Evelyn Palla, Vorstandsvorsitzende der DB InfraGO AG, kommt zu einer Pressekonferenz im Anschluss an eine Sondersitzung des Ausschusses für Wohnen, Bau und Verkehr zu den Herausforderungen und Perspektiven der Zukunft des Bahnverkehrs in Bayern.
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Evelyn Palla, Vorstandsvorsitzende der DB InfraGO AG, kommt zu einer Pressekonferenz im bayerischen Landtag. Zukunft des Bahnverkehrs in Bayern.

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Bahnchefin Palla: Zehn Jahre für Erneuerung der Bahn in Bayern

Das deutsche Netz sei zu marode, zu alt und zu voll. Das sagte die neue Chefin der Deutschen Bahn, Evelyn Palla, im Bayerischen Landtag. In Bayern sei es besonders schlimm, deshalb dauere die Erneuerung mindestens zehn Jahre und koste Milliarden.

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Auch der Bayerische Landtag ist eine Baustelle, aber im Gegensatz zu denen der Bahn "voll finanziert". Mit der Bemerkung hatte der Vorsitzende des Verkehrsausschusses im Bayerischen Landtag die Lacher auf seiner Seite.

Bahnerneuerung in Bayern – ein Marathon

Das deutsche Netz ist laut Palla zu marode, zu alt und zu voll. Gemeinsames Ziel sei, dass "alle gemeinsam eine zuverlässige Bahn bekommen, auf die Bayern, Deutschland und Europa stolz sein können", sagte Palla. Die Bahn müsse raus aus dem Krisenmodus mit drei Säulen: einer Neuaufstellung des Bahnkonzerns, einem Sofortprogramm und der langfristigen Sanierung der bayerischen Infrastruktur. Weil die über Jahre vernachlässigt worden sei, werde die Erneuerung "mindestens noch zehn Jahre benötigen". Im Rahmen ihrer Dezentralisierungsstrategie soll mehr Verantwortung in die Regionen. So soll für Bayern ein Regionalverantwortlicher für Infrastruktur und Vertrieb zuständig sein, eine Art Bahnkommissar für den Freistaat, der durchgreifen soll.

Vier Milliarden Euro pro Jahr möglichst stetig

Statt zwei Milliarden Euro kann die Bahn dieses Jahr vier Milliarden Euro für ihre vielen Baustellen allein in Bayern ausgeben. Dafür brauche es eine verstetigte Finanzierung aus dem Sondervermögen des Bundes, darin waren sich die Bahnchefin und der bayerische Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) einig.

100 Langsamfahrstrecken in Bayern

Für die derzeitigen Rekordverspätungen sind laut Martin Behringer (Freie Wähler), stellvertretender Vorsitzender des Verkehrsausschusses, zu 40 Prozent die marode Infrastruktur die Ursache. Von den vielen Baustellen seien nur etwa ein Drittel geplant, mehr als zwei Drittel würden eingeschoben wegen Mängeln, die behoben werden müssten. Deshalb brauche es eine Kehrtwende. Bayern hat derzeit laut Bernreiter 100 Langsamfahrstrecken, mehr als jedes andere Bundesland. Auf jeder vierten Strecke gelte ein Notfallfahrplan. Der Bund müsse deshalb die Finanzmittel erhöhen. Bayern habe, obwohl Investitionen in die Infrastruktur Bundesaufgabe seien, 300 Millionen Euro ausgeben für Projekte in Bayern.

Bayern gegen Zugstreichungen

Zu den Plänen für einen zuverlässigeren Bahnbetrieb gehört für Palla auch, Züge zu streichen. Vor allem an Knoten könne das zu einem stabileren Betrieb führen und zu mehr Pünktlichkeit ist die Hoffnung der Bahnverantwortlichen. Bis zur Präsentation einer Task Force in Berlin in der nächsten Woche ist darüber noch nichts konkret bekannt. Bayerns Politiker sind strikt dagegen. Bernreiter sagte BR24, das Bahnnetz in der Fläche dürfe nicht ausgedünnt werden. Er äußerte die Befürchtung, dass ausländische Privatbahnen die Trassen beanspruchen könnten, wenn die Deutsche Bahn Züge streiche.

Markus Striedl, der Verkehrsexperte der AfD im Verkehrsausschuss, sagte BR24, er erwarte sich von Bahnchefin Palla eine Fokussierung auf wichtige Themen. Dass die Bahn vom Diesel weg wolle, sei gut, aber man müsse es sich auch leisten können, "ein Elektrozug ist schön, macht aber keine Minute Verspätung weg."

Markus Büchler, Verkehrsexperte der Grünen im Landtag, nannte die Ideen "einen Irrweg". Prinzipiell schade ein Wettbewerb der Bahn überhaupt nicht, aber in der momentanen desaströsen Situation, "die wir im Eisenbahnverkehr haben, müssen wir erst einmal schauen, dass wir sanieren und konsolidieren und vor allem, dass wir den Verkehr, den wir haben und der wahnsinnig gut angenommen wird, auch dank Deutschland-Ticket, dass wir den halten können und dass wir den verbessern und zuverlässiger machen können". Wenn ausländische Fernbahnanbieter die Trassen übernehmen würden, dann würden die Pendler in Bayern mit dem "Ofenrohr ins Gebirge schauen".

Generalsanierungen seien "alternativlos" – mit einer Ausnahme

Die Generalsanierungen in Bayern mit monatelangen Vollsperrungen wie auf dem Korridor zwischen Nürnberg, Regensburg und Passau etwa in diesem Jahr seien alternativlos, sagte Bernreiter. Gerade zwischen Nürnberg und Regensburg verliefen die Baumaßnahmen im Zeitplan. Allerdings gibt es eine Ausnahme: Weil es keine geeigneten Ausweichstrecken gibt, soll der Ausbau München-Rosenheim-Salzburg etappenweise durchgeführt werden, damit die Strecke wenigstens eingleisig befahrbar bleibt. Hier hatten Güterbahnen und private Bahnbetreiber Alarm geschlagen. Die Sanierung soll im nächsten Jahr beginnen mit dem geänderten Konzept.

Gewerkschaft GDL fordert stabileres System

Gegen Angebotskürzungen wenden sich auch die Gewerkschaften. Die GDL Bayern sehe die entscheidende Herausforderung "nicht allein in zusätzlichen Finanzmitteln", sondern vor allem in einer stabileren Organisation des Systems, einer realistischen Bauplanung und einer klaren Priorisierung der Infrastruktur. "Stabilität entsteht nicht dadurch, dass weniger Züge fahren – Stabilität entsteht durch eine funktionierende Infrastruktur", sagte der bayerische GDL-Chef Uwe Böhm dem BR.

Forderungen und Versprechungen

Eine frühere und bessere Information bei Baustellen fordern die Bahnen und Fahrgastvertreter. Hier verspricht die Bahn bis Sommer Echtzeitinformationen über Zugabfahrten an den Bahnsteigen und in Apps. Palla setzt auch auf Verbesserungen für die Fahrgäste im Fernverkehr, dazu gehörten funktionierende Toiletten, Verbesserungen im Bordbistro und Reinigung während der Fahrt im ICE.

Im Vjdeo: Bayerischer Landtag - Verkehrsausschuss mit DB-Chefin Palla

DB-Konzernchefin Evelyn Palla
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DB-Konzernchefin Evelyn Palla