Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder im Februar an einem Bahnsteig.
Bildrechte: pa/dpa | Jens Kalaene

Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder im Februar an einem Bahnsteig.

Per Mail sharen
Artikel mit Audio-InhaltenAudiobeitrag

Verkehrsminister ruft zum Umstieg auf Deutschlandticket auf

Vor dem Hintergrund des Irankriegs und steigender Spritpreise hat Verkehrsminister Schnieder zum Umstieg auf das Deutschlandticket der Bahn aufgerufen. Die ist jedoch teils in marodem Zustand. Warum Schnieder dennoch auf die Schiene setzt.

Über dieses Thema berichtet: BAYERN 3-Nachrichten am .

Obwohl die Deutsche Bahn mit Verspätungen kämpft und jahrelange Sanierungsarbeiten laufen, setzt der deutsche Verkehrsminister Patrick Schnieder auf die Schiene. Angesichts der hohen Spritpreise wegen des Irankriegs rief er dazu auf, auf das Deutschlandticket der Bahn umzusteigen. Spritpreisgrenzen und Tempolimit auf Autobahnen lehnt der CDU-Minister dagegen ab.

Keine Rückkehr zum Neun-Euro-Ticket

"Für weite Teile unseres Landes kann ich nur empfehlen, auf das Deutschlandticket umzusteigen – gerade in der jetzigen Situation", sagte Schnieder den Zeitungen der Funke Mediengruppe laut Vorabbericht.

Eine Rückkehr zum Neun-Euro-Ticket werde es nicht geben. Das Deutschlandticket sei mit 63 Euro "immer noch weitaus günstiger als reguläre Monatskarten – und das bei deutschlandweiter Einsatzmöglichkeit". Die Finanzierung sei bis 2030 gesichert, so Schnieder.

Nein zu: Spritpreisbremse oder Tempolimit

Den Vorschlag von Finanzminister Lars Klingbeil (SPD), Spritpreisgrenzen nach dem Vorbild von Luxemburg einzuführen, lehnte der Verkehrsminister ab. In Luxemburg gebe es Einheitspreise. "Das ist ein starker Eingriff in den Markt, der Wettbewerb behindert. Das sollten wir nur im absoluten Notfall in Betracht ziehen." Nein sagte Schnieder auch zu einem Tempolimit auf Autobahnen. "Wer verhalten fährt, spürt das im Geldbeutel. Das merken die Leute auch ohne Tempolimit."

Kraftstoffmaßnahmenpaket soll helfen

Um den steigenden Spritpreisen entgegenzuwirken hatte am gestrigen Freitag nach dem Bundestag auch der Bundesrat einem sogenannten Kraftstoffmaßnahmenpaket zugestimmt. Demnach dürfen Tankstellen nur einmal am Tag – nämlich um 12 Uhr mittags – den Preis erhöhen, senken dagegen jederzeit. Außerdem soll das Kartellrecht verschärft werden.

Bahn soll verlässlicher werden

Für die Bahn hat der Bundesverkehrsminister ein ambitioniertes Ziel: Schnieder will erreichen, dass bis 2029 im Fernverkehr 70 Prozent der Züge pünktlich seien. Im vergangenen Jahr hatten lediglich 60 Prozent der Züge nach Angaben der Deutschen Bahn weniger als sechs Minuten Verspätung. Damit fiel die Pünktlichkeit im Fernverkehr schlechter aus als 2024.

Angesichts anhaltender Sanierungsarbeiten bei der Bahn, hob Schnieder hervor, dass Investitionen in die Infrastruktur ihre Zeit bräuchten. Die Sanierungen der 42 Hochleistungskorridore liefen bis 2036. "Dann haben wir die wichtigsten Strecken auf Vordermann gebracht", sagte er.

Zugleich sollen Maßnahmen einer Task Force - wie etwa "Joker-Gleise", das sind freigehaltene Gleise an Bahnhöfen für mehr Flexibilität, oder "Flex-Abfahrten" - für mehr Zuverlässigkeit bei der Bahn sorgen. "Die Maßnahmen werden in den kommenden Monaten umgesetzt und Anfang 2027 überprüft", erklärte Schnieder. Es sei nicht das Ziel, weniger Züge fahren zu lassen, fügte der Politiker hinzu.

Deutsche Bahn mit Milliardenverlust

Patrick Schnieder will – und muss – die Probleme bei der Bahn lösen: "Wir dürfen nicht einreißen lassen, dass die Menschen glauben, der Staat bekommt Probleme wie marode Brücken oder notorisch verspätete Züge nicht in den Griff", erklärte Schnieder. Es sei "brandgefährlich, wenn immer mehr Menschen den Eindruck bekommen, dass der Staat nicht funktioniert", das bedrohe auch die Demokratie, sagte der CDU-Politiker in dem Interview.

Die Deutsche Bahn machte im vergangenen Jahr erneut einen Milliardenverlust, wie aus einem am gestrigen Freitag veröffentlichten Bilanzbericht hervorgeht. Zugleich wuchs die Zahl der Reisenden weiter an.

Mit Informationen von AFP und Reuters

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!