Während der Olympischen Winterspiele 2026 führte Gela Allmann die Zuschauer der Sportschau als Expertin durch die Übertragungen im Skibergsteigen. Nun ist sie im BR24Sport-Podcast Pizza & Pommes mit Felix Neureuther und Philipp Nagel zu Gast und spricht über ihren schlimmen Unfall vor rund zwölf Jahren, der ihr Leben von einem Tag auf den anderen verändert hat.
Allmann stürzt 800 Höhenmeter
Allmann war im April 2014 während eines Foto-Shootings in Island bei einer Skitour abgestürzt und mehrere hundert Höhenmeter einen Berg hinuntergefallen. "Ich glaube, es war der zweite Tag. Wir sollten eine Woche bleiben, haben eine tolle Skitour gemacht, waren schon am Gipfel. Hatten die Fotos eigentlich schon alle abfotografiert und haben uns dann noch entschlossen, Bilder mit Ski am Rücken zu machen, was zum Skibergsteigen ja auch dazu gehört", erinnert sie sich.
Dann passiert das Unglück. "Ich bin mit einem falschen Schritt - es ist wirklich in meinem Fall ein Schritt gewesen, bei dem ich weggerutscht bin - abgerutscht. Und dann bin ich da abgerauscht den ganzen Berg, das waren 800 Höhenmeter", berichtet Allmann.
Allmann erlebt Fall bei vollem Bewusstsein
Die Tatsache, dass sie dabei nicht stirbt, kann sie bis heute kaum begreifen: "Also ich kann es mir bis heute nicht wirklich vorstellen, wie das alles funktioniert hat, dass ich das überlebt habe. Schwer verletzt überlebt, aber überlebt."
Ihren Fall erlebt sie bei vollem Bewusstsein. "Das weiß ich noch ganz klar, dass ich mir dachte: 'Okay, das war die rechte Schulter, kaputt. Okay, linkes Knie kaputt. Okay, rechtes Knie kaputt. Oh, Mist. Jetzt war es der Rücken.’ Und da habe ich mir nur gedacht: 'Mist. Helm habe ich keinen an, weil wir gerade Aufstiegsbilder gemacht haben. Da wird jetzt dann gleich mal der Kopf dran sein und dann ist es aus.' Also so klar konnte ich absolut denken die ganze Zeit", so Allmann.
Allmann überlebt trotz abgerissener Oberschenkel-Arterie
Die Verletzungen und die Schmerzen lassen aus dem Gedanken an den Tod irgendwann so etwas wie einen Wunsch werden: "Ich weiß noch, dass ich mir dachte: 'Keiner muss seinen eigenen Tod miterleben. Kann es jetzt mal ausgehen hier?'" Doch sie überlebt. Zum Glück, wie sie heute sagt.
Die Folgen des Sturzes sind allerdings gravierend. Die gebürtige Oberbayerin droht zu verbluten oder das Bein zu verlieren, weil die Hauptarterie im Oberschenkel abgerissen ist. Der Worst Case kann verhindert werden, doch das hat seinen Preis. "Es war halt immer Operation über Operation, jede Woche eine Operation über elf, zwölf Wochen. Langfristig war der Nerv kaputt und ich konnte mein rechtes Bein zwei Jahre eigentlich nicht ansteuern. Also nicht heben", erzählt Allmann.
Allmann: "Jeden Tag dankbar"
Der Weg zurück ist hart. "Zwei Jahre habe ich wirklich eigentlich nur Reha gemacht. Ich war ein halbes Jahr stationär in Kiel. Ich habe mir damals gedacht, es kann nicht sein. Ich bin jetzt dann 30 Jahre alt. Ich will nicht, dass ich nie wieder mein Bein ansteuern kann. Wenn ich das nicht schaffe mit dem Nerv, dann kann ich alles vergessen, weil dann wird das Knie auch nicht mehr", denkt sie zurück.
Doch Allmann schafft es. Überwindet den eigenen Körper. Für ihren Unfall ist sie mittlerweile fast schon dankbar. "Ich wünsche niemandem so eine Tortur und so einen Weg und so ein Trauma. Aber was es mit mir gemacht hat, dafür bin ich jeden Tag dankbar, weil es mich im Bewusstsein einfach mal schnell nach oben katapultiert hat. Ich habe mich mit dem Tod beschäftigt. Ich glaube, das machen wir sowieso alle viel zu selten. Sich mit Tod zu beschäftigen, ist wahnsinnig heilsam, weil es dich einfach glücklicher und zufriedener und wertschätzender macht", findet die zweifache Mutter.
Inzwischen steckt sich die ehemalige Skimo-Athletin andere Ziele. "Meine Ziele sind definitiv eine coole Zeit mit meinen Kids und meiner Familie haben, denen eine gute Mama zu sein und sie gut zu führen durch diese Phasen, die da alle immer wieder kommen werden. Ich möchte mich nie selbst verlieren", so Allmann.

