(Archivbild) Wladimir Putin bei einem Treffen mit Soldaten im Kreml
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(Archivbild) Propaganda-Parolen: Wladimir Putin bei einem Treffen mit Soldaten im Kreml

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"Ich weiß es": Verkennt Putin Russlands militärische Lage?

Vor Veteranen behauptete der russische Präsident, die ukrainischen Truppen befänden sich in einer "katastrophalen" Lage, während russische Militärblogger und US-Beobachter vom genauen Gegenteil überzeugt sind. Die "Realität" ist höchst umstritten.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Mastodon am .

Bei einem Treffen mit Veteranen im Kreml zeigte sich Wladimir Putin kürzlich überraschend zuversichtlich [externer Link]: "Die Lage der ukrainischen Streitkräfte spitzt sich zusehends zu, von einer schwierigen und kritischen zu einer katastrophalen." Als ob er selbst Zweifel an seiner Aussage hatte, ergänzte der russische Präsident: "Ich verstehe und kenne die tatsächliche Lage an der Front sehr gut; ich weiß es. Es gibt viele Probleme, sehr viele, und überall. Aber das widerlegt nicht, was ich gesagt habe, ganz und gar nicht."

Für diese Äußerung wurde Putin im eigenen Land herbe kritisiert. So schrieb der kremlkritische Politologe Andrei Kalitin [externer Link]: Nur jemand, der entweder "sehr schlecht informiert" sei oder "die Realität völlig verkenne", könne die militärische Lage so optimistisch einschätzen. Kommentator Ilja Remeslo, der wegen seiner bemerkenswert kritischen Posts einen Monat in einer psychiatrischen Einrichtung verbrachte, spottete [externer Link], die Lage an der Front sei weder kritisch, noch katastrophal, sie sei vielmehr "irreparabel".

"Lauwarm baden"

Publizist Dimitri Demuschkin zog das höchst ironische Fazit [externer Link]: "Wladimir Putin meint es absolut ernst. Das ist seine ehrliche Meinung, sein Verständnis der Lage, und er persönlich glaubt daran. Ich sehe keinen Sinn darin, im Detail zu erklären, was genau das bedeutet. Intelligente Menschen haben das nicht nötig. Die Antworten liegen auf der Hand."

Politologe Igor Dimitriew (128.000 Fans) schrieb ähnlich sarkastisch [externer Link]: "Es gibt da so eine Redewendung, 'lauwarm baden'. Das beschreibt den Zustand der Führungsetage eines Unternehmens oder Landes, die von einer komfortablen, gefilterten Blase umgeben ist, frei von unangenehmen Informationen. Genau das passiert natürlich, wenn man Feedback und Kritik grundsätzlich ablehnt." Das sei so ähnlich, als ob jemand jahrelang konsequent auf jegliche Nachrichten von außen verzichte: "Sie hätten ein völlig anderes Bild der Realität." Obendrein verfolge die Kreml-Elite jeweils eigene Interessen.

Ein weiterer russischer Beobachter verglich Putins Auftritt höhnisch mit einem berühmten Zitat aus einer sowjetischen Agentenserie: "Sie waren dem Scheitern noch nie so nah..."

"Fortschritte lächerlich"

Politologe Andrei Nikulin kam in einer Analyse zum Ergebnis [externer Link], Putin habe bei seiner ursprünglichen "Blitzkrieg"-Planung den "Faktor Mensch" übersehen: "Der verzweifelte Widerstand der Ukraine verhinderte den Fall Kiews und zeigte, dass eine Niederlage nicht unausweichlich war, dass also ein Kampf und ein Sieg möglich waren."

Bilder zerstörter Städte und Opfer hätten in den europäischen Bürgern jenen Humanismus und jenes Solidaritätsgefühl geweckt, die Moskau "so völlig vergessen und ignoriert" habe: "Der Widerstand der Ukraine und die Solidarität ihrer Bevölkerung zwangen auch europäische Politiker zur Radikalisierung."

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Infotafel

Propagandist Juri Barantschik nannte Russlands Fortschritte an der Front "lächerlich" [externer Link] und forderte seine Landsleute auf, Hoffnungen auf "Panzer-Durchbrüche" zu begraben. Die ukrainischen Drohnen seien ein Risiko: "Die Reichweite der Drohnenangriffe hat bereits tausend Kilometer überschritten. Kiew versucht damit, Russlands Vorsprung an der Front auszugleichen und das russische Hinterland zum Hauptschlachtfeld zu machen."

"Versorgungsdruck wird zunehmen"

Derweil machen sich die tonangebenden russischen Militärblogger Sorgen um die Sicherheit der Krim [externer Link]. Die Ukraine sei inzwischen in der Lage, die wichtigste Nachschubroute durch die von Russland eroberten Territorien zu beschießen, und die Brücke zur Krim sei aus Sicherheitsgründen für LKW-Transporte gesperrt: "Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Ukraine bereits über die Ressourcen verfügt, die Logistik auf der Krim und in den neuen [besetzten] Gebieten zu erschweren." Zukünftig wird dieser Versorgungsdruck weiter zunehmen und immer höhere Investitionen zur Problemlösung erfordern, was sich unweigerlich indirekt auch auf andere Bereiche auswirken wird.

Im Fachblatt "The Atlantic" kommentierte Strategie-Experte Phillips Payson O'Brien [externer Link] Putins militärische Aussichten so: "Die grundlegende Dynamik des Krieges scheint sich verschoben zu haben. Russland ist geschwächt. Selbst ohne amerikanische Hilfe scheint die Ukraine an Stärke zu gewinnen und wendet den Krieg zunehmend zu ihren Gunsten. Je schneller die russische Bevölkerung das begreift, desto schwieriger wird Putins Lage."

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