Ostern ist für Christen das höchste Kirchenfest des Jahres. Sie feiern, dass Jesus von den Toten auferstanden ist – drei Tage, nachdem ihn die damaligen römischen Besatzer des heutigen Israel gekreuzigt hatten. "Jesus, der für das Christentum die zentrale Gestalt ist, ist wirklich gestorben – und der Tod war nicht der Schluss, sondern ein neuer Anfang", erklärt Thomas Söding, Professor für Neues Testament an der Universität Bochum, mit Blick auf den biblischen Befund.
Leeres Grab: Tod und Auferstehung – oder geklauter Leichnam?
Der Glaube an die Auferstehung Jesu bricht sich laut den Evangelien im Neuen Testament bahn, als Frauen das Grab Jesu aufsuchen, um seinen Leichnam zu salben. Doch statt den toten Jesus finden sie ein leeres Grab. Laut Söding ist das leere Grab für die Auferstehung "kein Beweis, aber ein Zeichen, das gedeutet werden muss". Und die Deutung der Evangelien-Evangelien-Schreiber: "Gott hat hier seine Hand im Spiel, Jesus ist nicht im Grab geblieben", erklärt Söding.
Die schiere Unglaublichkeit dieser Glaubensaussage drückt sich auch schon in den Evangelien selbst aus, genauer: in der Reaktion der Frauen am Grab. "Da kommen alle möglichen Gedanken, zum Beispiel, dass der Gärtner den Leichnam beiseite geschafft habe oder die Jünger den Leichnam gestohlen hätten. Viel mehr Kritik bringt die Neuzeit auch nicht zustande", sagt Söding mit Blick auf die Zeit nach der Aufklärung. Seither wurde immer wieder versucht, die Auferstehungsgeschichte rational aufzulösen. Für den Historiker Johannes Fried ("Kein Tod auf Golgatha") starb Jesus zum Beispiel gar nicht am Kreuz, sondern war lediglich ohnmächtig und lebte später im Exil. Das Osterwunder wäre demnach nicht die Auferstehung, sondern dass Jesus die Qualen der Passion und am Kreuz überlebt hat.
Osternacht beendet Fastenzeit
Demgegenüber hat sich in der Christenheit der Glaube an Jesu Auferstehung von den Toten durchgesetzt. Ostern steht für den Sieg des Lebens über den Tod. Bei Festgottesdiensten in der Osternacht von Karsamstag auf Ostersonntag wird am frühen Morgen die Osterkerze entzündet, die symbolisiert, dass Jesus das Licht in die Welt gebracht hat.
Mit der Feier der Osternacht endet auch die Fastenzeit, in der viele Gläubige von Aschermittwoch an auf liebgewonnene Nahrungsmittel oder Rituale verzichtet haben. Die Osterzeit geht bis Pfingsten, wo an Christi Himmelfahrt (der 40. Tag nach Ostern) die Rückkehr Jesu an Gottes Seite und an Pfingsten (dem 50. Tag nach Ostern) die Entsendung des Heiligen Geistes gefeiert wird.
Termin des Osterfests hängt vom Frühlingsvollmond ab
Auf welches Datum das Osterfest fällt, hängt vom Frühlingsvollmond ab. Es findet immer am ersten Sonntag nach dem Frühlingsvollmond statt. Damit ist der frühestmögliche Termin der 22. März, spätestes Daum kommt der 25. April in Frage. Das Wort Ostern leitet sich laut Herkunftswörterbuch des Duden vom altgermanischen "Austrō" = "Morgenröte" ab, das eventuell ein germanisches Frühlingsfest bezeichnete. Im Althochdeutschen entwickelte es sich dann zu "ōst(a)ra" weiter.
Rund um Ostern sind auch viele nicht-religiöse Bräuche entstanden. So suchen zum Beispiel Kinder nach Ostereiern, die der Osterhase für sie versteckt hat. Wieso Hase und Ei mit Ostern verbunden werden, dazu gibt es verschiedene Theorien. Eine Begründung ist, dass beide Symbole der Fruchtbarkeit und des Lebens sind. Somit lassen sie sich wunderbar sowohl dem Osterfest als auch dem Frühling zuordnen.
Dieser Artikel ist erstmals am 2.4.2023 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel erneut publiziert.
Sie interessieren sich für Themen rund um Religion, Kirche, Spiritualität und ethische Fragestellungen? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter. Jeden Freitag die wichtigsten Meldungen der Woche direkt in Ihr Postfach. Hier geht's zur Anmeldung.

