Der letzte Nationalmannschaftslehrgang vor der Weltmeisterschaft ist Geschichte und das Turnier in den USA, Kanada und Mexiko rückt mit großen Schritten näher. Damit geht für Bundestrainer Julian Nagelsmann auch die Planung seines Kaders in die heiße Phase.
Sieben Mann im Bayern-Block
Sein Aufgebot für die Länderspiele gegen die Schweiz (4:3) und Ghana (2:1) war eine Mischung aus gesetzten Kräften und Spielern, die die Chance bekommen sollten, sich im DFB-Trikot zu präsentieren, bevor die Entscheidung um die WM-Tickets fällt.
Mit von der Partie war auch ein sieben Mann starker Block vom FC Bayern München - zumindest theoretisch. Denn der angeschlagene Aleksandar Pavlovic reiste gar nicht erst an und Torhüter Jonas Urbig fuhr mit Kniebeschwerden quasi direkt wieder heim.
Pavlovic, Tah und Kimmich für WM gesetzt
Für Pavlovic war das Verpassen der Testspiele ärgerlich, aber kein Drama. Das Mittelfeld-Metronom der Bayern hat seinen WM-Platz ebenso sicher wie Innenverteidiger Jonathan Tah und DFB-Kapitän Joshua Kimmich, der anders als im Verein auf der rechten Abwehrseite zum Einsatz kommen dürfte.
Auch wenn der 31-Jährige immer wieder betont, dass es ihm egal ist, auf welcher Position er spielt, ist es nicht die optimale Rolle für den 107-maligen Nationalspieler. Das zeigte das 0:1 durch die Schweiz, als Dan Ndoye nach einem Fehler von Nico Schlotterbeck auf der rechten Seite völlig frei stand, weil Kimmich ins Mittelfeld aufgerückt war.
Goretzka profitiert von Kimmichs Umfunktionierung
Kimmichs Umfunktionierung vom Sechser zum Schienenspieler hat für einen anderen Bayern-Star positive Folgen. So wird im Mittelfeld ein Platz frei, für den Nagelsmann allem Anschein nach Leon Goretzka favorisiert. Auch wenn der Routinier bei Bayern in den wichtigen Spielen oft nur noch von der Bank kommt, ließ der Bundestrainer Anfang März durchblicken, dass Goretzka einen festen Platz in seinen Planungen hat.
Auch Serge Gnabry muss sich keine Gedanken um seine zweite WM-Teilnahme machen. Der Flügelstürmer kam in den vergangenen zehn Länderspielen zum Einsatz und überzeugt in München in der laufenden Saison mit 20 Torbeteiligungen in 34 Partien. Gegen die Schweiz unterstrich er seine Qualitäten erneut und traf im Zusammenspiel mit Florian Wirtz zum 2:2.
Karl beeindruckt Nagelsmann
Auch der zweite bayerische Offensiv-Künstler im DFB-Kader betrieb Eigenwerbung. Lennart Karl kam in beiden Spielen von der Bank und brachte merklich frischen Wind in die Angriffsbemühungen der Nagelsmann-Elf.
Entsprechend beeindruckt zeigte sich der Bundestrainer. "Wenn er so demütig bleibt und weiter marschiert, dann hat er von allen jungen Spielern, die wir über die Zeit nominiert haben, mit den besten Eindruck gemacht, weil er eigentlich keine Anlauf-Phase gebraucht hat, bei beiden Einwechslungen", lobte der 38-Jährige.
Urbig konkurriert mit Augsburgs Dahmen
Kurzum: Wenn Karl im Saisonendspurt weiter auf demselben Niveau wie bisher abliefert, kann auch er seine Koffer für die USA packen. Weniger sicher ist dagegen der WM-Status von Urbig, Tom Bischof und Jamal Musiala.
Nachdem Marc-Andre ter Stegen wohl keine Option ist und Oliver Baumann und Alexander Nübel gesetzt scheinen, konkurriert der Keeper aktuell mit dem Augsburger Finn Dahmen um die Rolle als zweiter Stellvertreter. Dahmen kam auch prompt nach, als Urbig abreisen musste.
Großes WM-Fragezeichen bei Musiala
Urbigs Nachteil: Manuel Neuer ist fit, wodurch er bei Bayern wieder auf die Bank rutschen dürfte und sich nicht mehr auszeichnen kann. Urbigs Vorteil: Er hat bewiesen, dass er bei einem Ausfall direkt einspringen und seine Leistung abrufen kann. Keine unwesentliche Qualität für einen Ersatztorwart. Bleibt die Frage, ob Nagelsmann für die Rolle Spielpraxis bevorzugt.
Das Fragezeichen hinter Musiala hängt derweil mit dem eigenen Körper zusammen. Nach dem Comeback von seiner fürchterlichen Verletzung im vergangenen Sommer musste er zuletzt wegen Schmerzen im damals betroffenen Sprunggelenk pausieren. Nagelsmann betonte bereits, dass er Musiala nur dann mitnimmt, wenn dieser bei 100 Prozent ist.
Bischof mit schlechten WM-Karten
Bischof hat die wahrscheinlich schlechtesten Aussichten, zur WM zu fliegen. Seine Einsätze bei Bayern sind meist das Ergebnis von Ausfällen oder Rotation. Auch wenn er immer wieder überzeugen konnte, ist es kaum vorstellbar, dass erfahrenere Kräfte mit mehr Spielminuten für ihn daheim bleiben.

