Olympiapark in München
Bildrechte: picture alliance / SvenSimon | Frank Hoermann / SVEN SIMON

Olympiapark in München

Per Mail sharen
Artikel mit Audio-InhaltenAudiobeitrag

Olympiabewerbung: München und Bayern sehen sich in der Pole

Nach dem Nein der Hamburger Bevölkerung zu Olympia könnte es jetzt auf ein Duell München gegen Köln und das Ruhrgebiet hinauslaufen. Bayern glaubt, die Nase leicht vorne zu haben. Verhaltener Optimismus kommt aus der Wissenschaft.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio Nachrichten am .

Egal, wie es am Ende ausgeht: Die Kanuten am Augsburger Eiskanal trainieren schon für Olympia. Oliver Reys und Leonas Schubert gehören zu den Nachwuchshoffnungen der Augsburger Traditionsvereine "Kanu Schwaben" sowie "Augsburger Kajak Verein" und haben schon große Wettbewerbe gewonnen: Oliver in der Disziplin Kajak-Cross, Leonas im Kanu-Slalom. Ihr Ziel ist eine Teilnahme bei Olympischen Spielen, am besten zuhause.

Olympische und Paralympische Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044

Dafür will Leonas hart trainieren. "Man weiß nie, was kommt. Aber mein Plan wäre schon, dass ich weiter trainiere und irgendwann, 2036, bei der Olympiade mitfahre", sagt er. Ähnlich das Ziel von Oliver. Er übt mit seinem Trainer gerade den idealen Start mit dem Kajak. Ein Start bei Olympia in Bayern: "Ja, das wäre ganz ok."

2036, oder auch erst später – falls es klappt mit der Bewerbung. Nach dem Aus für Hamburg wird sich der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) nun mit München, Berlin oder der Rhein-Ruhr-Region mit Köln als Zentrum [externer Link] beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) für Olympische und Paralympische Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044 bewerben. Die Entscheidung fällt am 26. September im Rahmen einer außerordentlichen Mitgliederversammlung in Baden-Baden.

Augsburg soll erneut Olympia-Spielstätte werden

Falls München die Spiele bekommen sollte, dann würde auch in Augsburg um Medaillen gekämpft. Der Augsburger Eiskanal wurde für die Spiele 1972 errichtet und ist die älteste künstliche Kanustrecke der Welt. Regelmäßig finden hier internationale Wettbewerbe statt. Augsburger Kanuten gewannen bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften schon viele Medaillen.

München setzt auf Nachhaltigkeit

Zentrum der Spiele wäre das Münchner Olympiagelände. Das Stadion mit seinem weltberühmten Zeltdach und die Hallen würden wieder genutzt werden. Das heißt: Keine teuren Neubauten. Kurze Wege und wie in Paris Wettbewerbe mitten in der Stadt. So sollen die Radrennfahrer am Odeonsplatz ins Ziel kommen.

Auch der neu gewählte Oberbürgermeister von den Grünen, Dominik Krause, will Olympia in seiner Stadt. "Wir haben in München ein bisschen die Nase vorn im Vergleich zu den anderen. Wegen der internationalen Strahlkraft. Wegen diesem Erbe von 1972 und vor allem diesem Alleinstellungsmerkmal mit der Nachhaltigkeit", sagt er.

Grüner OB und CSU-Ministerpräsident ziehen an einem Strang

Bei Olympia ist sogar eine Art schwarz-grüne Koalition entstanden. So lobt der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) den grünen Oberbürgermeister: "Ich habe sogar das Gefühl, dass er noch mehr dazu einsteigt als sein Vorgänger. Insofern hoffe ich sehr, dass das auch eine Wirkung hat und dass das auch im DOSB überzeugen kann. Auf jeden Fall bin ich froh, wir ziehen da alle an einem gemeinsamen Strang für Olympia und das ist ein gutes Signal", so Söder.

Ist München nach dem Aus für Hamburg in der Favoritenrolle?

Weil gerade die Hamburger Bevölkerung gegen Olympia entschieden hat und die Hansestadt damit aus dem Rennen ist, sehen einige München in der Favoritenrolle. OB Krause will das Hamburger Votum aber nicht überbewerten. "Die Ausgangslage hat sich für München mit dem Hamburger 'Nein' nicht geändert", hieß es aus dem Rathaus. Man werde aber "dem DOSB ein sehr gutes Angebot machen können".

Der bayerische Innen- und Sportminister Joachim Herrmann (CSU) erwartet jetzt einen Zweikampf München gegen Köln und kündigt einen starken Auftritt gegenüber dem DOSB an: "Wir werden schon in Bälde die ganzen Delegierten des DOSB noch einmal nach München einladen. Die Landeshauptstadt München, der Oberbürgermeister, der Ministerpräsident werden dort erläutern, wie schön es ist, wenn Olympische Spiele in München stattfinden."

Wissenschaftler verhalten optimistisch

Verhalten optimistisch beurteilt der Tourismusökonom Matthias Firgo die Münchner Bewerbung. Firgo beschäftigt sich seit langem mit wirtschaftlichen Effekten von Olympia. Seine Erkenntnis: Der wirtschaftliche Nutzen werde überschätzt. Er nennt den Ansatz von München, die Stadt zu verändern, deutlich gewichtiger, weil man Olympia als "Katalysator sieht, um die Stadt zu transformieren. Verkehrswende zu schaffen, die öffentliche Infrastruktur auszubauen, Wohnraum zu schaffen". Paris, so der Wissenschaftler, habe 2024 gezeigt "wie erfolgreich so etwas funktionieren kann".

Am Wildwasserkanal in Augsburg haben Oliver und Leonas vor allem ihr sportliches Ziel vor Augen. Teilnahme bei Olympia. In zehn Jahren könnte es so weit sein – vielleicht sogar auf ihrer Hausstrecke.

Im Video: Gespräch mit Sport-Redakteur Tobias Barnerssoi

Sport-Redakteur Tobias Barnerssoi (rechts)
Bildrechte: BR
Artikel mit Video-InhaltenVideobeitrag

Sport-Redakteur Tobias Barnerssoi (rechts)

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!