Der Bayerische Ministerpräsident Markus Söder
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Mehr Geld, mehr Gold? Söder fordert mehr Förderung für Sportler

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Mehr Geld, mehr Gold? Söder fordert mehr Förderung für Sportler

Markus Söder hat die Olympischen Spiele in Norditalien besucht - und im Rahmen dessen über mangelnde Sportförderung in Deutschland, über mögliche Sommerspiele in München und den "Olympia-Effekt" gesprochen.

Über dieses Thema berichtet: BR24Sport am .

Menschen auf der ganzen Welt werden derzeit Zeugen von großen sportlichen Leistungen, von Gold-Kämpfen, von Medaillen-Dramen, von Erfolgen und bitteren Niederlagen. Vor allem die vierten Plätze, die Wettkämpfe ohne deutsche Beteiligung auf dem Podest und der Blick in den Medaillenspiegel, führen in Deutschland oft zur mittlerweile fast obligatorischen post-olympischen Diskussion über die Sportförderung.

Auch der bayerische Ministerpräsident nahm einen Olympia-Besuch in Norditalien zum Anlass, um darüber zu sprechen. "Die Sportler sind super, aber die Politik könnte mehr Ambitionen zeigen", so Markus Söder im exklusiven BR24Sport-Interview.

Sportförderung in der Kritik - wenige Medaillen

In Deutschland steht die Sportförderung seit einiger Zeit in der Kritik. Die Erfolge, die Team D bei den vergangenen Spielen feierte, waren überschaubar: Bei den Sommerspielen in Paris holte Deutschland den 10. Platz im Medaillenspiegel. 33 Medaillen bedeuteten die schlechteste Bilanz seit der Wiedervereinigung. Auch in Italien sieht die Zwischenbilanz gemischt aus: Die Kufen-Sportarten - Bob, Skeleton und Rodeln – retteten den Medaillenspiegel mal wieder. Der Blick auf die Ski-Sportarten hingegen ist da schon bescheidener. Dem Deutschen Skiverband (DSV) droht ein historisch schlechtes Abschneiden.

Der bisherige Tiefstwert seit der Wiedervereinigung lag bei acht Medaillen in den DSV-Disziplinen bei den Winterspielen 1992. In Cortina d’Ampezzo sind es bis zum 21. Februar gerade mal sechs – mit nur wenigen ausstehenden Wettkämpfen. "Ich finde, wir sollten uns beim Medaillenspiegel nicht mit 9, 10, 11 Medaillen zufriedengeben", so Söder. Er sieht auch die Politik in der Pflicht: "Wir werden nach Olympia noch einmal eine intensive Debatte darüber führen. Es soll neue Sportgesetze geben."

Söder erhofft sich von möglichen Spielen in Bayern Großes

Für Söder würden die Olympischen Spiele im eigenen Land eine Turbo-Boost geben. "Das würde Deutschland und Bayern einen Riesenschub geben", so Söder. Als Beispiel sieht er Italien, dass gerade sein eigenes Olympia-Märchen erlebt: Das Gastgeberland hat schon vor Ende der Spiele so viele Goldmedaillen gewonnen wie noch nie zuvor bei Winterspielen. Söder ist sicher: "Olympische Spiele in Deutschland werden uns dramatisch nach vorne katapultieren. Junge Leute, die dann das Ziel haben, dorthin zu gehen, Sportstätten, die gebaut werden, das Commitment, die ganze Struktur eines Landes richtet sich danach aus."

Auch Felix Neureuther argumentierte im BR24Sport-Podcast "Pizza & Pommes" ähnlich: "Es ist schon erstaunlich, was in einem Land passiert, auch medaillentechnisch, wenn du zu Hause Spiele hast. Es bewegt sich etwas in eine positive Richtung. Und ich glaube, dass wir in Deutschland eine positive Bewegung in eine richtige Richtung mal wieder sehr gut gebrauchen könnten. […]."

Erfolge für Gastgeberland: Nachhaltiger Effekt oder schnelles Verpuffen?

Die Gastgeber performen bei ihren eigenen Spielen oftmals etwas besser als bei den Spielen danach. Ein Blick in die historischen Medaillenspiegel lässt vermuten, dass dieser Gastgeber-Effekt wieder verpufft: 2006 holte Italien in Turin fünf Goldmedaillen und damit genauso viele wie 2002 und 2010 zusammen. Und auch Russland holte bei Sotschi 2014 zehnmal Gold und damit so viel wie 2010, 2018 und 2022 zusammen. Allerdings ist die Datenlage nicht ganz vergleichbar – unter anderem durch den russischen Dopingskandal während der Winterspiele in Sotschi.

Förderung auch durch Institutionen wie Polizei, Zoll und Bundeswehr

Egal, wo die Athleten Medaillen gewinnen, ob in der Heimat oder im Ausland: Deutsche Sportler bekommen für ihre Erfolge vergleichsweise kleine Prämien: 30.000 Euro für Gold, 20.000 für Silber, 10.000 für Bronze. In Italien sieht das schon anders aus: 180.000 für Gold, 90.000 für Silber, 60.000 für Bronze. Am meisten bekommen polnische Goldgewinner mit 300.000 Euro. Die Schweiz (54.000 Euro) und die USA (32.000 Euro) folgen mit größerem Abstand. Neureuther wünscht sich, dass auch hierzulande "diese einzige olympische Medaille eine Wertigkeit hat, dass die Athleten ausgesorgt haben."

Dabei fördert der Staat Sportler nicht nur durch Prämien. Viele Athleten etwa sind in staatlichen Institutionen wie der Bundeswehr, beim Zoll oder bei der Polizei - damit sie sich auf ihre sportliche Karriere konzentrieren können und die Möglichkeit haben, sich eine dauerhafte berufliche Perspektive aufzubauen.

Olympia schafft "Vorbilder und Nachahmung"

"Wir wollen uns auch deshalb für Olympia bewerben, um ein Signal zu setzen", sagt Söder. Signale, die vor allem beim Nachwuchs ankommen sollen. "Viele, die heute eine Medaille gewonnen haben, die haben das als Kinder mal gesehen, das schafft Vorbilder und das schafft Nachahmung."

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