieder. Wie die Archivsuche funktioniert, worauf man achten sollte und welche Grenzen das Angebot hat – alle wichtigen Infos im Überblick.

Wo finde ich die NSDAP-Mitgliederkartei online?

Zur Verfügung gestellt wird die Online-Suche innerhalb des Katalogs der US-Nationalarchive. Und zwar unter diesem Link (https://catalog.archives.gov/id/12044361). Dort gibt es die Serie "Records Relating to Membership in the Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP)". Alternativ gibt es die interne Suchansicht der Serie unter diesem Link (https://catalog.archives.gov/search-within/12044361).

Seit die Online-Suche verfügbar ist, lassen sich die Webseiten teils nicht aufrufen. Das liegt an zu vielen Anfragen und überlasteten Servern. Auf BR24-Anfrage teilte die Pressestelle der US-Nationalarchive mit: Am 17. und 18. März 2026 habe es eine Erhöhung der Aufrufzahlen um 925 Prozent gegeben. Man arbeite aber an technischen Lösungen, um die Erreichbarkeit der Seiten zu gewährleisten.

Wie genau funktioniert die Suche?

Wichtig zu wissen, und vermutlich der Hauptgrund für den Ansturm: Man muss keinen Antrag ausfüllen und braucht keinen Account – die Suchfunktion ist für alle zugänglich. Zunächst klickt man dafür auf den blau hinterlegten Button "Search within the series" oder wählt direkt die interne Suchansicht. Dann gibt es mehrere Möglichkeiten, ähnlich wie bei einer Google-Suche:

  • NACHNAME, VORNAME (in diesem Format sind die meisten Mitglieder gelistet)
  • VORNAME NACHNAME
  • "NACHNAME, VORNAME"
  • "VORNAME NACHNAME
  • ergänzend weitere Angaben wie den Wohnort, das Geburtsjahr oder das Geburtsdatum im Format "xx.yy.zz"

Laut ersten Erfahrungsberichten funktioniert die Suche mit Anführungszeichen besser, weil dann nach der gesamten Suchphrase und nicht nach einzelnen Wörtern gesucht wird. Eine mögliche Eingabe in das Suchfeld wäre also: "Maier, Sepp" "01.02.16". Teils ist das Geburtsdatum auch im Format "x.y.zz.", im genannten Beispiel also "1.2.16".

Es gilt, wie bei allen Archivsuchen: Geduld ist gefragt. Die erste Sucheingabe muss noch nicht zum Ziel führen – umgekehrt heißt kein Treffer bei der ersten Suche nicht, dass es wirklich keine Treffer gibt. Man sollte einen möglichst großen Bildschirm nutzen, also lieber am Computer als am Smartphone suchen. Und: Man braucht Zeit, muss unter Umständen hunderte Seiten Mikrofilm durchsuchen.

Was ist bei den Suchergebnissen zu beachten?

Wichtig bei der Interpretation der Suchergebnisse:

  • Die Suche führt nicht direkt zu einzelnen Mitglieds-Karteikarten, sondern zu digitalisierten Mikrofilmen, die man dann wiederum nach bestimmten Namen durchsuchen kann.
  • Die automatische Texterkennung liest die Namen mitunter falsch.
  • Rund 20 Prozent der Kartei sind verloren gegangen.
  • Zeitpunkt des Parteieintritts beachten: Eintritt vor 1933 deutet auf frühe Unterstützung der Nazis schon vor der Machtübernahme hin – Eintritt deutlich später kann auch aufgrund von Druck oder Opportunismus erfolgt sein.
  • Das Online-Archiv verrät nichts über die Mitgliedschaft in der Wehrmacht, der SA oder SS.

Warum gibt es in Deutschland bisher kein Online-Archiv?

"Im Bundesarchiv liegt die NSDAP-Mitgliederkartei im Original und digitalisiert vor", sagt ein Sprecher des Bundesarchivs auf BR24-Anfrage. "Jeder und jede kann dazu Auskunft erhalten, wenn er oder sie schriftlich oder digital beim Bundesarchiv anfragt." Die einfache Auskunft sei kostenfrei und werde in der Regel als digitale Kopie verschickt.

Dass es in Deutschland bisher keine frei zugängliche Online-Suche gibt, liegt laut dem Sprecher an gesetzlich vorgeschriebenen Schutzfristen in Deutschland "100 Jahre nach Geburt bzw. zehn Jahre nach Tod einer Person". Das Ziel des Bundesarchivs sei, "die Mitgliederkartei insgesamt online zu stellen, wenn die Fristen in den kommenden Jahren abgelaufen sein werden".

Dank wem gibt es die NSDAP-Mitgliederkartei noch?

Dass die NSDAP-Mitgliederkartei größtenteils erhalten ist, liegt am Münchner Papiermüller Hanns Huber. Seine Papierfabrik hatte kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs eigentlich den Auftrag, die Mitgliederkarten zu verbrennen. Huber zögerte das aber hinaus, nachdem er die Brisanz der Dokumente erkannt hatte. Wie genau dieser "Krimi aus den letzten Kriegstagen" ablief, hat die Süddeutsche Zeitung 2020 ausführlich berichtet (externer Link; möglicherweise Bezahlinhalt).

Wo gibt es Informationen über Mitglieder der Wehrmacht?

Eine mögliche NSDAP-Mitgliedschaft von Familienmitgliedern ist ein Aspekt der Ahnenforschung. Viele Menschen interessiert auch, welche Rolle ihre Großväter oder Urgroßväter in der Wehrmacht, der SA oder der SS hatten. Wer dazu recherchieren möchte, kann sich ans Bundesarchiv wenden und dort einen entsprechenden Antrag stellen (externer Link).

Dieser Artikel ist erstmals am 22. März 2026 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel aktualisiert und erneut publiziert.

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