Angesichts der in Deutschland grassierenden Geflügelpest hat Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer die Erwartungen an mögliche Impfungen gedämpft. "Ich weiß, manche glauben, die Impfung ist dann am Ende der Tage die Lösung", sagte der CSU-Politiker bei seinem Antrittsbesuch beim Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) bei Greifswald, das sich als Bundesforschungsinstitut mit Tiergesundheit befasst. Inwieweit Impfungen nützen, werde etwa am FLI untersucht. "Aber man darf hier das Kosten-Nutzen-Verhältnis nicht außer Acht lassen", sagte Rainer.
Handelshürden und Überwachungsprobleme
Er verwies auch darauf, dass Impfungen teils auch mit Handelsrestriktionen einhergingen, weil bestimmte Länder geimpftes Geflügel nicht mehr abnehmen. "Aus diesem Grund starten wir gerade eine Umfrage." So solle bei Handels- und Geflügelverbänden ausgelotet werden, wie sie zu Impfungen stehen.
Laut FLI-Experten ist neben den Kosten auch die aufwendige Überwachung eine mögliche Herausforderung bei umfassenden Impfungen. So bestehe etwa die Gefahr, dass Tiere durch die Impfung augenscheinlich gesund seien, aber dennoch das Virus übertragen könnten.
Bisher 1,5 Millionen Tiere gekeult: "Virus findet jede noch so kleine Lücke"
Im Zuge der aktuellen Infektionswelle seien laut Angaben des Bundeslandwirtschaftsministers schon etwa 1,5 Millionen Tiere gekeult worden. "Das ist alles kein Spaß. Die Leute machen das nicht gern." Er appellierte daher an die Sorgfalt der Halter: "Gebt euch selbst strenge Regeln, was die Biosicherheit mit anbelangt", so Rainer.
FLI-Präsidentin Christa Kühn hatte zuvor erklärt, dass Veterinärlabore bereits an ihre Belastungsgrenze kämen. Der Anstieg der Fälle sei steiler als 2020/2021, einem der bisher schlimmsten Geflügelpestwinter. "Trotz anhaltender Aufmerksamkeit der Geflügel-haltenden Betriebe findet das Virus anscheinend jede noch so kleine Lücke."
Täglich neue Ausbrüche
Laut FLI kommen täglich Ausbrüche in Geflügelhaltungen hinzu. Die seit Anfang September festgestellten Fälle lagen demnach zuletzt bei fast 100 (Stand 12.11. um 14.40 Uhr). Die Zahl der Nachweise bei Wildvögeln bewege sich Richtung 900. Die Dunkelziffer sowie die Zahl tot geborgener Wildvögel sind deutlich höher.
Entsprechend bewertet das FLI alle Risiken, die sich auf Geflügelhaltungen und Vogelbestände oder Wildvögel beziehen, als hoch. Dies umfasse etwa die Aus- und Weiterverbreitung des Virus in Wildvogelpopulationen ebenso wie den Eintrag in Geflügel- und Vogelhaltungen, etwa auch Zoos.
Rainer: Weihnachtsbraten nicht in Gefahr
Trotz vieler Ausbrüche der Geflügelpest, auch Vogelgrippe genannt, sieht Rainer nach eigener Aussage den Festtagsbraten nicht in Gefahr. "Ich gehe fest davon aus, dass man mit dem Weihnachtsbraten rechnen kann, wenn man denn Geflügel auf dem Tisch haben will." Die Kosten mache der Markt. "Ich gehe aber nicht davon aus, dass die Preise deshalb explodieren werden."
Die Geflügelpest ist eine bei vielen Vogel- und Geflügelarten häufig tödlich verlaufende Infektionskrankheit. Vor allem aber auch unter Kranichen hat sie in Deutschland in diesem Herbst ein Massensterben ausgelöst.
Mit Informationen von dpa
Im Audio (vom 10.11.25): Vogelgrippe-Ausbruch - Stallpflicht in immer mehr bayerischen Regionen
(Symbolbild) Nach neuen Vogelgrippefällen in Bayern greifen die Behörden durch: In mehreren Landkreisen gilt Stallpflicht für Geflügel.
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