Der Klimawandel zeigt sich auch auf Grönland.
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In der Klimakrise gibt es nach Einschätzung der Weltwetterorganisation (WMO) wenig Raum für Optimismus.

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Weltwetterorganisation: Klima so stark aus Gleichgewicht wie nie

In der Klimakrise gibt es nach Einschätzung der Weltwetterorganisation (WMO) wenig Raum für Optimismus. "Das Weltklima ist im Ausnahmezustand", warnt der Generalsekretär der Vereinten Nationen, António Guterres.

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Das argumentative Eis von Leugnern der Klimakrise ist längst geschmolzen. Angesichts des fortschreitenden Klimawandels schlägt die Weltwetterorganisation (WMO) Alarm. Das Ungleichgewicht zwischen Energieaufnahme und -abgabe der Erde wächst rasant, wie es im WMO-Bericht zum Zustand des Klimas 2025 heißt. Bei den Klimaindikatoren jagen sich die negativen Rekorde. Die Temperaturen steigen, die Ozeane heizen sich auf, Eis und Gletscher schmelzen und die Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre steigt weiter.

Einschneidende Änderungen innerhalb weniger Jahrzehnte

"Es lässt sich nicht leugnen, dass sich diese Indikatoren nicht in eine Richtung entwickeln, die Anlass zu großer Hoffnung gibt", sagte die Vizechefin der WMO, Ko Barrett. Die einschneidenden Änderungen hätten sich zwar innerhalb weniger Jahrzehnte vollzogen, doch sie hätten schädliche Folgen auch noch in Hunderten, möglicherweise sogar Tausenden von Jahren, hieß es. UN-Generalsekretär António Guterres sprach von einem Notstand: "Der Planet Erde wird an seine Grenzen gebracht."

Der Bericht bestätigt, dass das vergangene Jahr das zweit- oder drittwärmste seit Beginn der Aufzeichnungen war. Die weltweite Durchschnittstemperatur lag demnach 1,43 Grad Celsius über dem Wert der vorindustriellen Zeit (Referenzzeitraum: 1850 bis 1900) – und damit knapp unter dem im Pariser Abkommen vereinbarten 1,5-Grad-Limit. Der Erwärmungstrend zeigt sich auch für die Jahre von 2015 bis 2025. Diese seien die elf wärmsten seit Beginn der Messungen gewesen, hieß es.

Menschengemachte Treibhausgase als Ursache

Die Organisation, die Studien aus aller Welt auswertet, nennt erstmals das Energieungleichgewicht, das Indikatoren wie Temperaturen, Eisschmelze, Treibhausgasemissionen und andere zusammenfasst. Bei einem stabilen Klima hielten sich die Energieaufnahme durch die Sonne und die Abgabe die Waage. Doch die menschengemachten Treibhausgase in der Atmosphäre seien auf ein Niveau gestiegen, das die Welt seit mindestens 800.000 Jahren nicht mehr erlebt hat. Dies behindere die Hitzeabgabe.

Mehr als 91 Prozent der überschüssigen Energie würden in Ozeanen gespeichert, hieß es. Die Erwärmungsrate der Meere habe sich zwischen den Perioden 1960 bis 2005 und 2005 bis 2025 mehr als verdoppelt. Fünf Prozent der überschüssigen Energie würden in Böden gespeichert, gut 3 Prozent gingen in die Eisschmelze. Nur 1 Prozent gehe in den Temperaturanstieg an der Erdoberfläche.

Die Gletscherschmelze setzte sich laut WMO im vergangenen Jahr in hohem Tempo fort. Die durchschnittliche Ausdehnung des arktischen Meereis sei im vergangenen Jahr auf dem niedrigsten oder zweitniedrigsten Stand seit der Satellitenaufzeichnung im Jahr 1979 gewesen. Jene des antarktischen Meereises auf dem drittniedrigsten Niveau nach 2023 und 2024.

Welche Folgen das hat und was wir tun können

Sie habe trotz allem Hoffnung, sagte WMO-Klimawissenschaftlerin Claire Ransom. Wenn alle dächten, man könne nichts mehr tun, würden die Emissionen weiterwachsen. "Wenn wir hingegen die Verzweiflung überwinden können (...), können wir das Ausmaß dieser drastischen Veränderungen begrenzen."

Wodurch, ist klar: eine Verringerung des Treibhausgas-Ausstoßes. Das heißt für den Einzelnen etwa: Erneuerbare Energien statt solche aus fossilen Brennstoffen nutzen, mehr Zug fahren statt fliegen, mehr Rad als Auto fahren, mehr lokale statt exotische Produkte kaufen.

Wissenschaftler warnen schon lange, dass der vom Menschen verursachte Klimawandel die Wahrscheinlichkeit, Dauer und Intensität extremer Wetterereignisse wie Starkregen erhöht. Die Folgen davon sind auch in Deutschland schon zu spüren. In hohem Maß betroffen von den Auswirkungen von Extremwetterereignissen sind Länder im globalen Süden.

Mit Informationen von epd und dpa

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