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Die Zahl der Schwarzfahrer in ICEs ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Anfang Februar sorgte zudem der gewaltsame Tod eines Bahnmitarbeiters bei einer Ticketkontrolle für Diskussionen um die Sicherheit des Personals.
Es sind Themen, die in der BR24-Community immer wieder zu einem Vorschlag führen, wie hier exemplarisch von "Gurkensalat" kommentiert: "Grundsätzlich gehört es geregelt, dass Personen ohne Ticket überhaupt nicht ans Gleis oder in den Bahnhof gelangen. Dies lässt sich mit Schleusen, Schranken, Türen etc. regeln."
Nicht automatisch mehr Sicherheit
Eine Sprecherin der Deutschen Bahn stellt auf BR24-Anfrage klar, dass die Sicherheit der Fahrgäste an erster Stelle stehe. Dennoch: "Der Bahnverkehr ist in Deutschland ein offenes System." Sie verweist darauf, dass Bahnhöfe hierzulande auch historisch als offene Räume gesehen wurden, die Wege in die Stadt oder zu anderen Verkehrsarten optimal und mit wenigen Zugangshürden miteinander verbinden würden.
Der Fahrgastverband Pro Bahn stellt im Gespräch mit BR24 heraus, dass Bahnsteigsperren vor allem einen Vorteil hätten: "Wenn man wirklich von einer flächendeckenden Bahnsteigsperre ausgehen würde, kann man zu hundert Prozent bei der Ticketkontrolle schon mal sicher sein", sagt Mario Kragulji, Vorstandsvorsitzender des Landesverbands Bayern.
Trotzdem: "Aus Sicht des Fahrgastverbandes und aus Sicht der Fahrgäste können wir das nicht zu einhundert Prozent mittragen, dass Bahnsteigsperren automatisch zu einer erhöhten Sicherheit führen." Das sehe man alleine bei einem Blick in Länder, die auf Bahnsteigsperren setzen. Dort käme es trotzdem zu Sicherheitsproblemen.
Fehlende Flächendeckung als Problem
Zwar würden die genannten Länder teils auf Bahnsteigsperren setzen, wirklich flächendeckend umgesetzt habe es aber keiner. Außerdem könne ein Ticket teils günstig gekauft werden und würde nicht grundsätzlich davon abhalten, Straftaten auf Bahnsteigen zu begehen. Auch die Deutsche Bahn verweist auf Probleme in Ländern, die Bahnsteigsperren nutzen.
Stefan Bisanz ist Mitgründer einer Sicherheitsberatung und Vorsitzender des Arbeitskreises Wirtschaft und Sicherheit der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Köln. Er spricht sich für Bahnsteigsperren aus, auch wenn keine Flächendeckung erreicht werden kann: "Wir versuchen immer, in einhundertprozentigen Lösungen zu denken. Wenn sie dann nur zu neunundneunzig Prozent klappt, dann lassen wir sie weg. Auch das ist ein grundsätzlicher Fehler." Für ihn sind Bahnsteigsperren ein wichtiges Puzzleteil in einem Sicherheitskonzept.
Die wirtschaftliche Umsetzung solcher Umbauten wird ebenfalls in der Community diskutiert. So schrieb "Joerg_R": "Das ist baulich an vielen Stellen so nicht umsetzbar bzw. würde Milliarden im zweistelligen Bereich mindestens verschlingen".
"Pfalzbayer" nennt als Gegenargument: "Würde sich durch Einsparungen bei Personalkosten schnell amortisieren."
Dem steht Pro Bahn skeptisch gegenüber, auch in Ländern mit Bahnsteigsperren könne man nicht gänzlich auf Ticketkontrollen verzichten, eben aufgrund der fehlenden Flächendeckung. An kleineren Bahnhöfen stehe oft nur eine Säule zum Selbstscannen und der Bahnsteig sei nicht abgesperrt. Ein Verzicht auf jegliche Personenkontrolle sei also nicht möglich.
Hohe Umbaukosten bei drängenderen Problemen
Kragulji geht für einen deutschlandweiten Umbau von Kosten im zweistelligen Milliardenbereich aus. Die Deutsche Bahn wollte BR24 gegenüber keine Angaben über die konkreten Kosten machen. Um eine greifbarere Vorstellung zu bekommen, lohnt sich ein Blick nach Berlin: Dort hat der CDU-Fraktionschef Dirk Stettner 2025 mögliche Kosten für einen Umbau aller 170 U-Bahn-Stationen auf rund 400 Millionen über zehn Jahre beziffert [externer Link]. Der Vorschlag, der auf Protest aus den anderen Fraktionen stieß, sah steigende Fahrpreise zur Finanzierung vor. Auch die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) wiesen darauf hin, dass ein geschlossenes System wie in London oder Paris mit Sperren an den Zugängen in Berlin schon allein aus baulichen Gründen kaum möglich sei.
Pro Bahn hat die generelle Sorge, dass die Infrastruktur und die Mitarbeiterstruktur des deutschen Bahnverkehrs an vielen Stellen mit großen Problemen konfrontiert sind – und weitere Ausgaben für Sicherheit immer auch weitere Einsparungen an Stellen nach sich ziehen würden, die zu priorisieren wären.
Sicherheitsberater Bisanz findet, auch hohe Kosten wären gerechtfertigt: "Argumente wie Kosten oder bauliche Sachen können da eigentlich nicht zählen, weil Sicherheit gegen Kosten aufzurechnen, ist immer unglücklich. Weil das ja das höchste Gut des Menschen wäre, welches man dann auf Rechnung stellt. Und das kann so nicht sein."
Sowohl die Deutsche Bahn als auch Pro Bahn sehen außerdem weitere Probleme durch sogenannte Bahnsteigsperren: Fluchtwege müssten anders gestaltet sein und auch im generellen Betrieb gäbe es weitere Verzögerungen.
Dieser Artikel ist erstmals am 22. März 2026 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel erneut publiziert.
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