Schnee-bedeckte Straße
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Der Schneefall der vergangenen 24 Stunden hat Polizei und Rettungskräfte stark gefordert.

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Erst Schnee, dann "Frühling": Was die Wetter-Wende mit uns macht

Von rund 20 Zentimetern Neuschnee auf frühlingshafte Temperaturen bis 15 Grad in wenigen Tagen. Einigen Regionen in Bayern steht ein heftiger Wetterumschwung in Aussicht. Mancherorts droht Hochwasser. Auch für die Gesundheit kann das Folgen haben.

Über dieses Thema berichtet: Abendschau - Der Süden am .

Größere Mengen Neuschnee überzogen Städte und Landschaften am Ende der Woche mit zauberhaftem Weiß. Großer Spaß für Kinder zum Ende der Faschingsferien, die noch mal ausgiebig Rodeln und im Schnee toben konnten, etwa am Schlittenberg am Lerchenauer See in München. Doch damit ist es den Prognosen zufolge bald vorbei.

Wetterumschwung in Bayern angekündigt

"Jetzt kommt die Milderung", sagt ARD-Wetterexperte Tim Staeger dem BR. Er betont: "Dann wird auch die Schneedecke relativ schnell abtauen." In der Nacht könne es in den Alpen zwar noch schneien. Die Zeichen stünden aber auf Regen, und zwar eine ganze Weile. Staeger spricht von markanten Milderungen in Verbindung mit Regen, den Modellen zufolge voraussichtlich für die kommenden zwei Wochen. In der kommenden Woche soll es vorfrühlingshaft werden, mit "Temperaturen deutlich im zweistelligen Plusbereich". "Der Übergang ist ziemlich schnell und markant jetzt", sagt Staeger. Das sei aber für unsere Breitengrade nicht untypisch.

Wetter kann sich auf Gesundheit auswirken

Trotzdem kann ein starker Wetterumschwung Menschen zu schaffen machen. "Wir sind alle wetterreagierend", sagt Andreas Matzarakis. Er ist Professor für Umweltmeteorologie und leitete lange das Zentrum für Medizin-Meteorologische Forschung (ZMMF) des Deutschen Wetterdienstes.

Was er damit meint: Menschen reagieren auf das Wetter, passen ihre Kleidung an oder packen einen Regenschirm ein. Wenn es schnell deutlich wärmer oder kälter wird, bereite das vielen keine Probleme. Entscheidend sei die Anpassungsfähigkeit. "Schwieriger wird es für Menschen, deren Anpassungsfähigkeit eingeschränkt ist", sagt Matzarakis und nennt als Beispiele Risikogruppen, Menschen mit chronischen Erkrankungen oder starkem Stress.

Matzarakis unterscheidet zwischen sogenannten wetterfühligen Menschen und solchen, die ausgeprägt unter dem Wetter leiden. "Ungefähr die Hälfte der Bevölkerung in Deutschland sagt über sich selbst, dass das Wetter einen leichten Einfluss auf ihre Gesundheit hat", führt er aus. Etwa 15 Prozent bis 20 Prozent geben an, stark beeinflusst zu werden und unter dem Wetter zu leiden. Dem Umweltmeteorologen ist wichtig: "Das Wetter macht die Leute nicht krank, es ist nur ein zusätzlicher Faktor und bringt quasi das Fass zum Überlaufen."

Tipps vom Umweltmeteorologen

Der in Bayern angekündigte Umschwung von kalt auf warm sei für den Körper besser zu verarbeiten, vor allem in der aktuellen Zeit. "Wir produzieren im Winter mehr Melatonin, also Schlafhormon, und wenn die Tage länger werden, dann steigt auch der Serotoninspiegel, was die Leute ein bisschen aufweckt." Dazu hat der Experte einen Rat: Wer wetterfühlig ist, könne seinen Körper und seine Anpassungsfähigkeit trainieren. Matzarakis nennt frische Luft, viel Bewegung, eine gesunde Ernährung und vor allem Schlaf – allerdings gelte das nur für Menschen ohne Erkrankungen.

Überdurchschnittlich viel Schnee in Bayern in diesem Winter

Zurück zum Schnee: Insgesamt war der Winter in Bayern in diesem Jahr überdurchschnittlich schneereich, betont Meteorologe Staeger. Zuletzt habe es in Bayern im Schnitt 25 Schneetage gegeben – noch bis in die 1970er Jahre seien es doppelt so viele gewesen. "Jetzt hatten wir diesen Winter bisher 32 Tage mit einer geschlossenen Schneedecke bayernweit, das ist also schon überdurchschnittlich", sagt Staeger. Trotz des Klimawandels könne es schneereiche Winter geben.

Lawinengefahr und Hochwasser

Der vorhandene Schnee kann in den kommenden Tagen allerdings zu Problemen führen: In den bayerischen Alpen besteht laut Lawinenwarndienst Warnstufe 4 von 5. Ein Grund seien große Mengen Neuschnee, die sich mit dem vorhandenen Schnee noch nicht gut verbunden hätten.

Außerdem droht in einigen Regionen Hochwasser, vor allem in den Bayerischen Alpen, im übrigen Alpenraum, im Oberpfälzer Wald und in Franken. "Wir bekommen jetzt Niederschläge bis Montag, wahrscheinlich um die 20 bis 30 Liter pro Quadratmeter in Bayern", sagt Staeger. Dazu gebe es "markantes Tauwetter". Außerdem seien die Böden noch recht kalt und könnten nicht so viel Wasser aufnehmen. Und so haben mehrere Wasserwirtschaftsämter am Freitag Warnungen vor Hochwasser und Überschwemmungen herausgegeben, etwa für die Landkreise Bamberg, Forchheim, Bad Kissingen, Donau-Ries oder Nürnberger Land.

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