Am Samstagabend hat die Polizei bei einer groß angelegten Drogen-Razzia drei Objekte in Augsburg durchsucht, darunter Wohn- und Geschäftsräume sowie den "City Club" in der Innenstadt. Hierbei hätten die Beamten Beweismittel wie Kokain, Amphetamin und weitere synthetische Betäubungsmittel im unteren dreistelligen Grammbereich, Bargeld sowie Datenträger sichergestellt, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft gemeinsam mit.
Polizei nimmt vorläufig mehrere Menschen fest
Die Einsatzkräfte nahmen 17 Personen vorläufig fest, 16 von ihnen wurden wieder entlassen. Gegen eine Person bestand ein Haftbefehl aus einem anderen Verfahren, der vollzogen wurde. Aufgrund der laufenden Ermittlungen seien derzeit keine weiteren Auskünfte möglich.
Nur so viel: Die Durchsuchungsaktion sei "langfristig geplant" gewesen. Seit Ende 2024 werde umfangreich wegen des Verdachtes des unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln ermittelt. Hierbei habe sich der Tatverdacht erhärtet, dass in einem Club mit Betäubungsmitteln Handel getrieben und diese dort offen konsumiert werden.
Clubbetreiber: Vorgehen "unverhältnismäßig"
Die Betreiber des "City Club" kritisierten dagegen die Durchsuchungsaktion "aufs Schärfste". Die Vorgehensweise der 200 überwiegend maskierten Polizisten sei "übertrieben" und "unverhältnismäßig" gewesen. Viele Gäste hätte die Aktion verstört, sagte eine Sprecherin des Clubs. So berichteten Besucher von schmerzhaften körperlichen Zwangsmaßnahmen und entwürdigenden Situationen.
Gäste müssen sich ausziehen – ohne Rechtsbelehrung?
Sämtliche im Haus anwesenden Personen wurden demnach einzeln kontrolliert und mussten sich bis auf die Unterwäsche ausziehen. Auch BR-Reporter Tilman Antonie Wiesbeck, der an diesem Abend zufällig privat in dem Club war, musste die Hose runterlassen. "Der Beamte hat mir nach Vorwarnung zweimal in den Schritt gefasst", berichtet Antonie Wiesbeck. Für die Durchsuchung wurde ihm aber kein Grund genannt, er sei auch nicht belehrt worden, "obwohl wir öfter nachgefragt haben". Auch eine andere Clubbesucherin sagte dem BR, sie habe einen Rechtsbelehrungszettel erst hinterher erhalten.
Polizei soll Besucherin in Intimbereich geleuchtet haben
Die Beamten seien "sehr ruppig" vorgegangen. Wer nicht "sofort spurte", bekam Handschellen angelegt, berichtete die Besucherin: "Ich hatte Angst". Sie selbst habe den Pulli hochziehen und ihre Tasche ausleeren müssen, dann habe sie nach eineinhalb Stunden gehen dürfen. Ihrer Freundin dagegen sei mit einer Taschenlampe in Anus und Vagina geleuchtet worden. Laut "City Club" mussten sich Besucher während der Razzia über längere Zeit im Freien aufhalten, ohne dass beispielsweise Rettungsdecken gegen die Kälte bereitgestellt wurden.
Polizei soll Türen aufgebrochen haben
Der Geschäftsführer der blausky GmbH, welcher der Club gehört, erhielt erst am Ende des mehrstündigen Einsatzes einen Durchsuchungsbeschluss von der Staatsanwaltschaft, heißt es in einer Mitteilung der Clubbetreiber. Obwohl er am Abend in der Bar anwesend war und den Beamten angeboten hätte, die Türen im Haus zu öffnen, seien diese von der Polizei gewaltsam aufgebrochen worden, teils mit Rammböcken. Mehrere Räume seien bei der Aktion verwüstet worden. Selbst Privaträume, die mit dem Club nichts zu tun hätten, seien durchsucht worden. Der Geschäftsführer sei zur Wache mitgenommen worden, Drogen hätte man bei ihm nicht gefunden.
Zu den Vorwürfen der Club-Betreiber sowie den Augenzeugenberichten wollten sich Polizei und Staatsanwaltschaft auf BR-Nachfrage nicht äußern und verwiesen auf die laufenden Ermittlungen.
Politiker fordern Aufklärung
Die SPD-Landtagsabgeordnete Anna Rasehorn kündigte an, den Einsatz parlamentarisch aufarbeiten zu lassen, unter anderem zu rechtlicher Grundlage, Ablauf und Kosten. Die Augsburger Grünen-Landtagsabgeordneten Stephanie Schuhknecht und Cemal Bozoğlu haben bereits eine parlamentarische Anfrage gestellt. Darin fordern sie eine Aufklärung zur Begründung für den Einsatz, zum Umgang mit Gästen und zur Verhältnismäßigkeit. Man müsse sich fragen, welche Auswirkungen der Einsatz auf das kulturelle Leben in Augsburg habe. Der "City Club" sei ein wichtiger Kulturort der Stadt und stehe für Musik, Begegnung und Vielfalt.
Der "City Club" betreibt ein Café im Erdgeschoss und einen Saal im ersten Stock. Dort finden Raves, Konzerte, Lesungen und Theateraufführungen statt. Der Club sieht sich als Kulturtreff unter anderem für die queere Szene.
Im Video: Razzia in Augsburger Club
Eine Razzia am Samstagabend in einem Augsburger Club sorgt für Unmut. Tilmann Antonie Wiesbeck war vor Ort.
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