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Die Digitalisierung schreitet voran: Während es manch einem zu langsam geht, fällt es anderen schwer, mitzuhalten. Die elektronische Patientenakte, digitale Verwaltung oder Apps sind etwa für manche Senioren eine Herausforderung.
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Probleme mit Digitalisierung: Können Kinder und Enkel helfen?
In der Kommentarspalte bei BR24 haben Nutzer über den digitalen Führerschein diskutiert und hinterfragt, ob er auch für ältere Menschen sinnvoll ist. "Oma soll was mit Behörden regeln. Nur online. Alles klar. Die Sache wird komplett scheitern", schrieb etwa der User "Ugly_Creature". Während andere Nutzer wie "Clivebixby" darauf verwiesen, dass etwa Enkel helfen könnten, gab "Knoppi" zu bedenken: "Nicht jeder hat Enkel, Kinder etc. Außerdem sollte das System dann so aufgebaut sein, dass es alle hinbekommen, alles online zu machen."
Expertin: Ärger oder Trauer, weil nicht an Ältere gedacht wird
"Im Alltag fühlen sich ältere Menschen heute oft nicht mehr abgeholt, sondern alleine gelassen und überfordert", erklärt Kathleen Busse, Projektkoordinatorin "Miteinander – Füreinander" beim Maltester Hilfsdienst in Regensburg. Die Welt habe sich in den vergangenen Jahren schnell verändert. "Die Digitalisierung ist viel zu schnell vorangeschritten, um alle abzuholen", so Busse.
Wenn man zum Beispiel Bustickets fast nur noch online oder per App kaufen kann und nicht mehr direkt beim Fahrer, sei das für Senioren eine große Hürde. "Sie sind dann verärgert oder traurig, weil offenbar nicht an sie und ihre Bedürfnisse gedacht wird." Zwar könne man etwa am Hauptbahnhof noch Tickets kaufen, doch das sei eben deutlich umständlicher als früher.
Digitalbarometer: Jeder Zweite über 80-Jährige fühlt sich überfordert
Das Bayerische Forschungsinstitut für Digitale Transformation hat das Thema Digitalisierung im Rahmen des Digitalbarometers [externer Link] untersucht. Die Ergebnisse zeigten, dass 50 Prozent der über 80-Jährigen sich mit digitalen Technologien und dem Internet oft oder sehr oft überfordert fühlen, sagt Roland Stürz, Projektleiter des Think Tanks. Bei den unter 65-Jährigen seien es nur rund 7,5 Prozent. Die digitale Kompetenz nehme mit dem Alter deutlich ab.
Unterstützungsangebote sollen Senioren helfen
"Ob Online-Einkaufen, digitale Beratungsangebote oder Familienfotos per App versenden – ältere Menschen können die Chancen der Digitalisierung genauso nutzen wie junge Menschen", teilt Bayerns Sozialministerin Ulrike Scharf (CSU) auf BR24-Anfrage mit. "Für mich hat Priorität, dass Seniorinnen und Senioren eigenständig am gesellschaftlichen Leben teilhaben können."
Dazu gibt es Unterstützungsangebote. So habe das Ministerium 2018 die Initiative "Medien und Technik im Alter" ins Leben gerufen. Sie soll Barrieren für ältere Menschen in der digitalen Welt abbauen. Es gebe etwa Kurse zum Einstieg in die digitale Welt oder zum Online-Banking. Auch Hilfsorganisationen oder andere Einrichtungen bieten ähnliche Kurse an.
So auch in Regensburg, wo Helfer Senioren im Zuge der Bit-Cafés kostenlos zu ihren Fragen rund ums Smartphone, Tablet oder den Laptop beraten, erzählt Busse. "Nebenbei gibt es noch Tee und Brezn und es ist auch Zeit für einen kurzen Ratsch", denn der soziale Aspekt dürfe nicht zu kurz kommen.
Das können Kinder, Enkel und Freunde tun
"Ein Problem ist, dass diese Angebote von älteren Menschen häufig nicht genutzt werden", sagt Roland Stürz. So zeige etwa das Digitalbarometer, dass Menschen im Ruhestand ihre Digitalkenntnisse primär mit der Hilfe von Familienmitgliedern verbessern oder durch einfaches ausprobieren. Gerade bei den über 80-Jährigen würde die Familie hier den wichtigsten Part übernehmen.
Die Unterstützung beginne bereits beim Kauf, so Busse. So könnten Senioren mit dem neusten, führenden Smartphone-Modell etwa überfordert sein. "Es könnte sinnvoller sein, ein seniorengerechtes Smartphone zu kaufen." Diese seien reduzierter und haben nicht ganz so viele Apps.
Zuhause gehe die Unterstützung dann weiter, sagt Stürz. Man müsse für die richtige Infrastruktur sorgen. Dabei komme es zum Beispiel darauf an, das WLAN richtig einzurichten und auf dem Tablet etwa bereits eine gut lesbaren Schrift einzustellen.
"Man muss sich auch Zeit nehmen, Dinge zu erklären und immer wieder zu zeigen", so Busse. Ältere Menschen haben oft Angst davor, etwas falsch zu machen. Wenn man sie aber zum richtigen Weg führe, könne das motivierend sein. Und wenn man selbst nicht die Zeit habe oder zu weit weg wohne, könne man dennoch unterstützen und dabei helfen, passende Kursangebote herauszusuchen.
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