Es sind harte Vorwürfe, die sich gegen die Intendantin des Fürther Stadttheaters richten. Zahlreiche Mitarbeitende des Theaters haben einen entsprechenden Brief, der sich gegen Intendantin Silvia Stolz richtet, unterschrieben und an Fürths Oberbürgermeister Thomas Jung, den Kulturreferenten Benedikt Döhla (beide SPD) und weitere Dienststellen der Stadt Fürth geschickt.
Vorwurf eines "toxischen Arbeitsklimas"
Über die Beschwerde der Mitarbeitenden haben unter anderem Süddeutsche Zeitung (SZ) (externer Link, möglicherweise Bezahl-Inhalt) und Nürnberger Nachrichten (NN) (externer Link, möglicherweise Bezahl-Inhalt) berichtet. 25 der 47 Mitarbeitenden unterzeichneten das Schreiben, wonach vor allem die Arbeitsatmosphäre unter der Intendantin sehr belastend sein soll.
Die SZ zitiert aus dem Brief, dass Stolz für ein toxisches Arbeitsklima verantwortlich sei, das "durch Angst und Misstrauen" geprägt sei. Sie führe das Haus mit "Druck, Herabsetzung und unfairer Kritik". Die Situation treibe viele Theaterleute in eine "Gefühlslage der Herabwürdigung, Ohnmacht, Hilflosigkeit, Angst bis hin zu Panikattacken".
Kritik richtet sich auch gegen Stadtspitze
Auch Fürths Kulturreferent Benedikt Döhla wird kritisiert, da an ihn wohl bereits im Juli sowie ein weiteres Mal im Dezember 2025 ähnliche Vorwürfe herangetragen worden seien. In einer internen Antwortmail, die der SZ vorliegt, kündigte er nun "ein strukturiertes Verfahren" an, das "eine sorgfältige und sachgerechte Aufarbeitung der geschilderten Situation" ermöglichen soll.
Die Stadt Fürth sagte auf Nachfrage des BR am Dienstag (02.06.) zu den Vorwürfen: Man habe zeitnah die Vorbereitung eines extern begleiteten Klärungsprozesses eingeleitet. "Ziel ist es, die Situation am Stadttheater unabhängig, sachlich und ergebnisoffen zu betrachten, ein möglichst vollständiges Bild der Lage zu gewinnen und auf dieser Grundlage die Voraussetzungen für eine konstruktive und nachhaltige Zusammenarbeit am Stadttheater zu stärken."
Die Stadt Fürth werde sich nicht an öffentlichen Bewertungen einzelner Personen oder noch nicht geprüfter Vorwürfe beteiligen. "Der Schutz der Persönlichkeitsrechte aller Beteiligten sowie die Sicherstellung eines fairen und ergebnisoffenen Verfahrens haben dabei hohe Priorität."
Intendantin äußert sich selbst nicht zu Vorwürfen
Unterdessen äußert sich die in der Kritik stehende Intendantin Silvia Stolz nicht zu den Vorwürfen. Auf BR-Anfrage war vom Fürther Stadttheater folgendes Statement zu lesen: "Die in den Medien veröffentlichte Kritik nehmen wir ernst. Gleichzeitig bitten wir um Verständnis, dass sich Intendantin Dr. Silvia Stolz zu internen Personal- und Organisationsangelegenheiten grundsätzlich nicht öffentlich im Detail äußern wird."
"Veränderungsprozesse könnten zu Reibungen führen"
Das Stadttheater Fürth befinde sich seit Beginn der aktuellen Intendanz in einem umfassenden Veränderungs- und Modernisierungsprozess. Ziel sei es, das Haus künstlerisch, organisatorisch und strukturell zukunftsfähig aufzustellen. Solche Veränderungsprozesse könnten zu Reibungen führen, da sie unterschiedliche Perspektiven und Erwartungen ausbalancieren müssen. "Aus diesem Grund wurde in enger Abstimmung mit der Stadt Fürth bereits ein strukturierter Prozess eingeleitet, der dem offenen Austausch dient und der zum Ziel hat, das Vertrauen wieder zu stärken und eine gemeinsame Grundlage für die zukünftige Zusammenarbeit zu schaffen."
Vertrag endet im Herbst 2028
Silvia Stolz ist seit November 2023 Intendantin des Stadttheaters Fürth und damit Nachfolgerin von Werner Müller, der das Intendantenamt 33 Jahre innehatte. In ihrer ersten Spielzeit in Fürth 2024/25 verzeichnete das Stadttheater einen Besucherzuwachs von 21,5 Prozent. Ihr Vertrag in Fürth endet im Herbst 2028. Zuvor war sie unter anderem Chefin des Kultur- und Tagungszentrums Stadeum im niedersächsischen Stade.
Erst im Mai wurde Lucius Hemmer, ehemaliger Intendant der Nürnberger Symphoniker, wegen ähnlicher Kritik – unter anderen an seinem Führungsstil – entlassen.
Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.
"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!

