Alles begann in Herzogenaurach, wo er nicht nur bei seinem Heimatverein, dem 1. FC Herzogenaurach trainierte, sondern auch oft zu Hause - mit seiner Mutter als Torhüterin und zwei Pullovern als Pfosten. "Da kam es meistens zum Streit, weil er behauptet hat, es war ein Tor und Mutti hat gesagt: Nee, das war kein Tor. Also, wie Lothar im Grunde noch bis heute ist: einfach ehrgeizig und auf Fußball fixiert", erzählt sein langjähriger Freund Helmut Fischer in der Dokumentation "Mensch, Loddar! Weltfußballer und Rekordnationalspieler".
Entdeckt von Jupp Heynckes: "Mit Abstand der Beste"
Ehrgeiz und Durchsetzungsvermögen, diese Eigenschaften musste er sich antrainieren, wie er selbst 2006 erzählte: "Ich musste immer kämpfen. Ich war eigentlich immer der Kleinste, immer der Jüngste, sowohl in der Schule als auch auf dem Sportplatz. Natürlich musste man dann die Ellenbogen ab und zu ausfahren und so habe ich gelernt, mich durchzusetzen."
In Herzogenaurach machte er durch sein fußballerisches Talent auf sich aufmerksam. Entdeckt wurde er dort vom damaligen Gladbach-Trainer Jupp Heynckes, der ihn an einem Sonntag im Frühjahr 1979 zum ersten Mal spielen sah. "Je länger das Spiel dauerte, umso unruhiger wurde ich. Denn der gerade 18-jährige Lothar Matthäus schoss nicht nur zwei Tore, er war mit Abstand der Beste auf dem Platz. Immer wieder habe ich mich verstohlen umgeblickt: Das kann doch gar nicht sein, dass kein anderer Bundesliga-Klub diesen Jungen beobachtet. Ich war an diesem Sonntag tatsächlich der einzige. Selbstverständlich habe ich Nägel mit Köpfen gemacht."
Ein Franke und ein "Schlitzohr"
Ab da ging die Karriere nur noch bergauf. Nach fünf Jahren bei Borussia Mönchengladbach ging es für den Franken zum FC Bayern. Einer, der sich darüber besonders gefreut hat, ist Ministerpräsident Markus Söder, und zwar aus einem bestimmten Grund: "Ein Franke, der auch fränkisch spricht, sich zu seinen fränkischen Wurzeln bekennt - das war einfach etwas ganz Besonderes."
Mit dem FC Bayern gewann er unzählige Titel und mauserte sich auch zum Medien-Star. Heynckes weiß: "Er war auch ein Schlitzohr, er hat alle Facetten des Lebens gelebt und ich muss sagen, ich mochte den Lothar immer."
Presse, Skandale, Boulevard
Denn er wusste, was die Journalisten und die Presse wollten. "Er war quasi der Erste, der für die Yellow-Press alles geöffnet hat. Der Vorreiter des Boulevards", erzählt Wolfgang Ruiner, langjähriger Bayern-Reporter der "Bild", in der Dokumentation "Mensch, Loddar!".
Ein viel diskutiertes Buch, ein medienwirksamer Clinch mit Jürgen Klinsmann, ein Rauswurf aus der Nationalmannschaft: Lothar Matthäus stand auch im Zentrum mancher Skandale. In der Dokumentation "Mensch, Loddar! Weltfußballer und Rekordnationalspieler" blickt Filmautor Bernd Schmelzer auf das außergewöhnliche Leben und die Karriere von Lothar Matthäus und spricht mit vielen Wegbegleitern.
Die Dokumentation sehen Sie im BR-Fernsehen am Montag, 23.03. um 22 Uhr oder schon jetzt in der ARD Mediathek.

