In einer Urabstimmung haben die Beschäftigten des Autozulieferers Mahle im niederbayerischen Neustadt an der Donau für einen unbefristeten Streik gestimmt. 98,4 Prozent der stimmberechtigten IG-Metall-Mitglieder votierten dafür, wie ein Gewerkschaftssprecher am Abend mitteilte. Es habe keine Nein-Stimme gegeben.
"Letztes Druckmittel der Mitarbeiter"
Der Streik soll am Dienstag (26. Mai) um 14.15 Uhr mit einer Kundgebung beginnen. Mahle wollte dies auf Anfrage nicht kommentieren. Der Streik ist eine Reaktion auf die angekündigte Schließung des Standorts in Neustadt an der Donau im ersten Halbjahr 2027. Dort arbeiten den Angaben nach mehr als 400 Beschäftigte. Für diese fordert die Gewerkschaft einen Zukunftstarifvertrag oder einen Sozialtarifvertrag.
Gewerkschaft will Schließung nicht kampflos hinnehmen
Die Schließung will die IG Metall nicht akzeptieren, sondern für die Arbeitsplätze kämpfen. "Dafür werden wir den Betrieb ab Dienstag dauerhaft zum Stillstand bringen", sagte Rico Irmischer, Bevollmächtigter der IG Metall Regensburg. Er sprach nach der Urabstimmung von einem grandiosen Ergebnis, das den Zusammenhalt und die Entschlossenheit der Beschäftigten unterstreiche und für starken Rückenwind im Arbeitskampf sorge. Da ja noch Aufträge bis zur geplanten Schließung abzuarbeiten seien, sei der Streik jetzt das letzte Druckmittel.
Unternehmen: Wirtschaftlicher Weiterbetrieb unmöglich
In dem seit 1987 bestehenden Werk werden Firmenangaben zufolge hauptsächlich Klimaanlagen für Premium-Pkw produziert. Das Stuttgarter Unternehmen verteidigt die angekündigte Werksschließung mit auslaufenden Kundenaufträgen, der schlechten Autokonjunktur und gestiegenem Kostendruck durch asiatische Wettbewerber in Europa. «Das macht einen wirtschaftlichen Weiterbetrieb unmöglich», hieß es jüngst in einer Mitteilung.
IG Metall: Arbeitgeber zeigte kein Interesse an Lösungen
Die IG Metall hingegen wirft dem Unternehmen vor, einen profitablen Standort schließen und in die Slowakei verlagern zu wollen.
Trotz detaillierter Konzepte der IG Metall, wie Neustadt wirtschaftlich sinnvoll und wettbewerbsfähig aufgestellt werden könne – auch im Vergleich zu Senica in der Slowakei – sei jedes Interesse seitens der Arbeitgeber ausgeblieben, es seien auch keine eigenen Lösungsvorschläge gemacht worden. Ein externes Gutachten habe gezeigt: Das Werk sei profitabel und wirtschaftlich stärker als vergleichbare Mahle-Standorte in Osteuropa, so die IG Metall.
Der Gewerkschaft zufolge besuchte am Nachmittag auch der bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) den Neustädter Standort für einen Austausch mit Geschäftsführung, Betriebsrat und IG Metall.
mit dpa-Material
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