Angesichts üppiger Schneefälle ist die Lawinengefahr in vielen europäischen Wintersportregionen derzeit hoch. In Österreich, Norditalien und der Schweiz sind in den vergangenen Tagen mehrere Menschen durch Lawinen ums Leben gekommen.
Zahl der Opfer in Österreich gestiegen
In Österreich kam es am Samstag erneut zu tödlichen Lawinenabgängen. Ein 41-jähriger Wintersportler wurde laut Polizei in Serfaus in Tirol abseits der Piste von einem Schneebrett erfasst. Der Österreicher konnte zwar aus einer Tiefe von rund zweieinhalb Metern ausgegraben werden, er starb allerdings später im Krankenhaus. Ein 21-jähriger Slowake wurde in den Wölzer Tauern in der Steiermark von einem Schneebrett verschüttet, wie die Behörden berichteten. Er starb unter den Schneemassen.
Allein am Freitag waren in Österreich fünf Menschen bei Lawinenabgängen gestorben. In St. Anton am Arlberg konnten zwei Menschen nur noch tot aus den Schneemassen geborgen werden, wie ein Polizeisprecher mitteilte. Von den drei zunächst verletzt geborgenen Personen sei am Abend eine im Krankenhaus gestorben.
In Klösterle im Bundesland Vorarlberg kam ein 39-jähriger Schweizer ums Leben, als er zusammen mit einem 47-jährigen Deutschen auf Snowboards einen 40 Grad steilen Hang hinabfuhr. Dabei löste der 39-Jährige ein Schneebrett aus, wurde etwa 250 Meter mitgerissen und vollständig verschüttet. Sein Begleiter blieb unverletzt.
Brisante Lawinenlage in den Alpen
Zuvor war im Tiroler Skigebiet Nauders ein 42-jähriger deutscher Skifahrer abseits der Piste von einer Lawine erfasst und getötet worden. Sein 16-jähriger Sohn habe schwer verletzt überlebt, teilte die Polizei mit. Das Duo wollte einen Nordhang queren, als sich ein rund 400 Meter breites Schneebrett löste und beide Wintersportler etwa 200 bis 300 Meter mitriss. Die Opfer stammen aus dem thüringischen Landkreis Eichsfeld.
In Tirol waren zuletzt bis zu 40 Zentimeter Neuschnee gefallen. Die Lawinenlage ist brisant. Allein am Freitag zählten die Behörden mehr als 30 Lawinen-Einsätze in dem auch bei deutschen Wintersportlern beliebten Bundesland. Insgesamt waren es in den vergangenen sieben Tagen 200.
Am Samstag wurde laut österreichischer Nachrichtenagentur APA das Bundesheer eingesetzt. Vorgesehen seien Erkundungsflüge zur Lagebeurteilung sowie Personentransporte der Bergrettung, die in weiterer Folge Lawinensprengungen und Windenbergungen durchführen solle.
Was die Situation derzeit gefährlich macht
Das Risiko für Wintersport im freien Skiraum bleibt hoch. Im Süden Bayerns erwartet der Deutsche Wetterdienst (DWD) für Lagen oberhalb von 1.000 Metern weiteren Schneefall. Oberhalb von 1.600 Metern sei die Lawinengefahr groß, unterhalb sogar erheblich, teilte der Lawinenwarndienst Bayern am Samstag mit.
Das Hauptproblem in den hohen Lagen ist aktuell der Neuschnee. Wo dieser auf alten Triebschnee trifft – also Schnee, der sich durch den Wind an einer bestimmten Stelle gesammelt hat – können leicht Lawinen ausgelöst werden oder sich von selbst lösen, unter anderem weil die Schneekristalle nicht so fest verbunden sind.
Gefahrenstellen sind vor allem in Steilhängen, hinter Hangkanten, in Rinnen und Mulden. An sehr steilen Hängen mit glattem Untergrund sind auch einzelne Gleitschneelawinen möglich, bei denen sich die Lawine auf dem glatten Untergrund von selbst löst.
Wer im Gebirge unterwegs ist, sollte laut Lawinenwarndienst auf Risse beim Betreten der Schneedecke oder auf "Wumm"-Geräusche achten. Letztere können darauf hindeuten, dass es tief in der Altschneedecke Schwachschichten gibt – wenn zum Beispiel Skifahrer eine zusätzliche Belastung auf diese Stellen bringen, kann die Schneedecke brechen und sich so eine Lawine lösen.
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