In Hamburg werden Container am Container Terminal Altenwerder (CTA) der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) gelagert und verladen.
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Ein spürbarer wirtschaftlicher Aufschwung in Deutschland lässt weiter auf sich warten.

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Wirtschaftsbericht: Regierung senkt erneut Konjunkturprognose

Im Herbst war die Bundesregierung für 2026 noch von einem Wirtschaftswachstum von 1,3 Prozent ausgegangen. Mittlerweile ist man in Berlin deutlich zurückhaltender. Am Nachmittag hat das Wirtschaftsministerium seine Konjunkturprognose erneut gesenkt.

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Die Konjunktur in Deutschland berappelt sich langsam wieder: Das ist wohl die gute Nachricht, die heute vom Jahreswirtschaftsbericht der Bundesregierung ausgeht. Wirtschaftsministerin Katharina Reiche (CDU) hat den Bericht am Nachmittag in Berlin vorgestellt. Doch auch diese hoffnungsvolle Botschaft kommt mit einem kleinen Dämpfer daher. Denn der Aufschwung gestaltet sich zäher als noch vor einigen Monaten gedacht.

Bundesregierung korrigiert Konjunkturprognose nach unten

Für das laufenden Jahr geht Reiche davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt um 1,0 Prozent zunimmt. Damit musste die Regierung ihre Konjunkturprognose zum wiederholten Male senken. Im September war man für 2026 noch von einem höheren Wachstum von 1,3 Prozent ausgegangen.

Ein Grund für die eingetrübten Erwartungen ist laut Regierung, dass die Erholung im zweiten Halbjahr 2025 schwächer ausfiel als erwartet. Der Start ins neue Jahr war damit schwieriger. Zudem wirken Milliarden-Ausgaben des Staates zur Modernisierung der Infrastruktur, für Klimaschutz sowie für eine Stärkung der Bundeswehr langsamer als erhofft. Bei der Umsetzung der staatlichen Investitionen sei mehr Tempo notwendig, sagte Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD).

Wachstum wird mit hohen Schulden erkauft

Der Jahreswirtschaftsbericht zeigt auch: Ohne die hohen Schulden des Staates würde die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr kaum wachsen. Zwei Drittel des erhofften BIP-Anstiegs dürften auf staatliche Impulse zurückgehen. Das sind vor allem Investitionen in die Sanierung der Infrastruktur und zur Aufrüstung der Bundeswehr. Auch der inländische Konsum stützt demnach die Wirtschaft, angetrieben durch zuletzt spürbare Lohnsteigerungen.

In dem Bericht enthalten sind auch Reformvorschläge, um das Ruder herumzureißen. Darin heißt es, der Staat müsse effizienter werden. Subventionen und Förderprogramme sollten stärker auf ihre Wirksamkeit überprüft werden. Auch die Finanzierungsbedingungen für junge und stark wachsende Unternehmen seien nicht ausreichend.

Bundesregierung: Wirtschaftsaufschwung ist oberstes Ziel

Laut Vizeregierungssprecher Steffen Meyer will sich die Bundesregierung unter anderem auf den Rückbau der "überbordenden Bürokratie" konzentrieren. "Die Vorhaben des Entlastungskabinetts, der Modernisierungsagenda und zur Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren werden nun Schritt für Schritt umgesetzt", sagte er. Es sei "völlig klar: Wir sind wirtschaftlich noch nicht da, wo wir hinwollen".

Oberstes Ziel der Bundesregierung sei es, die deutsche Wirtschaft wieder auf einen Wachstumskurs zu bringen. Dafür müsse der Reformkurs weitergehen. Die Wettbewerbsfähigkeit solle erhöht werden. Klingbeil sagte, es gehe um höhere Produktivität, Innovationskraft, Bildung und Forschung und um die schnellere Gewinnung von Fachkräften.

Verbände sprechen von "ernüchterndem Signal"

Die Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands der Deutschen Industrie, Tanja Gönner, zeigte sich angesichts der Zahlen enttäuscht: "Die erwartete wirtschaftliche Erholung ist gering und bleibt brüchig." DIHK-Hauptgeschäftsführerin Helena Melnikov fügte hinzu: "Deutschland wächst, aber viel zu langsam." Ein Mini-Plus der Wirtschaft 2026 sei ein ernüchterndes Signal und weit von dem entfernt, was der Standort leisten könnte. 

2025 schrammte Deutschland nur knapp am dritten Jahr ohne Wirtschaftswachstum vorbei, es gab ein Mini-Wachstum von 0,2 Prozent. Deutschland hinkt damit anderen großen Industrienationen hinterher. Auch die "Wirtschaftsweisen" rechnen für 2026 mit einem Wachstum von 0,9 Prozent. In der Krise stecken vor allem Industriebranchen. Reiche fordert deshalb Strukturreformen bei Steuern, den soziale Sicherungssystemen, auf dem Arbeitsmarkt sowie bei den Energiepreisen.

Anhaltend schwaches Exportgeschäft drückt die Wirtschaft

Probleme bereiten der deutschen Wirtschaft insbesondere auch die Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump. Im vergangenen Jahr waren die deutschen Exporte in die USA wegen höherer US-Zölle um fast zehn Prozent eingebrochen. Dazu kommt eine stärkere internationale Konkurrenz, vor allem aus China. "Die weltwirtschaftlichen Perspektiven bleiben ungeachtet der insgesamt robusten Entwicklung des globalen Wachstums und Handels schwierig", so die Bundesregierung.

Laut Regierung sollten die Belastungen im Außenhandel aber zurückgehen. Die Exporte dürften 2026 um 0,8 Prozent zulegen, nachdem sie 2025 noch um 0,3 Prozent zurückgegangen waren. Die Inflationsrate dürfte mit 2,1 Prozent in diesem Jahr ein Tick niedriger ausfallen. 2027 rechnet die Regierung Insidern zufolge dann mit einem Wachstum von 1,3 Prozent. Strategie der EU und der Bundesregierung sind unter anderem die neuen Handelsabkommen mit dem südamerikanischen Staatenbund Mercosur sowie Indien, damit sich die Wirtschaft breiter aufstellt.

Mit Informationen von dpa, AFP und Reuters

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