Es ist kein Ende des Iran-Kriegs abzusehen. Die Straße von Hormus ist immer noch für die meisten Schiffe gesperrt. Es werden zunehmend Produktions- und Förderstätten für Öl und Gas in der Kriegsregion zerstört. Das heißt, das Angebot an Öl, Gas und Benzin wird geringer, die Preise steigen. Und das schlägt auf die Inflationsrate durch. In ganz Deutschland ist sie im März von 1,9 Prozent auf 2,7 Prozent gestiegen, in Bayern von 1,9 auf 2,8 Prozent. Das ist deutlich, aber es ist voraussichtlich erst der Beginn.
"Zweitrundeneffekte" machen viele Produkte teurer
Nach und nach werden alle Produkte, die mit hohem Energieaufwand hergestellt werden, teurer. Lebensmittel, die gekühlt oder gebacken werden, brauchen Strom, genauso die Herstellung von Stahl, Aluminium oder Chemikalien. Laut ifo-Institut denken immer mehr Unternehmen bereits über Preiserhöhungen nach. Sie werden versuchen, die höheren Energie- und Transportkosten an die Kunden weiterzugeben. Dazu kommt, dass durch die Sperrung der Straße von Hormus auch weniger Dünger und andere Rohstoffe auf den Markt kommen. Auch hier wird also das Angebot knapper und die Preise steigen.
Wenn all diese Preissteigerungen bei den Kunden ankommen, entstehen die sogenannten Zweitrundeneffekte. Das heißt nichts anderes, als dass die Preise dann auf breiter Front steigen werden. Ähnlich wie das nach Beginn des Ukraine-Krieges war. Das beschränkt sich dann nicht auf Benzin, Gas oder Strom, sondern dann werden auch die Frühstückssemmeln teurer.
Schwierige Prognosen
Die meisten Forschungsinstitute und die EZB haben keine eindeutigen Inflationsprognosen abgegeben, da sich die politische Lage schnell ändern kann. Entscheidend ist, wie lange der Krieg dauern wird und ob die Produktion und Förderung danach ohne große Probleme wieder aufgenommen werden kann. Die EZB rechnet daher mit zwei Szenarien: Das optimistischere geht davon aus, dass der Krieg bis zum Sommer beendet ist und keine Produktionsanlagen zerstört werden. In dieser Prognose wird die Inflation nur kurz anspringen und sich im nächsten Jahr wieder bei rund zwei Prozent stabilisieren. Im pessimistischeren Szenarium dauert der Krieg länger und auch die Förderung von Öl und Gas wird nur schleppend anlaufen. Hier sieht die Prognose deutlich düsterer aus: Die Inflationsrate dürfte dann in diesem Jahr auf 4,4 Prozent steigen, im nächsten auf 4,8 Prozent und sich erst 2028 wieder stabilisieren.
Gratwanderung für die EZB
Die Bekämpfung der Inflation ist in erster Linie die Aufgabe der EZB. Steigen die Preise stärker als erwünscht, müsste sie die Zinsen anheben. Das hat sie bei der letzten Inflation 2022 auch getan, allerdings reichlich spät. Diesmal, so signalisiert es die Notenbank, wird sie früher reagieren. Sie steht allerdings vor zwei Problemen: Zum einen bremsen höhere Zinsen die Konjunktur, die vor allem in Deutschland sowieso eher mau ist. Zum anderen bringen höhere Zinsen die hochverschuldeten Staaten in Schwierigkeiten, da sie dann mehr Zinszahlungen in ihren Budgets einplanen müssen. Da die EZB aber in erster Linie für Preisstabilität zu sorgen hat, darf sie darauf eigentlich nicht achten.
Was kann der Staat tun?
Die Bundesregierung diskutiert einige Maßnahmen, um den Anstieg der Energiepreise abzufedern. In Frage kommt wieder eine Senkung der Energiesteuern und sollte die Inflation anhalten, auch eine Senkung der Mehrwertsteuer zum Beispiel auf Lebensmittel. Beides würde aber natürlich erhebliche Kosten verursachen, da der Staat deutlich weniger Steuern einnehmen würde.
Was können die Verbraucher tun?
Da wir es hier mit einem Angebotsschock zu tun haben und das Angebot vermutlich nicht schnell wieder steigen wird, bleibt den Verbrauchern nur, ihre Nachfrage einzuschränken. Also Strom sparen, weniger heizen und weniger Auto fahren, wenn sie einen Verbrenner haben. Am stärksten treffen die hohen Benzinpreise übrigens die Mittelschicht. Das zeigt das Inflationsbarometer der Hans-Böckler-Stiftung. Die einkommensschwachen Haushalte haben oft kein Auto und die Familien mit hohem Einkommen geben prozentual weniger für Benzin aus.
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