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(Symbolbild) Vogelsterben durch Katzen: Wie ist die Situation in Deutschland?

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Tote Vögel durch Freigänger-Katzen: Wie groß ist das Problem?

Katzen sind als Haustiere beliebt. Aber wie sehr bedrohen sie die Vogelwelt? Darüber tauschen sich BR24-User aus. Fakt ist: Katzen jagen und töten Vögel. Gleichzeitig setzen andere Faktoren heimischen Arten deutlich stärker zu.

Über dieses Thema berichtet: BR24 am .

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Zwischen dem 1. März und dem 30. September dürfen Hecken und viele Gehölze nicht radikal zurückgeschnitten oder entfernt werden. Hintergrund ist die Brutzeit zahlreicher Vogelarten. In dichtem Buschwerk bauen sie ihre Nester, ziehen ihre Jungen groß und sind besonders störanfällig. Deshalb sollen auch Hunde eher an die Leine genommen werden, um Bodenbrüter nicht zu gefährden.

Als großes Problem für die brütenden Vögel werden von manchen aber auch jagende Katzen gesehen. "Wissen das auch die Hauskatzen? Wir haben eine große Hecke im Garten, immer wieder verliert sich da ein armer Vogel und baut ein Nest. Das wird dann immer von den Katzen der Nachbarschaft leergeräumt. Aber das ist ja Natur", kommentierte etwa "sry".

Es ist unbestritten, dass freilaufende Hauskatzen Wildtiere jagen. Dazu gehören auch Vögel. In den USA zeigte 2013 eine Studie (externer Link), dass dort zwischen 1,4 und 3,7 Milliarden Vögel jährlich von vor allem verwilderten Katzen getötet werden.

Vogelsterben durch Katzen: Wie ist die Situation in Deutschland?

Vogelexperte Lars Lachmann vom Naturschutzbund Deutschland (externer Link) schätzt, dass in Deutschland jährlich rund 25 bis 100 Millionen Vögel von Katzen getötet werden, also weniger als die häufig genannten 200 Millionen – eine Zahl, die Lachmann für zu hoch hält.

Er warnt vor vereinfachten Schlussfolgerungen: "Es ist jedoch müßig, die absoluten Zahlen zu diskutieren, denn man kann von einer Anzahl getöteter Tiere ohnehin nicht direkt auf eine Bestandsgefährdung einer oder mehrerer Arten schließen."

Bringt ein Verbot von Freigänger-Katzen etwas?

Auch ein Freigänger-Verbot in Deutschland wird unter Usern diskutiert: "Im Heckenschneidegesetz sollte auch ein Hauskatzen-Freigängerverbot eingebaut werden, um die Brutzeit nicht zur Beutezeit werden zu lassen", schrieb "Professionell_Zitronen_falten". Nutzer "RosaBuntschuh" schloss sich einer Hausarrest-Forderung an.

Rein rechtlich ist es durchaus möglich, sagt Umweltjurist Arie Trouwborst (externer Link). Er meint, dass das Freigänger-Verbot der Stadt Walldorf im Norden Baden-Württembergs (externer Link) Rechtsgeschichte schreiben könnte. Walldorf hatte in bestimmten Bereichen ab 2022 vorübergehend ein Freigänger-Verbot erlassen – zum Schutz von Haubenlerchen. Die Verfügung wurde Anfang vergangenen Jahres wieder aufgehoben.

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Katzen sind ein Faktor für Vogelsterben – aber nicht der wichtigste.

Katzen sind ein Faktor – aber nicht der wichtigste

Nach Einschätzung vieler Ornithologen und Naturschutzorganisationen haben Katzen durchaus einen Einfluss auf die Vogelwelt. In Deutschland gibt es um die 15 Millionen Hauskatzen. Lachmann sagt aber: "Die 'Stubentiger' sind für die Vogelwelt harmlos. Freigänger, die dennoch ein Zuhause haben, jagen nur zum Zeitvertreib. Das größte Problem für die Vögel stellen verwilderte Katzen dar. Sie sind gezwungen, ihren Nahrungsbedarf außer über menschliche Abfälle praktisch komplett durch die Jagd auf Kleintiere zu decken."

Die Anzahl verwilderter Katzen beziffert der Deutsche Tierschutzbund (externer Link) auf mehrere Millionen. Und die fressen nicht nur Vögel, sondern bis zu etwa 70 Prozent Säugetiere, so eine Erhebung (externer Link).

Rückgang der Vögel: Verlust des Lebensraums

Für den Rückgang vieler Vogelarten sehen Fachleute jedoch andere Ursachen als deutlich gravierender an – vor allem Lebensraumverlust, intensive Landwirtschaft und Pestizideinsatz.

"Man muss das Gesamtbild sehen: Nur im menschlichen Siedlungsbereich sind Katzen ein ernstzunehmender Faktor, der partiell zu einem Rückgang von Vogelpopulationen führen kann. Tatsächlich steigen die Vogelbestände dort aber eher an, während sie vor allem in der Agrarlandschaft, aber auch im Wald eher abnehmen. Diese Rückgänge den Katzen anlasten zu wollen, wäre daher viel zu einfach. Die größte Bedrohung für die Artenvielfalt ist und bleibt die fortschreitende Verschlechterung von Lebensräumen durch den Menschen", sagt Lachmann.

Aber auch durch die Kollision mit Glasscheiben sterben jährlich laut NABU (externer Link) etwa 100 Millionen Vögel.

Das kann man tun, um Vögel zu schützen

Wer Vögeln helfen will, kann mehr tun als nur Hecken stehenzulassen: naturnahe Gärten anlegen, auf Pestizide verzichten und Nistplätze schützen. Auch das hilft den Tieren durch die Brutzeit. Weitere Tipps:

  • Katzen während der Brutzeit häufiger im Haus lassen – das gilt von Mitte Mai bis Mitte Juli in den Morgenstunden, denn dann sind die meisten gerade flüggen Jungvögel unterwegs, so der NABU.
  • Verwilderte Katzen und Hauskatzen konsequent kastrieren beziehungsweise sterilisieren. Das begrenzt die Nachkommen und reduziert den Jagdinstinkt.
  • Nistplätze im Garten katzensicher anbringen – zum Beispiel durch katzenabweisende Manschettenringe oder andere Schutzmaßnahmen. Auch Straucharten wie Weißdorn und Wildrosen schützen durch ihre Dornen die Vogelbrut vor Katzen.
  • Spielen Sie viel mit Ihren Katzen. Auch das kann die Jagdambitionen verringern.
  • Weitere Tipps finden Sie auf der Seite des Naturschutzbundes Deutschland (externer Link).
  • 💬 Habt Ihr noch Tipps? Schreibt sie uns in die Kommentare. 💬 

Dieser Artikel ist erstmals am 15. März 2026 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel erneut publiziert.

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