Symbolbild: Südostbayernbahn
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Beinahe-Zugunglück in Oberbayern: So knapp war es wirklich

Fast wäre es am Freitag im Landkreis Mühldorf zu einem schweren Zugunglück gekommen: Auf einem eingleisigen Abschnitt bei Weidenbach kamen sich zwei Züge gefährlich nahe. Jetzt wurden weitere Details zu dem Vorfall bekannt.

Über dieses Thema berichtet: Bayern-2-Nachrichten am .

Am vergangenen Freitag war eine Regionalbahn der Linie RB40 von München nach Mühldorf gegen 9 Uhr auf einen Gleisabschnitt geleitet worden, der schon von einem Personenzug besetzt war. Zwischenzeitlich war von einem Güterzug die Rede, der beinahe auf den anderen Personenzug aufgefahren wäre. Diese Darstellung wurde von der Bahn inzwischen korrigiert. Ein Zusammenstoß nahe dem Ort Weidenbach konnte gerade noch vermieden werden.

Zug der Südostbayernbahn kam hinter Personenzug zum Stehen

Laut einer Bahnsprecherin sind die Züge hintereinander hergefahren, es gab somit kein Risiko eines Frontalzusammenstoßes, wie am Freitag zunächst vermutet worden war und BR24 berichtet hatte. Es kam zu keinerlei Sach- oder Personenschäden. Die Folge waren zeitweise Verspätungen und Zugausfälle auf der Strecke zwischen München und Mühldorf bis etwa 12.30 Uhr.

Lokführer handelte geistesgegenwärtig

Der Regionalzug soll Augenzeugen zufolge etwa 50 Meter hinter dem Personenzug zum Stehen gekommen sein. 50 Meter sind bei den langen Bremswegen von Eisenrädern auf Schienen knapp. "Vermutlich hätte es mindestens Verletzte gegeben, wenn der aufmerksame Lokführer nur etwas später gebremst hätte", schätzt Lukas Iffländer, der stellvertretende Bundesvorsitzende des Fahrgastverbands Pro Bahn.

Gefährliches Ereignis nach Stellwerkstörung

Die Bundespolizei untersucht den Vorfall als "Gefährdung des Eisenbahnbetriebs". "Wir unterstützen die Ermittlungen," heißt es von der Bahn, mit der Bitte "um Verständnis, dass wir darüber hinaus keine Angaben machen können, da die Untersuchungen noch laufen".

Generell ist es so, dass auf einer eingleisigen Strecke ein Zug nur das Einfahrtssignal Grün bekommen kann, wenn ein Abschnitt frei ist, "und eben dann das Signal auf der anderen Seite rot ist". Laut dem Bahntechnikexperten und langjährigen Lehrstuhlinhaber für Schienenverkehrsfahrzeuge, Markus Hecht, gibt es bewährte Möglichkeiten, das bei einer Signalstörung zu überbrücken. Für den konkreten Fall liegt hier aber noch nicht genug Information vor. Doch Lukas Iffländer erinnert daran, dass "bisherige Fälle, die ähnlich gelagert waren, meist auf menschliches Versagen zurückzuführen sind".

Bahnbetrieb auch im Störungsfall aufrecht erhalten

Die Regeltechnik verhindert, dass Züge in einen bereits belegten Streckenabschnitt einfahren können. "Ist diese gestört, wird auf Rückfallprozesse zurückgegriffen, die durch Menschen manuell ausgeführt werden." Diese seien fehleranfällig, aber notwendig, um im Störfall überhaupt Betrieb zu ermöglichen. Statistisch beziffert Markus Hecht diese Fehleranfälligkeit so, "dass statistisch gesehen, jede tausendste Handlung falsch ist".

Risikofaktoren und die Erinnerung an Bad Aibling

Seit 2009 sind Bahnen verpflichtet, neue Züge mit Crashelementen einzusetzen, berichtet Markus Hecht. Diese Crashelemente sorgen dafür, dass es bei Kollisionen mit einer Aufprallgeschwindigkeit von bis zu 36km/h keine schweren Verletzungen gibt.

In Bad Aibling waren 12 Menschen gestorben – trotz Crashelementen in den Zügen. Laut Hecht hätte es bei dem Unglück ohne diese Elemente in den Zügen bis zu 60 Tote gegeben. Auf der Südostbayernbahn sind noch ältere Züge unterwegs, ohne diese Crashelemente.

Die Stellwerkstechnik auf dem Streckenabschnitt zwischen Dorfen und Ampfing gilt grundsätzlich als sicher, aber eben auch als veraltet, was sie störanfällig mache, so Lukas Iffländer, der an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Dresden lehrt. "Das macht sie störanfällig."

Die Strecke München – Mühldorf soll ausgebaut werden und dabei auch elektronische Stellwerke bekommen. Das verzögert sich aber seit Jahren.

Transparenzhinweis: In einer früheren Fassung des Texts hieß es fälschlicherweise der zweite Zug sei ein Güterzug gewesen. Korrekt ist, dass es sich ebenfalls um einen Personenzug handelte. Das haben wir am 25.02.2026 um 11.00 Uhr korrigiert.

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