Vor dem Landgericht Regensburg hat am Dienstag die Verhandlung um den mutmaßlichen Axt-Angriff in einem ICE auf der Strecke in der Nähe von Straubing begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft einem damals 20-Jährigen vor, am 3. Juli 2025 mehrere Fahrgäste in Tötungsabsicht schwer verletzt zu haben.
Mutmaßlicher Axt-Angreifer soll schuldunfähig sein
In einem Gutachten wurde bereits vor der Verhandlung festgestellt, dass der damals 20-jährige Syrer unter einer psychischen Erkrankung leidet. Die Tat soll er daher in einem Zustand der Schuldunfähigkeit begangen haben. Der Beschuldigte ist seit dem 9. Juli des vergangenen Jahres in einer psychiatrischen Klinik für Straftäter in Regensburg untergebracht. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft ist er weiter gefährlich für die Allgemeinheit.
Der Beschuldigte wollte sich selbst nicht zur Tat äußern. Zum Ende des ersten Verhandlungstags bat er aber doch bei einem der Opfer um Entschuldigung. Er verfolgte die Verlesung der Antragsschrift durch den Staatsanwalt weitestgehend mit gesenktem Blick und starrer Miene.
Zeugin berichtet vom Axtangriff
Als erste Zeugin wurde die Mutter einer angegriffenen syrischen Familie vernommen. Der 52-Jährigen fiel die Situation im Gericht sichtlich schwer. Vor der Vernehmung kamen ihr die Tränen. Sie setzte sich mit dem Rücken zum Beschuldigten. Ihre Ausführungen deckten sich weitestgehend mit denen der Staatsanwaltschaft.
Sie schilderte, dass der Mann zunächst ihren Sohn auf Arabisch angesprochen habe. Dabei habe er feindselig gewirkt. Der Frau fiel auf, dass der Beschuldigte auf eine nicht normale Art gesprochen habe. Sie vermutete eine Krankheit oder Alkohol- oder Drogenkonsum. Ihrem 25-jährigen Sohn seien "feurige Augen" aufgefallen. Dann habe der Beschuldigte Axt und Hammer aus seinem Gepäck geholt.
Aus Angst, der 20-Jährige könnte jemandem etwas antun, habe die 52-Jährige einen anderen Fahrgast gebeten, den Notruf zu wählen, was dieser auch tat. Laut den Ermittlern sei der Mann das erste Opfer des mutmaßlichen Angreifers gewesen. Ihm habe der Beschuldigte unvermittelt mit der Axt auf den Kopf und ihn damit bewusstlos geschlagen. Der Mann erlitt eine Schädelfraktur.
Mutter wollte ihre Kinder beschützen
Die Zeugin erzählte, sie habe sich in den Weg gestellt, um ihre drei mitreisenden Kinder zu schützen. Der Beschuldigte soll ihr mit der Axt eine offene Schädelfraktur zugefügt haben. Sie sei benommen gewesen.
Als die Richterin fragte, ob sie sich in Richtung des Beschuldigten umdrehen könne, um den Mann zu identifizieren, war der Zeugin ihr Unwohlsein deutlich anzumerken. Die Vorsitzende lenkte ein und fragte, ob sie den Mann bei Ankunft im Gerichtssaal erkannt habe, was sie bejahte.
Geschädigte berichten von Albträumen und Angstzuständen
Die Frau leidet nach eigener Aussage bis heute unter Angstzuständen, Schwindel und Schmerzen an der linken Kopfseite. Bei Bedarf nehme sie ein Beruhigungsmittel, das ihr Psychologe ihr verschrieben habe. Auch der 25-jährige Sohn der Frau sprach im Zeugenstand von Angstzuständen und Albträumen. Er berichtete davon, dass der Beschuldigte ihn im Kampf mit einem ebenfalls mitgeführten Hammer unter anderem mit voller Wucht an die rechte Schulter geschlagen habe.
Er hätte es dann geschafft, dem Angreifer den Hammer abzunehmen und ihm wiederum gegen den Kopf zu schlagen. Kein anderer Passagier hätte zu dem Zeitpunkt geholfen. Im Kampf hätte der Angreifer "Allahu Akbar", übersetzt "Gott ist größer", gerufen. Trotz einer Schädelfraktur habe er noch versucht, sein mutmaßliches Opfer, den 25-jährigen Syrer, zu würgen, so die Staatsanwaltschaft.
Laut den Ermittlern griffen zu diesem Zeitpunkt weitere Passagiere ein und halfen, den mutmaßlichen Angreifer bis zum Eintreffen der Polizei zu fixieren.
Urteil könnte im Juli fallen
Insgesamt sind für das Sicherungsverfahren sechs Verhandlungstage anberaumt. Ein Urteil, ob der Beschuldigte in einer forensischen Psychiatrie bleiben muss, könnte im Juli fallen.
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