Die Kurven und Balken, die das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit am Dienstag der Presse vorstellt, kommen nüchtern daher. Doch sie bilden einen beunruhigenden Trend ab. Der Anteil rauchender und vapender Jugendlicher steigt. Laut einer aktuellen Studie des Bundesinstituts raucht inzwischen fast jeder Zehnte der 12- bis 17-Jährigen. Ein deutlicher Anstieg innerhalb der vergangenen fünf Jahre. 2021 lag der Anteil noch bei 6,1 Prozent.
Ein weiteres Ergebnis der Studie: Das sogenannte Vapen wird unter jungen Leuten immer beliebter, also der Griff etwa zu Mehrweg-E-Zigaretten. Bei männlichen Jugendlichen hat sich der Anteil der Konsumenten seit 2021 mit 6,7 Prozent mehr als verdoppelt. Bei Teenagerinnen lässt sich ein noch stärkerer Anstieg auf 7,8 Prozent beobachten. Auch junge Erwachsene zwischen 18 und 25 Jahren greifen verstärkt zu solchen E-Zigaretten.
E-Zigaretten oft mit süßen Aromen versetzt
Hinzu kommt, dass laut der Studie neun von zehn jungen Rauchern in den Mehrweg-E-Zigaretten nikotinhaltige Liquids benutzen. Diese würden oft mit süßen Aromen versetzt und mit einem Design vermarktet, das in erster Linie Jugendliche ansprechen solle. Eine Entwicklung, die Fachleuten die Sorgenfalten auf die Stirn treibt. Johannes Nießen vom Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit weist darauf hin, dass neben Mehrweg-E-Zigaretten auch Nikotinbeutel häufiger konsumiert werden. "Das bereitet uns Sorge, denn Nikotin macht schnell abhängig und kann den Einstieg ins Rauchen erleichtern."
Der Bundesdrogenbeauftragte Hendrick Streeck spricht von einem Warnsignal. "Nikotin macht abhängig und kann junge Menschen früh an dauerhaften Konsum binden", so der CDU-Politiker. Mögliche Folgen seien Krebserkrankungen, Herzinfarkte, Schlaganfälle oder schwere Atemwegserkrankungen. Nach Streecks Worten sterben 130.000 Menschen an den Folgen des Tabakkonsums – Jahr für Jahr. "Das sind rund 360 Menschen pro Tag."
Vapes: Bundesdrogenbeauftragter kritisiert Produktdesign
Angesichts solcher Zahlen sieht Sreeck im Tabakkonsum "eine der größten vermeidbaren Krankheits- und Todesursachen in unserem Land". Er kritisiert die Aufmachung vieler E-Zigaretten und Nikotinbeutel als verantwortungslos. "Der Rauch schmeckt nicht mehr nach Tabak, sondern er schmeckt jetzt nach Cola, Strawberry Kiwi und Salted Caramel." Der Bundesdrogenbeauftragte befürchtet, dass Jugendliche durch solche Geschmacksrichtungen und eine "poppige Aufmachung" an einen "hochgradig abhängig machenden Stoff herangeführt" werden: eben an Nikotin.
Dass Schwarz-Rot die Tabaksteuer erhöhen will, findet Streeck richtig. Allerdings fordert er, die zusätzlichen Mittel in die Gesundheitsvorsorge zu stecken. Und nicht zum Stopfen von Haushaltslöchern zu verwenden. Ein Punkt, über den die Koalitionspartner gerade diskutieren.
Streeck fordert Verbot bestimmter Zusatzstoffe bei E-Zigaretten
Außerdem spricht sich der Bundesdrogenbeauftragte dafür aus, Aromen zu verbieten, die Jugendliche zum Nikotinkonsum animieren. Zumindest sollten aus seiner Sicht aber solche Zusatzstoffe verboten werden, die nachweislich die Lunge schädigen. "Das ist keine Einschränkung der Freiheit, das ist eine moderne Gesundheitspolitik", findet Streeck.
Auch Teile der Opposition fordern Konsequenzen. Johannes Wagner von den Grünen stellt auf BR24-Anfrage fest: "Der Anstieg rauchender und vapender Jugendlicher ist kein Zufall – er ist das direkte Ergebnis aggressiver Marketingstrategien der Tabak- und E-Zigarettenindustrie." Der Coburger Abgeordnete wirft der Bundesregierung Untätigkeit vor. Wirtschaftliche Interessen werden aus seiner Sicht über den Jugendschutz gestellt.
Eigentlich gilt schon jetzt, dass Tabakwaren und andere nikotinhaltige Produkte nicht an Kinder und Jugendliche verkauft werden dürfen. Doch die jetzt vorgestellten Zahlen zeigen: E-Zigaretten gelangen trotzdem in großem Stil in die Hände von Teenagern.
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