Die Lage ist paradox. Wir leben in einem der freiesten und wohlhabendsten Länder der Welt. Und doch sind viele Menschen verunsichert: durch globale Krisen, wirtschaftliche Sorgen, geopolitische Spannungen. Die Sehnsucht nach einem "sicheren Ort" wächst. Für viele ist das das Lokale, das Regionale, das Nahe. Hier findet das Leben statt. Hier zeigen sich Vertrauen, Menschlichkeit und gesellschaftlicher Zusammenhalt.
Kommunalpolitik: Ausgleich statt Aufregung
Gerade deshalb lohnt der Blick auf die Kommunalpolitik. Sie ist in vielerlei Hinsicht ein Gegenentwurf zur Erregungslogik der großen internationalen Player. Sie ist – noch immer – ein Raum der Pragmatik. Hier zählen Personen mehr als Parteilabels, Lösungen mehr als Haltungen. Dort, wo Politik konkret wird – bei Schulen, Feuerwehren oder Bauvorhaben –, zählen Verlässlichkeit und Ausgleich mehr als Zuspitzung.
Doch gerade hier zeigt sich ein beunruhigender Trend. Die politische Kommunikation hat sich auch im Kommunalen spürbar verändert. Persönliche Anfeindungen, Hasskommentare und moralische Abwertungen sind längst nicht mehr auf nationale Debatten beschränkt. Sie treffen Bürgermeisterinnen, Gemeinderäte und Ehrenamtliche – oft direkt, ungefiltert und unter Einbeziehung ihrer Familien. Wer heute Verantwortung übernimmt, steht nicht nur politisch, sondern existenziell unter Beobachtung. Das ist eine neue Qualität öffentlicher Zumutung.
Was die Demokratie im Innersten trägt
Auch unsere Journalistinnen und Journalisten erleben diesen Wandel. Vorfälle, bei denen Reporter vor Ort beschimpft oder angefeindet werden, nehmen zu. Oft werden sie in einen Topf geworfen mit "denen da oben", werden zur Zielscheibe für pauschale Vorwürfe und Wut. Wie im Großen, so im Kleinen: Wenn es keinen Ort mehr gibt, an dem der Ton noch mäßig ist, droht das verloren zu gehen, was Demokratie im Innersten trägt – die Bereitschaft zu Dialog und Engagement.
Hier beginnt die medienethische Verantwortung. Journalismus ist nicht nur Berichterstatter, sondern Mitgestalter öffentlicher Kommunikationsräume. Er definiert mit, ob Politik als permanenter Skandal erscheint oder als das, was sie ist: ein mühevoller, aber notwendiger Prozess gemeinsamer Verständigung und Gestaltung.
Der Auftrag des BR - und wie wir ihn verstehen
Mit Blick auf die anstehenden Kommunalwahlen in Bayern sehen wir beim Bayerischen Rundfunk diesen Auftrag sehr klar. Unser Ziel ist es, zu informieren, einzuordnen, zu erklären – nicht anzuheizen. Kritik ist notwendig, Zuspitzung manchmal auch. Aber nicht jede Empörung ist relevant, nicht jede Zuspitzung klärt auf.
Deshalb setzen wir bewusst auf Nähe und Präsenz. Auf regionale Berichterstattung, auf Korrespondentinnen und Korrespondenten und Formate wie "BR24 vor Ort". Mit Angeboten wie "Mitmischen!" öffnen wir unsere Redaktionen und suchen den direkten Austausch mit den Menschen vor Ort. Gerade in Zeiten von Desinformation und KI-generierten Fälschungen setzen wir auf das, was Vertrauen schafft: Recherche, Transparenz und journalistische Verantwortung.
Vieles geschieht in guter Kooperation mit regionalen Verlagen, die für Medienvielfalt unverzichtbar sind. Gemeinsam erzählen wir, was Bayern bewegt – differenziert, nah an den Menschen und mit Blick für das Ganze.
Warum der Ton die Demokratie macht
Gerade in Wahlzeiten gilt: Wer kandidiert, verdient Respekt. Berichterstattung, die differenziert bleibt, Verfahren erklärt und Debatten abbildet ohne zu diskreditieren, stärkt nicht nur das Vertrauen in Medien, sondern auch in demokratische Institutionen.
Der Ton macht die Demokratie. Nicht nur in Parlamenten, sondern auch in Redaktionen, Kommentarspalten und Nachrichtensendungen. Wer ihn wahrt, verharmlost nichts – sondern schützt das, was unsere Demokratie im Innersten zusammenhält: Vertrauen, Respekt und die Bereitschaft, Verantwortung für die Gemeinschaft zu tragen.
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