Laser-Labor der Ludwig-Maximilians-Universität München in Garching.
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Laser-Labor der Ludwig-Maximilians-Universität München in Garching. Die Hochschuldichte gilt als Erfolgsfaktor der bayerischen Startup-Szene.

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Bayerns Startup-Szene wächst rasant

Die Zahl junger Tech-Unternehmen in Bayern nimmt rasant zu. Das ist ein Fazit des ersten Startup-Monitors für den Freistaat. Ein Vorteil ist demnach die Nähe zu vielen guten Hochschulen. Es gibt aber Finanzprobleme.

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Aktuell existieren in Bayern rund 4.400 Startups. So viele junge Technologieunternehmen gebe es in keinem anderen Bundesland, sagte Alexander Hirschfeld vom Deutschen Startup-Verband bei der Präsentation der Studie (externer Link) in München. Manfred Gößl, Hauptgeschäftsführer der IHK für München und Oberbayern nannte als Grund unter anderem ein gut vernetztes Ökosystem, in dem Initiativen aus Forschung, Industrie und Politik sich gegenseitig verstärken. Dazu gehören nicht zuletzt die sogenannten Startup-Hubs, das sind Förderzentren etwa im Umfeld von Hochschulen. Hier schnitt Bayern bei einer Untersuchung der Financial Times zuletzt im europäischen Vergleich hervorragend ab.

Kernfusion aus Bayern

Ein Beispiel für die enge Verzahnung von Forschung und Startups ist Marvel Fusion, ein Unternehmen mit knapp 100 Mitarbeitern, das an der kommerziellen Nutzung der Kernfusion als Energiequelle arbeitet. Die Firma kooperiere sehr eng mit dem Laser-Labor der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) in Garching, so Heike Freund, Mitglied der Geschäftsführung und Vorständin im Startup-Verband.

Junge Firmen in ganz Bayern

Die meisten der bayerischen Startups finden sich in München und den umliegenden Landkreisen, auch wegen der Nähe zu den dortigen Hochschulen und sonstigen Forschungseinrichtungen. So sind dort mit der LMU, der TU München und der Universität der Bundeswehr gleich drei Spitzenuniversitäten vertreten. Allein in der Region München zählt der erste Startup-Monitor Bayern 2.445 entsprechende Unternehmen. Aber auch in der Fläche, von Schwaben bis in das nördliche Franken finden sich junge Technologie-Firmen. Im Raum Erlangen-Nürnberg zum Beispiel gibt es 319 von ihnen.

Zahl der Gründungen und Arbeitsplätze wächst

Und ihre Zahl hat zuletzt rasant zugenommen. Allein im vergangenen Jahr gab es im Freistaat 785 Neugründungen. Im Vergleich zum Vorjahreswert war das ein Plus von 46 Prozent. IHK-Geschäftsführer Manfred Gößl sagte, damit erweise sich die Startup-Szene als Stabilisator in einer insgesamt schwächelnden Konjunktur. Dazu komme die Bedeutung für den Arbeitsmarkt.

So schaffen die jungen Unternehmen schon heute rund 500 neue Jobs im Monat. Das könne zwar den aktuellen Abbau von Arbeitsplätzen in der Industrie nicht komplett auffangen, sei aber ein ermutigendes Zeichen. Deswegen müsse man Startups auch ernst nehmen, trotz der kulturellen Unterschiede zu klassischen Betrieben.

Finanzmangel bremst Wachstum

Allerdings klagt die Branche auch über Probleme. So sei es für Firmen nicht leicht, an Geld zu kommen, wenn sie aus der Gründungsphase entwachsen wollen und dafür finanzstarke Investoren benötigen. In der Wachstumsphase vom Startup zum sogenannten Scaleup gehe es schnell um dreistellige Millionenbeträge, und da werde die Luft in Deutschland oft dünn, so Heike Freund von Marvel Fusion.

Gerade in den USA gebe es dagegen viele Investoren, die entsprechende Mittel zur Verfügung stellen. Die Gefahr sei also vorhanden, dass ausgerechnet besonders erfolgversprechende Firmen abwandern oder scheitern. Überdies haben es junge Firmen hierzulande oft schwer, an öffentliche Aufträge zu kommen, so die IHK. Die Regularien schreiben nämlich für Unternehmen häufig ein Mindestalter von fünf oder mehr Jahren vor.

Startups bleiben oft Männersache

Ein weiteres Problem ist die niedrige Frauenquote. Nur 13,5 Prozent der untersuchten Firmen in Bayern wurden von einer Frau gegründet, das liegt deutlich unter dem bundesweiten Schnitt von 20 Prozent. Hier verschwende man viel Potenzial, kritisierten Heike Freund und IHK-Geschäftsführer Manfred Gößl. Die Verbände wollen deshalb junge Frauen bereits im Schulalter für Technologiethemen begeistern.

München führend bei Rüstungs-Startups

Besonders erfolgreich waren in den vergangenen Jahren Startups aus dem Rüstungsbereich. Laut der Studie ist der Großraum München im Verteidigungssektor mit Abstand die erfolgreichste Region Europas, wenn es um das Einwerben von Investorengeldern geht. Mit Helsing und Quantum Systems sitzen hier bereits zwei Firmen, die vom Kapitalmarkt mit mehreren Milliarden Euro bewertet werden. Es wird erwartet, dass weitere Firmen in den kommenden Jahren ebenfalls sehr hohe Bewertungen erreichen können und möglicherweise an die Börse gehen.

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