Besonders auf den Straßen ist es zu spüren: Die Gewerkschaft Verdi hat mit einem Warnstreik den kommunalen Nahverkehr in vielen bayerischen Städten weitgehend lahmgelegt. Schwerpunkte sind neben München, Nürnberg, Augsburg und Regensburg mehrere mittelgroße Städte, dazu zählen Bamberg, Passau, Landshut und Schweinfurt. Einschränkungen gibt es auch in Bayreuth, Schwabach und in Ingolstadt. Der 24-stündige Warnstreik begann am frühen Morgen um 3.30 Uhr, er soll dementsprechend am frühen Dienstagmorgen enden.
- Zum Artikel: Tarifrunde Nahverkehr: Wer, was, wieviel?
Einschränkungen in vielen Großstädten
Mit Ausnahme Niedersachsens hatte Verdi in allen Bundesländern zum Nahverkehrs-Warnstreik aufgerufen. In München bleiben alle U-Bahnen außer Betrieb, außerdem mit Ausnahme der Tramlinie 20 auch alle Straßenbahnen. Allerdings hält die Verkehrsgesellschaft MVG den Busverkehr auf sämtlichen Linien aufrecht, wenn auch teilweise mit stark ausgedünntem Fahrplan.
In Nürnberg stehen U-Bahnen und Straßenbahnen ebenfalls still, das kommunale Verkehrsunternehmen VAG hält einen Notfahrplan mit 16 Buslinien aufrecht. In Augsburg sind von den rund 140 Bussen und Straßenbahnen, die morgens normalerweise ausrücken, nur acht Straßenbahnen und sieben Busse unterwegs. "Die Stimmung ist sehr gut, Aufbruchstimmung", sagte ein Verdi-Sprecher in München am Morgen. Unter den größeren bayerischen Städten vom Warnstreik ausgenommen ist unter anderem Würzburg.
Letzter Tarifabschluss ist drei Jahre alt
Bis zur nächsten Verhandlungsrunde am 13. Februar sei "mit weiteren Warnstreiks zu rechnen", sagte der stellvertretende Verdi-Landesbezirksleiter Sinan Öztürk. "Wann und wie lange, geben wir mit angemessener Vorlaufzeit bekannt." Der Tarifvertrag Nahverkehr gilt laut Verdi für etwa 20 Unternehmen mit 9.000 Beschäftigten. Darüber hinaus stehen neue Warnstreiks auch im öffentlichen Dienst bevor.
Den bislang letzten Tarifabschluss im bayerischen ÖPNV gab es 2023. Damals waren bis zu einer Einigung fünf Verhandlungsrunden nötig. Es hatte mehrere Warnstreiks gegeben. Dieser "Tarifvertrag Nahverkehr" (TV-N) war schon 2024 ausgelaufen. Verdi hatte sich damals jedoch entschieden, den bayerischen Tarif nicht separat neu zu verhandeln, sondern abzuwarten, bis auch in den übrigen Bundesländern wieder Verhandlungen anstehen.
Gewerkschaft fordert mehr Geld, weniger Arbeitszeit und längere Mindestruhezeit
Für die laufende Tarifrunde fordert die Gewerkschaft 668,75 Euro mehr Gehalt, eine Reduzierung der wöchentlichen Arbeitszeit und eine Verlängerung der Mindestruhezeit auf elf Stunden. Die bayerischen Städte weisen das als zu teuer zurück. Nach Berechnungen des Kommunalen Arbeitgeberverbands Bayern entsprächen 668,75 mehr im Schnitt aller Tarifgruppen einer Gehaltserhöhung um knapp 17 Prozent. Die Finanzlage vieler Kommunen ist wegen der stark gestiegenen Kosten ohnehin schlecht, im öffentlichen Nahverkehr sind die Defizite der kommunalen Verkehrsgesellschaften in den vergangenen Jahren gestiegen.
Wie der Warnstreik den Freistaat trifft, darüber haben wir heute um 16 Uhr bei BR24 geredet. Dafür haben wir in die Regionen geschaut und uns von BR-Korrespondenten die Lage vor Ort schildern lassen. Außerdem war BR-Reporterin Birgit Harprath aus der Redaktion Wirtschaft und Soziales bei uns im Studio und hat den heutigen Streik eingeordnet: Wie weit liegen die Positionen von Arbeitgebern und Gewerkschaft auseinander und müssen wir uns auf weitere Streiks einstellen?
Im Video: Nahverkehr in Bayern steht weitgehend still
Der öffentliche Nahverkehr in Bayern steht weitgehend still.
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