(Symbolbild) Seltene Erden in einem Hafen in China.
Bildrechte: picture alliance / dpa | Xie Zhengyi

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Mangel an Seltenen Erden setzt der bayerischen Wirtschaft zu

So rar, wie man meinen könnte, sind Seltene Erden nicht. Trotzdem fehlt es in der Industrie massiv an den Rohstoffen. Der Mangel zieht sich durch die ganzen Wertschöpfungsketten. Aus der Politik gibt es zu wenig Hilfe. Wird das Problem unterschätzt?

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Auf der großen Bühne der Weltpolitik blitzt der Begriff der Seltenen Erden immer wieder auf. Zuletzt beim Versuch von US-Präsident Donald Trump, sich Grönland zu sichern. Die Insel ist reich an Seltenen Erden. Der globale Markt samt Abbau und Export wird größtenteils von China dominiert und kontrolliert. Dabei ist die Industrie weltweit auf Seltene Erden angewiesen.

Mit Erde haben sie trotz ihres Namens nichts zu tun. Vielmehr sind Seltene Erden ein Überbegriff für eine Gruppe von 17 Metallen mit besonderen Eigenschaften. Benötigt werden sie in nahezu jedem Bereich, der mit Technologie zu tun hat: egal ob bei der Fertigung von Handys, Windrädern, E-Autos oder bei Medizin und Militär. Mit Blick auf den Mangel an Seltenen Erden gibt es Kritik aus Mittelfranken an der Politik. Die habe das Problem noch nicht wirklich verstanden, so der Vorwurf.

"Ohne Seltene Erden können wir Produktion einstellen"

Wie abhängig Teile der Industrie von Seltenen Erden ist, zeigt ein Blick ins mittelfränkische Roth. Hier fertigt das Unternehmen Circutec Industrie-Pumpen. Für die Medizintechnik, aber auch für Kunststoffverarbeiter. Die Seltenen Erden stecken in den Magneten, die in technisch meist anspruchsvollen Pumpen verbaut werden, erklärt Montageleiter Bastian Wenk.

25 bis 30 Tonnen Magnete verbraucht das Rother Unternehmen jährlich. Über die Hälfte des Umsatzes hängt an der Verfügbarkeit von Seltenen Erden. Ohne diese Rohstoffe "können wir einen Großteil unserer Produktion einstellen", sagt Firmenchef Wolfgang Krüger. Im vergangenen Herbst waren die Lager zeitweise leer. Die Fertigung von Pumpen für ein großes Medizintechnikunternehmen habe man fast nicht leisten können, mit gravierenden Folgen.

Die Pumpe koste um die 300 bis 400 Euro, werde laut Krüger aber in einem Medizintechnik-Apparat verbaut, der bis zu drei Millionen koste. Das Gerät könne man ohne die Pumpe nicht fertig bauen. "Das gibt einen Rattenschwanz, das kann man sich gar nicht vorstellen", erklärt Krüger.

"Deutliche Belastung" für Bayerns Wirtschaft

Mit der Abhängigkeit von Seltenen Erden ist der Rother Pumpenhersteller keineswegs allein. Laut einer Verbands-Umfrage der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft sind "etwa 30 Prozent unserer Unternehmen sehr direkt betroffen", sagt vbw-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt. Die Folgen gingen aber "in die komplette Wertschöpfungskette".

Zusammenfassend könne man sagen, so Brossardt, dass der Mangel an seltenen Erden eine "deutliche Belastung" für die bayerische Wirtschaft sei. Besonders davon betroffen seien der Maschinenbau und die Autoindustrie.

Nicht verstanden, "was die Seltenen Erden eigentlich sind"

Für Ärger sorgt beim Pumpenhersteller Circutec in Roth nicht nur der Mangel an Seltenen Erden an sich. Sondern vielmehr, wie die Politik mit dem Thema umgeht. Bei einem Standort in Österreich habe sich die Politik engagiert, so Firmenchef Krüger. Die Folge: In zwei, drei Wochen habe man Exportgenehmigungen aus China bekommen, auf die man sonst vier bis fünf Monate habe warten müssen.

In Deutschland habe man die Politik ebenfalls um Hilfe gebeten, Mails und Briefe geschrieben nach Berlin und München. Das Ergebnis sei ernüchternd, beschreibt der Circutec-Chef. Seine Erklärung: "Es ist nicht verstanden worden, was die seltenen Erden eigentlich sind", so Krüger. Die Politik habe das Thema zwar wahrgenommen, sich aber "nicht in der Tiefe" damit beschäftigt.

Bundeswirtschaftsministerium antwortet

Vom Bundeswirtschaftsministerium, an das sich Circutec unter anderem gewandt hatte, heißt es: Man nehme die Angelegenheit ernst und beobachte die Lage "mit Sorge". Die über Jahre gewachsenen Abhängigkeiten ließen sich aber "nicht kurzfristig auflösen". Deshalb müsse "auch die deutsche Wirtschaft ihre Anstrengungen zur Diversifizierung der Bezugsquellen" weiter verstärken. Die Bundesregierung unterstütze das "mit einem breiten Maßnahmenportfolio".

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