Der Rohöl-Markt ist komplex und eng vernetzt. Zwar gibt es Vorkommen auf allen Kontinente, die Preise aber werden durch Terminmärkte bestimmt, nicht durch das tatsächliche Angebot. Deshalb unterliegen sie Spekulationen wie zurzeit. Wir Verbraucher bekommen diese Abhängigkeit über die hohen Tankstellen- und Heizölpreise unmittelbar zu spüren.
Wo sind die größten Ölvorkommen der Welt?
Venezuela hat mit über 300 Milliarden Barrel die größten Ölvorkommen. Saudi-Arabien verfügt über rund 270 Milliarden, der Iran über rund 210 Milliarden. Obwohl Venezuela über diese gigantischen Reserven verfügt, schlummert das Öl noch im Boden.
Wegen des Zusammenbruchs der eigenen Industrie ist das südamerikanische Land nicht in der Lage, es zu fördern. Deshalb sind andere Länder die wichtigsten Ölproduzenten der Welt.
Wer sind diese größten Produzenten?
Tatsächlich wird in den USA das meiste Öl gefördert – dank der umstrittenen Fracking-Technologie. In den vergangenen Jahren haben sich die Vereinigten Staaten einen Marktanteil von 20 Prozent erobert und dabei die Produktion in Saudi-Arabien mit elf Prozent auf den zweiten Platz verdrängt. Den teilen sich die Saudis mit Russland.
Der größte Ölkonzern ist der saudische Staatskonzern Saudi Aramco. Dahinter rangieren ExxonMobil und Chevron aus den USA sowie Shell und BP aus Europa.
Wer sind die größten Verbraucher?
Die USA sind nicht nur die größten Produzenten, sondern auch die größten Verbraucher. Der Verbrauch der Autonation liegt bei 19 Millionen Barrel Öl – am Tag. China verbraucht 16 Millionen.
Mit Indien folgt die nächste kräftig wachsende Wirtschaftsnation mit 5,6 Millionen. Deutschland rangiert mit 2,1 Millionen auf Rang zehn. Die Zahlen stammen aus dem Jahr 2024 (externer Link).
Woher beziehen Deutschland und Bayern ihr Öl?
Deutschland bezieht 98 Prozent seines Rohöls aus dem Ausland. Die großen Pipelines kommen aus Norwegen und Kasachstan. Die Druschba-Pipeline aus Russland ist wegen des Ukrainekrieges seit 2023 stillgelegt.
Zwei Prozent ihres Bedarfs deckt die Bundesrepublik über heimische Förderanlagen in Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Bayern bezieht sein Öl laut dem Landesamt für Statistik vor allem aus Kasachstan und Libyen.
Welche Rolle spielen die USA?
Die USA spielen eine führende Rolle. Nicht nur als Produzenten und als Verbraucher, sondern auch in politischer Hinsicht. In der aktuellen Krise kam die Idee, die strategischen Ölreserven zu heben, aus den USA. Präsident Donald Trump freut sich, dass die US-Konzerne bei einem Barrelpreis von 100 Dollar "richtig gutes Geld" verdienen.
Andererseits sind die Preise an den Tankstellen für viele Amerikaner ein Indikator, ob sie einen guten oder schlechten Präsidenten haben. Sein Wahlversprechen, für günstige Energiepreise zu sorgen, kann Trump derzeit nicht einhalten.
Welche Rolle spielt die OPEC?
Die Organisation erdölexportierender Länder, OPEC, wurde in den Sechzigerjahren gegründet. Ihre Marktmacht spielte sie 1973 aus, als sie den westlichen Ländern den "Ölhahn" zudrehte. Eine Folge davon waren die "autofreien Sonntage": Um Benzin und Diesel zu sparen, mussten die Deutschen zum Jahresende ihre Autos an vier Sonntagen stehen lassen. Die OPEC hat sich damals einen legendären Ruf erworben.
Mittlerweile hat sie an Macht verloren, aber sie steuert noch immer die Preise am Ölmarkt: Mit ihren Mitgliedsländern beschließt sie die täglichen Fördermengen. Auch in der aktuellen Krise wollen die OPEC-Länder mehr fördern, um die Märkte zu beruhigen.
Wie wird der Ölpreis gebildet?
Die wichtigsten Ölsorten sind "Brent" und das leichtere amerikanische US-Öl "WTI". Beide werden an Terminbörsen in London und in New York gehandelt. An diesen Terminkontrakten, den sogenannten "Futures", orientieren sich weltweit die Ölhändler. Sie können sich schon heute Ölpreise für die kommenden drei, sechs oder neun Monate sichern. Das erleichtert die Jahresplanung von Airlines oder anderen großen Energieverbrauchern. Das ist die sinnvolle, praktische Seite des Terminmarktsystems.
In die Kritik gerät dieser Terminmarkt, weil Spekulanten mitmischen, die nur Interesse am maximalen Kursgewinn haben, aber nicht am Öl selbst. Wie man die "Zocker" zügeln kann, ist immer wieder ein Thema. Eine Lösung gibt es nicht.
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